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Turnhallen als letzter Ausweg

Berchtesgaden – Berchtesgaden habe schon überdurchschnittlich viele Asylbewerber und in den anderen Talkessel-Gemeinden fehlt der Platz – sagen die Bürgermeister und Geschäftsleiter. Im Landratsamt sucht man aber weiterhin händeringend nach Unterkünften, in Piding konnten zuletzt zusätzliche Aufnahmekapazitäten gewonnen werden. Allerdings reicht das nicht.

Andreas Bratzdrum vom Landratsamt Berchtesgadener Land weiß, dass die Situation prekär ist: 187 Asylbewerber sind im Landkreis untergebracht. In Freilassing, in Piding, rund 50 in den beiden Unterkünften in Berchtesgaden, an der Königsseerstraße und oberhalb der Watzmann Therme – im Café »Waldluft«.

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»Derzeit liegt die Quote bei 192 Asylbewerbern«, sagt Andreas Bratzdrum. Bedeutet, dass der Landkreis dazu verpflichtet ist, 192 Flüchtlinge aufzunehmen. Regelmäßig befindet sich der Landkreis in Gesprächen mit Besitzern von Pensionen und Unterkünften, um weiteres Platzangebot zu schaffen. Erfolg hat der Landkreis nur begrenzt. Ein potenzielles Objekt, ein ehemaliges Hotel in Bischofswiesen, wurde im Gemeinderat als Unterkunft abgelehnt (wir berichteten), die Regierung von Oberbayern prüft den Sachverhalt, wie Landratsamt-Pressesprecher Bratzdrum auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« berichtete.

In Kürze soll die Unterkunft in Piding zu einer Gemeinschaftsunterkunft werden, »die baulichen Voraussetzungen wurden geschaffen«, so Bratzdrum, neuer Wohnraum ebenso. Für wie viele Asylbewerber? Die Frage kann der Sprecher nicht beantworten. »Die Regierung von Oberbayern entscheidet, wie viele schließlich nach Piding kommen.« Derzeit wohnen dort 23 Asylbewerber. Bis Ende des Jahres rechnet der Landkreis mit rund 60 weiteren Neuankömmlingen. Unterkünfte gibt es noch keine. Problem an der Sache: Der Zeitraum zwischen Ankündigung weiterer Asylbewerber durch die Regierung von Oberbayern und Ankunft beträgt häufig nur wenige Tage. Zum kurzfristigen Handeln zu wenig. Allerdings scheint auch die langfristige Planung des Landratsamts nur bedingt erfolgreich zu sein.

Denn kaum eine der Talkesselgemeinden ist bereit beziehungsweise in der Lage, weitere Asylbewerber aufzunehmen, so heißt es aus den Verwaltungen. »Wir haben bei uns schon sehr viele aufgenommen«, sagt etwa der Geschäftsführer des Marktes Berchtesgaden, Anton Kurz. »Wir übererfüllen unsere Quote.« Im nördlichen Landkreis tue man sich deutlich härter, die Quote zu erfüllen. Hannes Rasp von der Gemeinde Schönau am Königssee sagt, dass die Kommune durch das Landratsamt bereits schriftlich informiert wurde, dass mit deutlich mehr Asylbewerbern zu rechnen sei. In dem Schreiben heißt es, dass auf die Belange der Gemeinde keine Rücksicht genommen werden könne. Wenn also Asylbewerber kommen, müsse man Räume schaffen: »Wir haben eine Mitwirkungspflicht«, räumt Hannes Rasp ein. Potenzielle Wohnungen gibt es in der Gemeinde nicht. »Wir können keine Notunterkünfte aus dem Ärmel zaubern.« Aktuell wohnen in Schönau am Königssee keine Flüchtlinge aus anderen Ländern.

Martin Willeitner, Geschäftsleiter der Gemeinde Ramsau, berichtet, dass man bereits alle Alternativen geprüft habe, ein leer stehendes Haus war nicht zentral genug gelegen, sagt er, »wir haben kein passendes Objekt im Ort«, lautet das Fazit.

Willeitner geht davon aus, dass auch die Ramsau demnächst Ankommende aufzunehmen hat. »Die Zahlen werden auch weiterhin steigen.« Bürgermeister Franz Halmich aus Marktschellenberg sagt, dass es im Ort keine geeigneten Bauobjekte gibt. Vor über 20 Jahren hatte Marktschellenberg viele Asylbewerber, erinnert er sich. Diese Zeiten sind vorbei.

Im Schreiben des Landratsamts steht im Übrigen noch eine weitere Alternative, die im äußersten Notfall zum Tragen käme: Wenn es keine ausreichenden Unterbringungsmöglichkeiten mehr gäbe, würden Turnhallen und Schulen in Betracht gezogen. Soweit denken möchte allerdings keiner der Befragten. Kilian Pfeiffer