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Die Geschäftsführung des Schülerforschungszentrums wechselt von Berchtesgaden nach München. Das gefällt nicht allen. (Foto: Lisa Schuhegger)

TU München bekommt mehr Macht im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land

Berchtesgaden – Im Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land, das seit seiner Gründung im Jahr 2011 im alten Gymnasium Berchtesgaden untergebracht ist, bekommt die Technische Universität München mehr Macht. Neben der wissenschaftlichen Leitung der Einrichtung übernimmt Prof. Dr. Claudia Nerdel ab 1. September auch die Geschäftsführung der Einrichtung zur Förderung der MINT-Fächer. Der bisher vom Landkreis gestellte Geschäftsführer Christoph Geistlinger wechselt als Klimaschutzkoordinator ans Landratsamt. Dass der Landkreis die Geschäftsführung still und leise aus der Hand gibt, gefällt vielen nicht.


Es war Hans Kortenacker (Bürgergruppe), der das Thema kürzlich im Marktgemeinderat Berchtesgaden ansprach. »Zwischen Tür und Angel« sei im Schülerforschungszentrum ein Wechsel in der Geschäftsführung beschlossen worden, sagte Kortenacker. Dass die Technische Universität München neben der wissenschaftlichen Leitung nun auch die Geschäftsführung vom Landkreis übernehmen soll, wertete er als »kein gutes Zeichen«. Der Kommunalpolitiker ging sogar noch weiter: »Ist das der Anfang vom Ende des Schülerforschungszentrums?«, fragte er.

Das Landratsamt bestätigte auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« die Veränderungen ab 1. September. Als Grund gibt die Behörde die anstehende Vertragsverlängerung zwischen dem Landkreis und der TU München an, die nun nach zehn Jahren anstehe. »In diesem Zusammenhang wurden die Strukturen neu bewertet«, heißt es vonseiten des Landratsamtes. Der Landkreis Berchtesgadener Land bleibe weiterhin Träger und an der Struktur des Schülerforschungszentrums mit Technischer Universität München, Kultusministerium, Förderverein und Landkreis werde sich »grundsätzlich nichts ändern«.

Lediglich die »doppelte Leitungsstruktur« sei nach zehn Jahren aus Effizienzgründen nicht länger erforderlich, teilt das Landratsamt mit. Für den Aufbau und die Vernetzung des Bildungsorts sei die doppelte Spitze aus wissenschaftlicher Leitung und Geschäftsführung »im täglichen Betrieb absolut notwendig« gewesen. Mittlerweile habe sich das Schülerforschungszentrum jedoch als feste Größe in der Bildungswelt des Berchtesgadener Lands etabliert.

Die Behörde weiter: »Die TUM hat sich bereits durch die zusätzliche personelle Unterstützung der Werkstatt (digitale Produktion) stärker in das SFZ eingebracht und wird dies auch in Zukunft durch die Leitung aus einer Hand vermehrt fortführen. Die Kooperationsvereinbarung soll wegen des großen Erfolges langfristig verlängert werden.« In der Kooperationsvereinbarung vom 30. Juli 2013 zwischen dem Landkreis Berchtesgadener Land und der Technischen Universität München für die gemeinsame Fortführung des Schülerforschungszentrums Berchtesgadener Land war noch festgelegt worden, dass der Landkreis die Geschäftsführung der Einrichtung übernimmt. Künftig sind beim Landkreis nur noch das Sekretariat, die Werkstatt- und Kursleitung sowie der Hausmeister angesiedelt.

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Der bisherige Geschäftsführer des Schülerforschungszentrums, Christoph Geistlinger, wird jetzt Klimaschutzmanager im Landratsamt. (Foto: Pfeiffer)

Dass der Landkreis die Geschäftsführung nun einfach nach München abgibt, ohne dies vorher groß kommuniziert zu haben, stößt bei so manchen Insidern, die nicht genannt werden wollen, auf Kritik. Dabei geht es nicht um die künftige Geschäftsführerin und wissenschaftliche Leiterin Prof. Dr. Claudia Nerdel, die allseits einen guten Ruf genießt. Vielmehr sorgt man sich, dass der Landkreis hier eine wichtige Möglichkeit der Einflussnahme aus der Hand gibt.

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Prof. Dr. Claudia Nerdel von der TU München ist nun wissenschaftliche Leiterin und Geschäftsführerin des Schülerforschungszentrums in Personalunion. (Foto: Pfeiffer)

Das Schülerforschungszentrum Berchtesgadener Land ist eine landesweit modellhafte Einrichtung. Neben Veranstaltungen für Schulklassen können Jugendliche hier eigenen Forschungsprojekten nachgehen, die von Wissenschaftlern der TUM betreut werden. »Neugier und Entdeckergeist für die MINT-Fächer wecken und fördern – das ist die zentrale Aufgabe des Schülerforschungszentrums Berchtesgadener Land. Unterstützt wird das Schülerforschungszentrum vom Förderverein, der teilweise die Anschaffung von teuren Geräten finanziert und für so manche Kosten bei den Angeboten des Schülerforschungszentrums übernimmt. Darüber hinaus ordnet das Bayerische Staatsministerium für Unterricht und Kultus in Absprache mit der TUM Lehrkräfte an das Schülerforschungszentrum ab, die entsprechende Angebote am Schülerforschungszentrum abhalten. Und der Markt Berchtesgaden kümmert sich um den baulichen Unterhalt des Gebäudes des Schülerforschungszentrums und stellt es dem Landkreis Berchtesgadener Land kostenfrei zur Nutzung als Schülerforschungszentrum zur Verfügung.

Ulli Kastner