TRBK: Gesellschafteranteile verkauft und Personal übernommen

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Die Beschäftigten der TRBK sollen künftig komplett im AlpenCongress untergebracht werden. Die Umbauarbeiten haben teilweise bereits begonnen, die Mitarbeiter aus der Kurdirektion werden nach und nach hier einziehen (Fotos: Ulli Kastner)
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Dr. Bartl Wimmer hält den Ausstieg aus der BGLT nach wie vor für richtig.

Berchtesgaden – Neu gemischt sind die Karten im heimischen Tourismusmarketing seit dem Jahreswechsel. Der angekündigte Ausstieg der Tourismusregion Berchtesgaden-Königssee (TRBK) aus der Berchtesgadener Land Tourismusgesellschaft (BGLT) ist vollzogen, die TRBK vermarktet die Marke »Bergerlebnis Berchtesgaden« seit 1. Januar selbst. Das bestätigte TRBK-Vorsitzender Dr. Bartl Wimmer auf Anfrage des »Berchtesgadener Anzeigers«.


Norden spricht von Vertrauensverlust

Es war ein Paukenschlag, als die TRBK im September den Ausstieg aus der BGLT, an der sie mit 57,5 Prozent die meisten Anteile besaß, ankündigte. Gleichzeitig gaben damals 1. Vorsitzender Hannes Rasp und sein Stellvertreter Franz Rasp aus immer noch nicht bekannten Gründen ihre Ämter ab. Den Kommunalpolitikern im Berchtesgadener Talkessel war die Marke »Bergerlebnis Berchtesgaden« nicht konsequent genug umgesetzt worden. Während sich der nördliche Landkreis durch den damaligen BGLT-Geschäftsführer Peter Nagel gut vertreten fühlte, wuchs im Süden die Unzufriedenheit. Die Sprengung der BGLT durch die TRBK versteht man im Norden bis heute nicht, von Vertrauensverlust und Kirchturmdenken war des Öfteren die Rede.

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Da half es auch nichts, dass 1. Vorsitzender Dr. Bartl Wimmer und sein Stellvertreter Hannes Rasp wochenlang durch den Landkreis tourten, um den Kommunalpolitikern zwischen Piding und Laufen zu versichern, dass es dabei nicht um einen Nord-Süd-Konflikt gehe.

»Die Hand bleibtausgestreckt«

»Es hat sich einfach nicht bewährt, zwei Marken in einer Gesellschaft zu vermarkten. Das war ein Fehler«, ist Wimmer nach wie vor überzeugt. Deshalb ist sich der Berchtesgadener sicher, dass der Ausstiegsbeschluss richtig war. Nun vermarkte man das »Bergerlebnis« halt wieder selbst, »der Rest bleibt unangetastet«. Damit meint der TRBK-Chef vor allem die Ergebnisse des Markenprozesses und das Angebot einer weiteren Zusammenarbeit mit den Gemeinden des nördlichen Landkreises. »Die Hand bleibt ausgestreckt«, betont Wimmer. Die scheint der Norden aber bislang nur sehr zögerlich oder auch gar nicht zu ergreifen, denn die Enttäuschung sitzt tief. Anger und Piding werden sich wohl künftig von der TRBK gegen eine finanzielle Beteiligung vermarkten lassen, Teisendorf tendiert womöglich auch dazu. Saaldorf-Surheim überlegt noch, während sich Laufen und Freilassing aktuell selbst vermarkten und sich womöglich in Richtung Norden zum Chiemgau-Tourismus orientieren werden. Wimmer betont, dass es bei einer möglichen Zusammenarbeit mit der TRBK nicht um so hohe Summen gehe, dass sie wirtschaftliche Relevanz hätten. »Aber natürlich eine politische.«

Um Zweckvereinbarungen mit den noch interessierten Gemeinden abschließen zu können, ist außerdem eine entsprechend ausgearbeitete Formulierung notwendig. Und die liegt zurzeit immer noch zur Prüfung bei der Regierung von Oberbayern. »Wir hoffen auf baldigen Rücklauf«, bekräftigt Bartl Wimmer.

Die BGLT, die wohl einen neuen Namen bekommt, vermarktet ab sofort nur noch Bad Reichenhall und Bayerisch Gmain. Die TRBK verkaufte ihre 57,5-prozentigen Anteile für 18 700 Euro an die Kreisstadt. »Wir waren noch vor Weihnachten beim Notar und es trat alles zum Jahreswechsel in Kraft«, sagt Wimmer. Zwölf der rund 40 TRBK-Mitarbeiter blieben in Bad Reichenhall, die restlichen Mitarbeiter/-innen sind bis auf drei zur TRBK gewechselt, insgesamt etwas über 20. Außerdem mussten mit Bad Reichenhall zahlreiche Einzelverträge zur künftigen Zusammenarbeit abgeschlossen werden. Da ging es unter anderem um die künftige Zusammenarbeit beim operativen Geschäft, um Bildrechte, die Nutzung von Apps oder die Bereitstellung von IT-Leistungen, für die Bad Reichenhall bezahlen werde.

Den Markenkern noch schärfen

In der TRBK hat es bereits am 4. Januar eine erste Personalversammlung gegeben, in der man die grobe Arbeitsstruktur festgelegt hat. Wimmer: »Der Markenprozess wird zwar weiterhin die Basis unseres Handelns sein, aber das Bergerlebnis wird noch deutlicher der Markenschwerpunkt werden. Den Markenkern und das Handbuch werden wir zeitnah noch schärfen.«

Auch der Mietvertrag mit der BGLT, die die Räume im AlpenCongress von der TRBK angemietet hatte, wurde zum 1. Januar gekündigt. Die verbliebenen Mitarbeiter sind nun alle beim Hausherrn, der TRBK, beschäftigt. Ziel Wimmers ist es, baldmöglichst »Einhäusigkeit« herzustellen. Heißt, dass die noch in der Kurdirektion am Kreisverkehr sitzenden Beschäftigten der TRBK-Verwaltung ebenfalls in den AlpenCongress umziehen sollen. »Wir haben mit dem Teil der Umbauarbeiten, die wir in Eigenregie leisten können, bereits begonnen. Ich denke, wir haben eine gute planerische Lösung gefunden«, sagt Wimmer. Umfangreichere Arbeiten, die vor allem die Konferenzräume im Untergeschoss betreffen, müssen aber noch vergeben werden. »Die TRBK-Verwaltung wird dann peu à peu in den AlpenCongress umziehen«, betont Wimmer. Geschäftsführer Michael Wendl arbeitet aktuell bereits tageweise im AlpenCongress. Was mit dem Gebäude der alten Kurdirektion geschehen soll, ist bislang nicht bekannt. »Das muss städteplanerisch noch mit dem Markt abgesprochen werden.«

Erstmals Treffen mit den Hoteliers

Wichtig ist dem neuen TRBK-Vorsitzenden, dass mit den touristischen Leistungsträgern in Zukunft enger zusammengearbeitet wird. So hat es bereits ein erstes Treffen mit den größeren Hotels, den Tourismusvereinen, den Touristinfos und den größeren Ausflugszielen gegeben. »Ein Treffen mit den Hotels hat zuvor noch nie stattgefunden«, fügt Wimmer an. Erfahren hat er bei dieser Zusammenkunft unter anderem, dass viele der bisherigen BGLT-Angebote auf keine allzu große Resonanz gestoßen sind. Wimmer nennt als Beispiel den »Strategieschwerpunkt Kongresswesen«, den die BGLT forcieren wollte. »Die Hoteliers haben aber gar kein Interesse an einem zusätzlichen Kongressgeschäft«, erklärt Wimmer.

Bis nun auf neuer Ebene alles wieder »rund« läuft, wird Dr. Bartl Wimmer noch einiges zu tun haben. Die vergangenen Wochen in ehrenamtlichen Diensten der TRBK waren für ihn jedenfalls »fast ein Vollzeitjob«. Der Berchtesgadener geht allerdings davon aus, dass er den Zeitaufwand in Kürze etwas zurückfahren kann. Lachend fügt der Unternehmer an: »Sonst bekomme ich meinen Kulturhof Stanggaß nicht fertig.«

Ulli Kastner

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