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Traunsteiner Sommerkonzerte heuer »Rund um Rihm«

Immer wieder spannend ist die Frage »Wer wird im Zentrum der Traunsteiner Sommerkonzerte stehen?« Die Entscheidung ist heuer auf einen Vertreter der Gegenwartsmusik gefallen. Wolfgang Rihm, Jahrgang 1952, einer der bedeutendsten und meistgespielten Modernen derzeit, ist in diesem Jahr der Portraitkomponist. Nicht unberechtigt ist angesichts der schier endlosen Fülle seines Schaffens (über 500 Werke) die Frage, wie und ob man diesem Vielschreiber innerhalb eines einwöchigen Musikfests überhaupt gerecht werden kann, zumal traditionsgemäß immer nur eine Handvoll Werke der jeweiligen Hauptfigur vorgestellt werden.

Das »Quatuor Danel«mit dem »neuen« Cellisten. (Foto: Ant Clausen)

Immerhin: Mit fünf Kammermusikwerken verschiedenster Gattungen (Duo Cello/Klavier, Klarinettenquintett, Klaviertrio, Klavierlied, Streichquartett) und einer Oper (als Film) soll eine Annäherung an den Karlsruher Komponisten (Ernst-v.-Siemens-Musikpreis 2003) möglich werden. Rihms Kompositionen – umgeben von Klassik, Romantik, klassischer Moderne und Werken zweier Zeitgenossen – sind quasi Bausteine im Gesamtprogramm, wenngleich besonders exponierte.

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31. August: Um wenigstens eine Vorstellung von Rihms Schaffen für das Musiktheater zu geben, wird im Traunsteiner Kino am Bahnhof in einer ersten Matinee ein Film über die Erarbeitung seiner Oper »Dionysos« (UA Salzburger Festspiele 2010) gezeigt. Dieser Dokumentarfilm der Münchener Filmemacherin Bettina Erhardt trägt den Titel »Ich bin dein Labyrinth. Wolfgang Rihm. Nietzsche, Dionysos« (Filmpremiere 2011).

3. September: Die Konzertreihe beginnt mit dem Duo Maximilian Hornung/Nicholas Rimmer. Seine Traumstelle als 1. Solocellist des BR-Symphonieorchesters hat Hornung im letzten Sommer aufgegeben, um sich ganz seiner Solistenkarriere und der Kammermusik zu widmen. Dabei ist Rimmer, u. a. zweifacher Preisträger des Deutschen Musikrats, einer seiner bevorzugten Klavierpartner. Das Duo spielt Beethovens Sonate op. 69, Strawinskys »Suite Italienne«, Rihms »Von weit« und Martinus 1. Cellosonate.

4. September: Jörg Widmann, Weltklasseklarinettist und erfolgreicher Komponist, tritt zusammen mit dem Quatuor Danel (den Weinberg-Spezialisten vom vergangenen Jahr!) auf. Dem Brahms’schen Klarinettenquintett werden die »Vier Studien für Klarinette und Streichquartett« zur Seite gestellt, die Rihm seinem ehemaligen Kompositionsschüler Jörg Widmann gewidmet bzw. auf den Leib geschrieben hat. Eine authentischere Wiedergabe des Bläserparts ist wohl nicht denkbar.

5. September: Zum 3. Mal in Folge ist das Morgenstern-Trio (ARD-Preisträger 2007) eingeladen. Die Musiker reisen mit den Klaviertrios Nr. 1 von Schumann, Nr. 1 von Schostakowitsch, Nr. 3 von Brahms sowie »Fremde Szenen III« von Rihm an. Alle vier Werke erleben Traunsteiner-Sommerkonzert-Erstaufführungen.

6. September: Das Konzert am Samstagabend fällt in mehrfacher Hinsicht aus dem Rahmen: Vier junge Saxophonisten geben, nach umjubelten Auftritten u. a. in der New Yorker Carnegie Hall und der ausverkauften Philharmonie Köln, ihr Traunsteiner Debüt. Das Signum Saxophonquartett aus Köln feiert seit dem Gründungsjahr 2006 anhaltend Erfolge. Der Auftritt der vier Rising Stars (Echo 2014/2015) verspricht ein einziges Vergnügen zu werden. Zu hören ist Klassik in »unerhörtem« Bläserklanggewand: Bach, Grieg, Bartók, Schostakowitsch stehen u. a. auf dem Programm und gespielt wird mit faszinierender Brillanz, Musikalität und treffsicherem Stilempfinden. Daneben stehen Werke, original für Saxophonquartett komponiert.

7. September: In einer zweiten Filmmatinée wird im Kino am Bahnhof Wolfgang Rihms Opernphantasie »Dionysos« von den Salzburger Festspielen gezeigt (Filmregie Bettina Erhardt.)

7. September: Mit Gesang geht es weiter, allerdings im intimen Rahmen eines Liederabends. Wolfgang Rihms Zyklus »Heine zu Seraphina« und Richard Wagners »Wesendonck-Lieder« sind die Programmpunkte. Axel Bauni, der seine Ohren für neue Talente in seiner Klasse für Liedinterpretation, als Jurymitglied bei Wettbewerben, in Meisterkursen und Lieder- Werkstätten offen hält, bringt aus Berlin »seine« Empfehlung mit: die Sopranistin Kristin Ebner. Zu den Liedern gesellen sich Duos für Cello (Wen-Sinn Yang) und Klavier (Axel Bauni) von Schumann. Mit einem Werk, explizit »für ein virtuoses Cello« geschrieben, wird noch einmal der Bogen zu Rihm geschlagen. Klaus Huber, der Komponist von »transpositio ad infinitum«, war einer von Rihms Lehrern. Mit großer Musizierlust wird sich Wen-Sinn Yang den technischen Aberwitzigkeiten stellen.

8. September: Ein Abend mit den Auryns. Sie beginnen mit Haydns letztem Streichquartett op. 103, leisten ihren Beitrag zum Rihm-Jahr mit dessen 3. Streichquartett »Im Innersten« und beschließen das Konzert zusammen mit Wen-Sinn Yang mit Schuberts Streichquintett (»das mit den zwei Celli«!). Die fünf Musiker haben dieses Werk zuletzt 2002 bei den Sommerkonzerten aufgeführt.

9. September: Fazil Say hat seine Liebe zu Chopin entdeckt, d. h. seit Ende letzten Jahres nimmt er dessen Klaviermusik in sein Recitalprogramm auf. Neben vier Nocturnes spielt Say die 2. Klaviersonate op. 35 und, als kontrastreiches Gegengewicht, drei Sonaten von Mozart.

Karten gibt es unter Telefon 0861/2099667. Imke von Keisenberg