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»Trainieren statt Transportieren«

Rund 16 Millionen Euro hat der Neubau des Annette-Kolb-Gymnasiums in Traunstein gekostet. Seit dem Schuljahr 2008 / 2009 bietet die Vorzeigeschule des Landkreises Platz für rund 1000 Schüler. Was fehlt ist nach wie vor die mittelfristig vorgesehene Turnhalle. Für Schüler, Eltern, Elternbeirat und Schulleitung ein auf Dauer untragbarer Zustand. Denn der Sportunterricht für die derzeit knapp 900 Schüler findet in bis zu sechs verschiedenen Turnhallen in Traunstein statt. Das ist nicht nur zum Teil mit umständlichen und zeitraubenden Busfahrten verbunden, sondern wirkt sich auch deutlich auf die effektive Dauer des Sportunterrichts aus. Von einer Doppelstunde Sportunterricht würden dadurch effektiv oft nur 40 Minuten reiner Sportunterricht bleiben, wie der Elternbeirat in seinem Werben um Unterschriften für einen Turnhallenneubau vorrechnet.

Elternbeirat und Schulverantwortliche machen nun Druck: Über 3000 Unterschriften haben Schüler, Eltern und Elternbeirat für den Bau einer an das Schulhaus angrenzenden Turnhalle gesammelt. Vor der Kreisausschusssitzung am gestrigen Donnerstagvormittag im Landratsamt bekam Landrat Hermann Steinmaßl die Listen überreicht.

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Elternbeiratsvorsitzende Carolin Berka betonte bei der Übergabe, dass die AKG-Schüler ein Anrecht auf Sportunterricht hätten. »Dieses Recht wird ihnen nur eingeschränkt gewährt.« Man fühle sich in der schon lange bestehenden Diskussion um den Hallenbau »in den politischen Schachzügen zerrieben.« Sie forderte die anwesenden Kreisratsmitglieder auf, die Investition in die Bildung zu tätigen und wurde dabei mit markanten Worten sehr deutlich: »Sprechen sie nicht immer von Kosten, unsere Kinder sind kein Kostenfaktor.« In Anlehnung an die Pläne des TV Traunstein, sich an dem Turnhallenbau zu beteiligen, betonte sie, dass damit unter anderem auch ein Traunsteiner Traditionsverein ein Dach über dem Kopf bekäme.

Landrat Steinmaßl, der die Unterschriftslisten entgegennahm, ließ es sich nicht nehmen, die Schüler, die mit ihrem Pappbus vor dem Fenster des kleinen Sitzungssaals warteten, kurz persönlich zu sprechen. Aus der Aufführung eines eingeübten Sketchs vor dem Landrat und den Kreisräten wurde allerdings aus Zeit- und Platzgründen nichts. In dem Stück schildern die Schüler das Prozedere des Transports zu den verschiedenen Turnhallen.

Landrat Steinmaßl ging zu Beginn der Kreisausschusssitzung (siehe auch Seite 9) kurz auf die Forderung nach dem Turnhallenbau ein und betonte, dass die Schulvertreter mit dem Thema »offene Türen einrennen würden«. Man sei sich der Bedeutung eines optimierten Schulsports bewusst und habe in den vergangenen Jahren im Landkreis viel in den Bereich Bildung investiert. »Wir haben im Schulbereich alles getan, was geht« betonte der Landrat. Andererseits müsste der Kreistag im Rahmen der Haushaltsmöglichkeiten auch andere Schulen im Blick haben, wo insbesondere im Bereich des Brandschutzes und eines behindertengerechten Umbaus nach wie vor hohe Kosten auf den Landkreis zukämen. Man sei sich aber letztlich einig, die von den AKG-Vertretern eindrücklich vorgebrachte Thematik ernsthaft aufnehmen zu wollen. »Wir müssen schauen, mit welcher Geschwindigkeit wir das in den nächsten ein bis eineinhalb Jahren angehen können«, so Steinmaßl. kd / awi