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»Tourismus braucht mehr Qualität«

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Wilhelm Gschossmann ist nach eigenem Bekunden das einzige FDP-Mitglied in Ramsau. Trotzdem ist der 63-Jährige jetzt Kreisvorsitzender der Liberalen. (Foto: Kastner)

Ramsau – Mit Wilhelm Gschossmann ist seit kurzem ein Ramsauer Kreisvorsitzender der FDP im Berchtesgadener Land.


Der 63-jährige staatlich geprüfte Betriebswirt, der in den vergangenen Jahrzehnten zahlreiche Führungspositionen in Gastronomie und Hotellerie bekleidete, engagiert sich erst seit dem Jahr 2017 in der Politik. Der »Berchtesgadener Anzeiger« führte ein kurzes Gespräch mit dem Berater in der Hotellerie.

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Herr Gschossmann, ist man als FDP-Mitglied in Ramsau nicht auf verlorenem Posten?

Wilhelm Gschossmann: Ja, als einziges FDP-Mitglied in Ramsau fühle ich mich schon etwas verloren. Es wäre mir eine Freude, wenn noch ein paar andere mitarbeiten würden.

Und wie sieht es im südlichen Berchtesgadener Land aus?

Gschossmann: Da sind es insgesamt 24 FDP-Mitglieder. Bislang gab es nur sehr unregelmäßige Treffen. Mein Wunsch wäre es schon, einen Monatsstammtisch einzuführen, um regelmäßig verschiedene Themen zu behandeln.

Beim Thema Ganghoferfeld hat sich Ihre Partei schon weit aus dem Fenster gelehnt. Sie sind gegen eine Wohnbebauung. Warum?

Gschossmann: Ich war ja 40 Jahre lang nicht hier, da sehe ich die Heimat nun ganz anders. Ich sehe vor allem die Fehler, die anderswo gemacht wurden. Ich weiß auch, dass man es mit dem Tourismus übertreiben kann. Wenn ich mir die Jennerbahn anschaue, bekomme ich bei der Größe und Kapazität schon ein wenig Bauchschmerzen.

Wir sollten künftig auf mehr Klasse als auf Masse setzen. Die Übernachtungspreise im Talkessel sind beispielsweise viel zu günstig, Investition darum für den Gastgeber kaum möglich. Der Aufwand zur Versorgung und Betreuung des Gastes ist ja heute ungleich größer als früher.

Da gehen Sie ja konform mit der BGLT, die auch die Qualität des Angebotes erhöhen will.

Gschossmann: Ja, dieser Meinung bin ich auch. Es sollte nur noch viel mehr Vermieterschulungen geben, in denen es beispielsweise um Kalkulation geht. Da merken die Leute dann schnell, dass sie eigentlich viel mehr verlangen könnten. Wir haben in unserer Pension in Ramsau nach entsprechender Sanierung auch die Zimmerpreise verdreifacht. Da haben wir bis auf zwei zwar alle Stammgäste verloren. Durch neu gewonnenes Gästeklientel bleibt jetzt aber deutlich mehr hängen als früher.

Auch die Verkehrssituation leidet ja unter dem Massentourismus. Wie sehen Sie das?

Gschossmann: Wir brauchen ein neues Buskonzept, die Anschlüsse vor allem auch in der Ramsau sind zu schlecht. Man sollte lieber Verbesserungen beim ÖPNV herbei führen als nur an Straßenausbau zu denken. Ohnehin wird es heuer wieder erhebliche Parkplatzprobleme geben, vor allem auch durch den Neubau der Jennerbahn. Die Einführung des Rufbusses ist zwar grundsätzlich eine gute Sache, das Angebot müsste aber offener und verlässlicher als bislang sein.

Und was sagen Sie zum Thema Bergsteigerdorf in Ramsau?

Gschossmann: Das gefällt mir gut. Allerdings muss man darauf achten, dass die Anforderungen an ein Bergsteigerdorf auch umgesetzt werden. Ulli Kastner