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Totes Holz, lebendige Bilder

Berchtesgaden – Totes Holz, Käferbäume – auch das ist der Nationalpark. Ein Monatskalender zeigt nun zwölf Motive, die das Schutzgebiet aus einem anderen Blickwinkel darstellen. Die Macher des Kalenders wollen aufmerksam machen, die Nationalparkverwaltung kontert, man könne sich derartige Bilder auch in einem eigenen Kalender vorstellen.

Der »Totholz Fichte«-Kalender zeigt ausschließlich die »nicht so schönen« Seiten des Nationalparks. Foto: Anzeiger/Pfeiffer

Sattes Grün, lebendige Bäume, dazwischen braune Flecken, Käferbefall, der die gesunden Hölzer zu kranken macht. Aufgenommen im Nationalpark Berchtesgaden. Bäume, die von Windwurf betroffen sind, nun den Boden bedecken. »Der Nationalpark zeigt solche Bilder nicht öffentlich«, sagen die Macher des Kalenders »Totholz Fichte im Nationalpark Berchtesgaden 2014«. Deshalb haben sie die Initiative ergriffen und Käferholz abgebildet, darüber hinaus abgebrochene Stämme, die den Boden übersäen und der Natur überlassen werden.

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»Die Fotos zeigen die natürliche Dynamik ungenutzter Wälder«, heißt es aus dem Nationalpark. »Vom Borkenkäfer befallene Bäume sind das Ergebnis des Prozessschutzes. Dieser Prozessschutz ist für den Nationalpark Berchtesgaden Vorgabe nach dem Bundesnaturschutzgesetz.«

Jedes Bild wurde mit kurzen Texten versehen, die informieren sollen. Allerdings übt die Verwaltung des Nationalparks an eben jenen Kurzinfos Kritik.

Die Texte in Bezug auf die CO2-Problematik seien falsch. Der Nationalpark: »Der Humus ungenutzter Wälder speichert riesige Mengen CO2, deutlich mehr als in Wirtschaftswäldern, und Totholz trägt wesentlich zum Humusaufbau bei.«

Auch in Bezug auf die Artenvielfalt seien die Unterschriften nicht korrekt: »In ungenutzten Wäldern ist die Artenvielfalt nachweislich deutlich höher als in wirtschaftlich intensiv genutzten Wäldern. Dies können wir für die Wälder des Nationalparks belegen«, heißt es von dort.

Der »Totholz Fichte«-Kalender stößt trotz der Kritik auf große Nachfrage in der Bevölkerung. Die gesamte Erstauflage sei bereits vergriffen, so ein Verantwortlicher gegenüber dem »Berchtesgadener Anzeiger«. Die Thematik sei von großem Interesse. »Weil nicht alles so schön ist, wie es der Nationalpark vermitteln möchte.«

In der Stellungnahme des Parks heißt es dazu: »Die Aufgabe des Nationalparks ist nicht die kommerzielle Waldwirtschaft, sondern das Zulassen von Naturwäldern, die aufgrund der hohen Totholzmengen und Waldlücken das Überleben seltener Arten sichern.«

Der Nationalpark könne sich durchaus vorstellen, Totholz-Bilder in den Nationalparkkalendern zu veröffentlichen. Im Nationalpark Bayerischer Wald wird das immerhin bereits seit Jahren praktiziert, wie Sprecherin Carolin Scheiter bestätigt. Kilian Pfeiffer