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Torlauf unter Palmen

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Der Maschkera hat soeben erfolgreich den Ski-Gaudiwurm überholt, bevor er am unteren Ende seine Palme wieder »einpflanzt«. Skistöcke aus Bambusrohr waren damals absolut üblich.
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Die teilnehmenden »Damen« auf dem Foto dürften wohl eher dem anderen Geschlecht zuzuordnen sein. Man beachte vor allem auch die damals moderne Langriemen-Bindung. (Fotos: Archiv Manfred Angerer)

Berchtesgaden – Der »Berchtesgadener Anzeiger« feiert die außergewöhnliche fünfte Jahreszeit heuer mit den Erinnerungsbildern der Leser. Auch Manfred Angerer hat alte Fotos aufgetrieben. Das beschriebene, wohl einmalige Faschingsereignis liegt schon über 60 Jahre zurück. Dennoch wird sich der eine oder andere noch daran erinnern. Ob sich jemand sogar noch auf den Fotos erkennt?


Unter der Ankündigung »Torlauf unter Palmen« hatte die Kolpingsfamilie Berchtesgaden zum Skifasching am Roßfeld eingeladen. Unter diesem Motto konnte sich zunächst niemand etwas vorstellen. Doch allein schon die Ankündigung in der Zeitung, dass Besucher in (wohlgemerkt) vollständigem und lustigem Faschingskostüm an diesem Tag kostenlos die Skilifte benutzen dürfen, lockte eine große Zahl von »Faschingsnarrischen« hinauf auf's Roßfeld.

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Palmen auf dem Busdach

Die Postbusse, die damals die meisten Skifahrer dort hinauf beförderten, waren an diesem Tag besonders gut besetzt und bereits beim Hinauffahren herrschte schon im Bus eine zünftige Faschingsstimmung. Wer kann sich heute noch erinnern? Die Skier wurden, bevor die Busse Jahre später rückseitige Skikörbe bekamen, oben auf das Busdach geschlichtet, nur über eine Klappleiter erreichbar. Beim Auf- und Abladen mussten die Skifahrer auch selbst Hand anlegen. Und man stelle sich vor – an jenem Tag wurden sogar Palmen befördert.

Die Organisatoren waren zuvor tagelang damit beschäftigt, »wintertaugliche« Palmen herzustellen. Angespitzte Pfosten, die mit dicker Juteschnur umwickelt wurden, um den Stamm nachzubilden. Und am oberen Ende waren die Palmwedel befestigt. Wasserfest mussten sie sein, denn es hätte an diesem Tag ja auch regnen oder zumindest nass schneien können. Das wäre den Palmen schlecht bekommen und sie hätten schon bald ihre Blätter hängen lassen. Acht Palmen waren nach mühevoller Vorarbeit schließlich einsatzbereit.

Das »Rennkomitee« verkündete am Start lautstark per »Flüstertüte« die Teilnahmebedingungen: »Es wird schön der Reihe nach gestartet und langsam gefahren. Wen es ausnahmsweise »hinhauen« sollte, der warte, bis alle vorbei sind. Überholen wird durch Disqualifikation geahndet. Wer seine (Eschen-)Ski zu schnell gewachst hat, der muss halt den altbewährten »Schneepflug« zum Einsatz bringen. Es gibt mehrere Durchgänge, solange es Spaß macht – bis zum Sonnenuntergang.« Und auch Petrus meinte es an diesem Faschingssonntag mit den Teilnehmern gut, indem er ihnen strahlendes Wetter bescherte. Doch wie kam damals ein ordentlicher Torlauf zustande, wenn man nur acht Torstangen, sprich Palmen hat? Das ging ganz einfach: Es wurde in Schlangenlinien hintereinander gefahren. Der letzte Läufer musste die oberste Palme herausreißen und damit geschwind an das untere Ende des »Ski-Gaudiwurms« fahren und seine Palme wieder »einpflanzen«. So konnte man den Torlauf über beinahe das ganze Roßfeld ausdehnen. Am Ende ging es mit dem Schlepplift wieder bergan. Die sperrigen Palmen beförderten natürlich nur die geübten Schleppliftfahrer, manch anderer hatte mit sich selber genug zu tun, um in der Spur zu bleiben.

Zum Abschluss kommt der Einkehrschwung

Es ist nicht mehr bekannt, wie viele Durchgänge damals gefahren wurden. Möglicherweise wird ein »Einkehrschwung« in die Roßfeld-Skihütte dem Spektakel eine Ende bereitet haben. Schließlich musste ja auch die obligatorische Siegesfeier stattfinden, ehe man sich froh gelaunt wieder mit dem letzten Bus zu Tal begab. Gesiegt haben an diesem Tag zweifellos die Organisatoren mit ihrer Idee und mit einer »Riesengaudi« für alle Beteiligten.

Wer hat auch lustige Bilder aus unbeschwerter Faschingszeit? Das können Aufnahmen aus den 50er-Jahren genauso sein wie Schnappschüsse vom Ramsauer Faschingszug oder der Auer Faschingshochzeit im letzten Jahr. Schön wäre es, wenn die Einsender ihre Bilder mit ein paar Informationen oder sogar lustigen Anekdoten ergänzen könnten. Die Bilder mit einer Mindestgröße von 1 MB bitte per E-Mail schicken an redaktion@berchtesgadener-anzeiger.de. Papierfotos können gerne abfotografiert und damit digitalisiert werden, eine gewisse Mindestqualität ist allerdings erforderlich. Einsendeschluss ist Samstag, 13. Februar.

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