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Ton und Licht in königlichem Ambiente

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Begeisterter Schlussapplaus im Spiegelsaal von Schloss Herrenchiemssee für die konzertante Aufführung des »Fidelio«. (Foto: Aumiller)

»Son et lumière«, Ton und Licht, haben sich die Herrenchiemsee-Festspiele 2014 zum Motto erkoren und feiern damit das 130-jährige Jubiläum eines Traums von König Ludwig II., den er sich 1884 mit einem glänzenden abendlichen Hoffest im Park seines »Neuen Versailles« auf Herrenchiemsee erfüllt hat, wie Dramaturg Klaus Jörg Schönmetzler berichtete. Und ein weiteres Jubiläum – 200 Jahre »Fidelio« – kann die konzertante Aufführung von Ludwig van Beethovens gleichnamiger Oper begehen, die nach mehrfachen Umarbeitungen der ursprünglichen »Leonore« erstmals 1814 als Fidelio in ihrer endgültigen, bis heute praktizierten Fassung gespielt wurde.


Beethovens große Hymne auf Liebe und Freiheit soll ihre Wurzeln in einer wahren Begebenheit vor dem Hintergrund der französischen Revolution haben. Die damalige Zensur machte jedoch die Verlagerung des Geschehens nach Spanien in ein weniger revolutionäres Umfeld notwendig. Die Aufführung bei den Herrenchiemsee-Festspielen unter der musikalischen Leitung von Festspielintendant Enoch zu Guttenberg brachte eine Farbe ein, die an die Ursprünge erinnern möchte. Als Erzähler – anstelle der Sängerdialoge – schlüpfte Klaus Jörg Schönmetzler in die Gestalt des damaligen Zeitgenossen Jean-Nicolas Bouilly, dessen französisches Libretto »Léonore« für Beethovens deutsche Textfassung von Sonnleithner/Treitschke die Vorlage bildete. Bouillys Kommentare sind die »flammenden Erinnerungen eines Zeitzeugen, bei denen sich Wahrheit, Fantasie und Verklärung selten zuverlässig trennen lassen«, wie das Programmheft anmerkt.

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Schon von den ersten Takten der Ouvertüre an war man als Zuhörer gefangen von der Leuchtkraft der Musik, von der einerseits dramatischen, aber auch transparent sensiblen Klangentfaltung unter zu Guttenbergs Stabführung. Die Musiker der Klangverwaltung reizten schillernd die Farben der Partitur aus und wussten Beethovens grandiose Partitur stimmungs- und bedeutungsvoll umzusetzen und den üppigen Glanz des Spiegelsaales mit akustischem Glanz und Eindringlichkeit der musikalischen Aussage zu überhöhen. Mit eindringlichem Klangvolumen und dabei doch differenzierend füllte der Chor den Raum und berührte sowohl in der Gefangenenszene auch als im finalen Jubel »Heil sei dem Tag«.

Das Solistenensemble erfreute mit homogener Klangschichtung. Susanne Bernhard sang die Leonore, die sich in Männerkleidung in das Gefängnis einschleicht, in dem sie ihren zu Unrecht inhaftierten Gatten Florestan vermutet und ihn als Gehilfe des Kerkermeisters Rocco ausfindig zu machen sucht, um ihn schließlich zu befreien. Mit eher lyrischem als dramatischem Sopran bewältigte Bernhard den anspruchsvollen Vokalpart vor allem in den sicheren Höhen mit stimmlichem Leuchten, während die ausdrucksmäßige Identifikation mit der Person Leonores etwas blass bleibt. Sibylla Rubens war eine ansprechende Marzelline, mit ausgeglichenem Stimmsitz und präsentem Spielwillen. Dass sie sich in Fidelio verliebt hat, macht ihren Jaquino, von Daniel Johannsen mit lebendigem Einsatz und gesanglicher Präsenz verkörpert, zum unglücklichen Werber um ihre Hand. David Steffens sang ein hoch beachtliches Debüt als Kerkermeister Rocco. Mit warmem, gut geführtem Bass gefiel er mit fokussierter Klanglichkeit, im Ausdruck hingegen könnte er der Partie noch mehr Profil geben, zeigte aber, dass er Rocco zu einer seiner wichtigen Fachpartien entwickeln kann.

Jochen Kupfer mimte als Pizarro den Bösewicht vom Dienst, der mit dem Mord an Florestan seine Rache kühlen will. Trotzdem sicherte sich Kupfer mit seiner reifen Leistung die Sympathien, punktete mit präziser Führung seines Baritons, vokaler Charakterisierungskunst und Klanglichkeit sowie intensivem Einsatz. Ebenso brachte Jörg Dürmüller seine Erfahrung gewinnbringend ein, sang Florestan, den im Kerker Schmachtenden, mit heldischem Applomb und Höhensicherheit. Ein Musterbeispiel an exzellentem Tonansatz brachte er gleich beim ersten heiklen Einsatz »Gott, welch dunkel hier«. Falco Hönisch machte mit lyrischer Baritonqualität den Minister Don Fernando, der zuletzt das Schicksal zum Guten wendet, zum geschätzten Sympathieträger.

Auch wenn die Oper konzertant zur Aufführung kam, hätte man sich kleine Spielandeutungen und Interaktionen zwischen den Figuren gewünscht. Sibylla Rubens, Jochen Kupfer und Daniel Johannsen ließen erkennen, dass sie sich gerne dafür eingebracht hätten. Dessen ungeachtet war die Begeisterung groß über einen musikalisch beeindruckenden Opernabend im besonderen Umfeld. Elisabeth Aumiller