Gericht, Gerichtsurteil
Bildtext einblenden
Foto: dpa

Tiefer Messerstich in den Bauch: Verfahren gegen 38-jährige Täterin wird neu aufgerollt

Traunstein – Schwere Darmverletzungen erlitt eine 34-Jährige durch einen Messerstich in den Bauch am 24. Februar 2021 vor einem Haus in Waldkraiburg. Der Prozess des Landgerichts Traunstein wegen gefährlicher Körperverletzung gegen die mutmaßliche Täterin (38), eine frühere langjährige gute Freundin der Geschädigten, startete im Mai. Die Siebte Strafkammer mit Vorsitzender Richterin Christina Braune setzte die Hauptverhandlung nun aus. Das bedeutet: Das Verfahren ist geplatzt und muss ganz von vorne aufgerollt werden.


Gemäß Staatsanwältin Stephanie Windhorst lagen die einstigen besten Freundinnen vor der Tat schon längere Zeit in Streit, unter anderem mit gegenseitigen Verdächtigungen und Strafanzeigen. Endgültige Auslöser des Zwists waren möglicherweise Bilder auf Facebook und eine anonyme Anzeige beim Kreisjugendamt wegen angeblicher Vernachlässigung von Kindern.

Die 34-Jährige ging laut Anklage mit ihrem Lebensgefährten am 24. Februar 2021 nachmittags zum Haus der Angeklagten. Das Gespräch im Garten entwickelte sich zu einer massiven Auseinandersetzung. Dabei soll die 38-Jährige ein stilettartiges Messer mit zehn Zentimeter langer Klinge aus ihrer Tasche geholt und der Jüngeren damit den lebensgefährlichen Stich in den Bauch versetzt haben. Der Dünndarm wurde an drei Stellen durchstochen. Eine erhebliche Menge Blut floss in den Bauchraum. Die 38-Jährige selbst sorgte für professionelle Hilfe. Im Klinikum München-Großhadern erfolgte eine lebensrettende Notoperation, bei der Ärzte der 34-Jährigen ein 30 Zentimeter langes Teilstück des Dünndarms herausnahmen.

Ein von den drei Verteidigern – Burkhard-Michael Gondro und Sewarion Kirkitadse, beide aus München, sowie Hubertus Werner aus Landshut – am ersten Prozesstag angeregtes Rechtsgespräch mit dem Gericht, Staatsanwältin Stephanie Windhorst und Nebenklagevertreterin Kerstin Zinke aus Traunreut scheiterte. Der Grund: Die Anwälte beharrten im Fall eines Geständnisses samt Entschuldigung und Schadenswiedergutmachung auf einer Freiheitsstrafe im bewährungsfähigen Bereich von bis zu zwei Jahren. Für die Staatsanwältin und die Kammer mit Vorsitzender Richterin Christina Braune kam nach Aktenlage und angesichts der Gefährlichkeit des Stichs keine Strafe mit Bewährung in Betracht.

An den weiteren Verhandlungstagen gestand die 38-Jährige zwar den Stich ein, wies aber jedwede Tötungsabsicht von sich. Die 34-Jährige vergoss bei ihrer langen Aussage viele Tränen und belastete die Angeklagte. Eine Versöhnung mit der Kontrahentin lehnte die Nebenklägerin strikt ab.

Direkte Tatzeugen standen der Siebten Strafkammer in der Beweisaufnahme nicht zur Verfügung. Nachbarn hatten lediglich ein nach Schmerzen klingendes Jammern gehört oder vom Fenster aus gesehen, wie sich die bereits Verletzte den Bauch mit beiden Händen hielt.

Zusätzlich war die viermonatige Hauptverhandlung von Erkrankungen unter den Prozessbeteiligten und von weiteren Beweisanträgen der Verteidiger geprägt. Letztlich musste sie abgebrochen werden.

Ein Termin für den Neubeginn der Verhandlung in Traunstein ist derzeit nicht abzusehen.

kd