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»Tiefe Gräben zwischen Umweltschützern und Landwirtschaft«

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Der Saal des Gasthauses »Unterstein« war beim Landfrauentag Berchtesgadener Land am Freitag gut gefüllt. (Fotos: Horn)
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Von vorhandenen »Gräben« zwischen Umweltschützern und Landwirtschaft sprach Kreisobmann Georg Baumgartner.

Schönau am Königssee – »Ohne den Bauernstand wäre unsere Heimat nicht vorstellbar«, unterstrich Landrat Georg Grabner in seinem Grußwort beim Landfrauentag Berchtesgadener Land. Die Berufsvertreterinnen des Landkreises haben sich am Freitag zum Landfrauentag im Gasthaus »Unterstein« in Schönau am Königssee getroffen.


Getreu dem diesjährigen Landfrauenmotto »Im Dialog bleiben« wurde der Tag begangen, um sich eine kleine »Auszeit« zu gönnen. In den Grußworten der Ehrengäste wurden aber auch kritische Töne angesprochen, wobei die Diskussion um das Volksbegehren »Rettet die Bienen« eine große Rolle spielte.

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Ein festlicher Gottesdienst bildete auch heuer den Auftakt für diesen Tag. Der Landfrauenchor unter Leitung von Anja Warislohner sorgte für eine stimmungsvolle musikalische Gestaltung der Messe. Kreisbäuerin Maria Krammer eröffnete anschließend im Gasthaus »Unterstein« das offizielle Programm. Krammer sagte zu dem Motto »Im Dialog bleiben«: »Wir sind nicht nur untereinander im Dialog, sondern auch mit der Öffentlichkeit.«

Sie führte Aktionstage als Beispiele an, an denen die Landfrauen präsent gewesen waren, wie etwa den Biosphärentag oder den Kindertag auf Bauernhöfen. »Landwirtschaft ist mehr als Landschaftspflege und Streichelzoo«, betonte die Kreisbäuerin und brachte so die wichtige Arbeit der Erlebnisbäuerinnen ins Spiel, die durch verschiedene Angebote auf den Höfen einen Einblick über das breite Tätigkeitsfeld in der Landwirtschaft gewähren.

Landrat Georg Grabner ergriff anschließend das Wort. »Derzeit wird wieder viel geredet über die Landwirte, oft über deren Köpfe hinweg«, sagte er und nahm Bezug auf das Volksbegehren »Rettet die Bienen«. »Gerade in dieser Zeit solle der Verbraucher die Landwirtschaft hinterfragen, denn es gibt oftmals völlig falsche Vorstellungen.« Den Bäuerinnen des Landkreises sprach er hohe Kompetenz in der Erzeugung von Lebensmitteln und in vielen weiteren Bereichen zu.

Es stecke ein Keil zwischen dem »Erhalt von Natur und Landschaft« auf der einen und »Nahrungsmittelproduktion« auf der anderen Seite, so Grabner. »In unserer klein strukturierten Landwirtschaft ist das kein Widerspruch. Man darf nicht verschweigen, was schon alles gemacht wird, doch Verbesserungen sind immer nötig.« Abschließend warb Grabner dafür, dass sich die Landfrauen in kommunalen Parlamenten engagieren sollen, um ihre Interessen zu vertreten.

Die Bedeutung des Bauernstandes für Lebensmittelproduktion, Landschaftspflege und Tourismus unterstrich der Bürgermeister der gastgebenden Gemeinde Schönau am Königssee, Hannes Rasp. Für ihn ist es beim Volksbegehren »Rettet die Bienen« nicht damit abgetan, eine Unterschrift abzugeben und damit sein Gewissen zu beruhigen. »Den Umweltschutz muss man im Herzen tragen. Deshalb muss man auch bereit sein, mehr Geld für Nahrungsmittel auszugeben und regionale Produkte zu kaufen«, sagte Rasp. Der Verbraucher müsse bereit sein, auf etwas zu verzichten, wie beispielsweise auf Erdbeeren im Winter. »Jeder will die Bienen retten, aber sich in eine Liste einzutragen und die Verantwortung abzuschieben, das kann es nicht sein«, kritisierte Rasp.

Kreisobmann Georg Baumgartner sprach von »tiefen Gräben«, die noch zwischen Umweltschützern und Landwirtschaft herrschten, das sei bei einem kürzlichen Treffen deutlich herausgekommen. »Viele Leute wissen nicht, was in der Landwirtschaft gemacht wird. Deshalb zähle ich auch auf euch Frauen, dass ihr durch Kommunikation die Außenwirkung verbessert.« Nach dem Festreferat (separater Bericht) gab es wieder reichlich Gelegenheit, den Dialog zu pflegen. Zudem wurden Preise einer reichhaltigen Tombola verlost. Der Erlös daraus sowie aus der Kollekte in der Kirche kommt der Katholischen Dorfhelferinnenstation Berchtesgadener Land zugute. Zum Schluss gab es unterhaltsame Beiträge von Brauchtumskenner Siegi Götze. Maria Horn