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Teisenberg und Stoißer Alm bleiben Einsatzschwerpunkte

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Unter schwierigsten Bedingungen machten sich die Einsatzkräfte am 21. Januar auf, um zwei verschüttete Tourengeher am Zwiesel zu retten. (Foto: BRK BGL)

Die Bergwacht Teisendorf-Anger war im vergangenen Jahr bei 23 Einsätzen gefordert, darunter zehn im eigenen Dienstgebiet am Teisenberg, sieben zusammen mit der Reichenhaller Bergwacht im Einsatzleitbereich Saalachtal und sechs beim winterlichen Pistendienst.


Bereitschaftsleiter Lorenz Aschauer, Ausbildungsleiter Stefan Stadler und Kassenwart Christian Schöpp blickten auf ein forderndes Einsatz- und Ausbildungsjahr zurück. Der jüngste Lawineneinsatz am 21. Januar am Zwiesel war auch für die Retter alles andere als ungefährlich, die nun daraus ihre Konsequenzen ziehen.

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Aktuell ist die Bergwacht Teisendorf-Anger mit 41 Mitgliedern, darunter 20 aktive Einsatzkräfte, gut aufgestellt. Sieben Anwärter durchlaufen derzeit die Ausbildung zum Bergretter. Besondere Einsätze waren unter anderem ein verletzter Forstarbeiter im Gebiet der Fürmann Alm, zwei schwer verletzte Mountainbike-Fahrer am Teisenberg, ein schlimmer Hundebiss ins Gesicht auf der Stoißer Alm sowie zwei im Schneesturm verirrte Wanderer am Teisenberg. Im Einsatzleitbereich Saalachtal waren die Angerer Einsatzkräfte unter anderem bei der Rettung eines schwer verletzten abgestürzten Wanderers am Eichelberg im Lattengebirge und bei der Rettung eines in Bergnot geratenen Mountainbikers am Ristfeuchthorn gefordert.

Aschauer berichtete noch einmal über den auch für die Einsatzkräfte der Bergwacht nicht ungefährlichen Lawineneinsatz am 21. Januar am Zwiesel (wir berichteten), bei dem zwei Skitourengeher bei Warnstufe 3 in einem Steilhang oberhalb der Alm komplett und bis zu den Oberschenkeln verschüttet und nur mit sehr viel Glück gefunden und weitgehend unverletzt ausgegraben wurden. »Ein Rettungsflug mit einem Suchhundeteam der Bergwacht war wegen schlechter Sicht und Sturm nicht möglich. Für unseren Einsatzleiter Franz Meier war es keine leichte Entscheidung, die Retter bei erheblicher bis großer Lawinengefahr vom Jochberg aus zu Fuß loszuschicken, vor allem weil die zusätzliche Ausrüstung wie Trage oder Notfall-Rucksack im Fall einer Nachlawine wie ein Anker nach unten zieht – da hilft dann auch der Airbag-Rucksack nichts mehr«, erklärt Aschauer.

Bergretter hatten Probleme mit Ausrüstung

Die Bergwacht kam aufgrund des massiven Schneefalls mit 20 Minuten Anfahrtszeit trotz Allrad gerade noch bis zum Jochbergparkplatz Ein Durchkommen per All-Terrain-Vehicle (ATV) war wegen des vielen nassen Neuschnees auch nicht mehr möglich. Alle Einsatzkräfte, die zu Fuß mit Tourenskiern aufstiegen, wurden an einer Schleuse registriert, wo auch ihre Notfallausrüstung gecheckt wurde. Die Bergwacht hält für solche Einsätze einen Pool an Lawinen-Airbag-Rucksäcken vor, wobei der jüngste Einsatz zeigte, dass sich das Modell nicht bewährt. »Die Leute müssen unter extremem Zeitdruck ihre Ausrüstung in die anderen Rucksäcke umräumen, sind zu wenig vertraut damit und laufen Gefahr, Fehler zu machen«, schildert Aschauer. Deshalb hat die Bergwacht-Bereitschaft Teisendorf-Anger beschlossen, zu den vorhandenen fünf Airbag-Rucksäcken fünf weitere zu kaufen, damit jeder Retter im Einsatz seinen eigenen hat. Das Modell der Firma Pieps kostet rund 700 Euro, funktioniert mit Akku, ist mehrmals verwendbar, bläst sich bis zu fünfmal wieder auf und fällt bei einer Verschüttung zusammen, sodass der Retter eine Atemhöhle hat.

Ausbildungsleiter Stefan Stadler berichtete vom umfangreichen Aus- und Fortbildungsjahr und zeigte sich begeistert von der großen Motivation der vielen jungen Leute und Anwärter. Damit im Ernstfall alles klappt, fanden vor allem viele realistische Übungen mit Beispielen aus dem Einsatzalltag statt, darunter Radunfälle am Teisenberg mit Schwerverletzten, eine Eisausbildung mit Spaltenrettung am Dachstein, ein Wochenende auf der Pidinger Hütte mit Ausbildungen im steilen Waldgelände des Fuderheubergs, ein Winter-Biwak mit Schneehöhle auf der Stoißer Alm und eine Lift-Evakuierung am Götschen.

Der neue Kassenwart Christian Schöpp berichtete von rund 18 000 Euro an Einnahmen und Ausgaben im vergangenen Jahr. Rund ein Drittel ihrer Einnahmen musste die Bergwacht aus Spenden, mit Hilfe von Förderern und durch eigene Mittelbeschaffung bei Veranstaltungen einnehmen, 62 Prozent machten Zuschüsse und Erstattungen für Einsätze aus. Weitere zehn Prozent sind vom Gericht zugeteilte Geldstrafen. Bei den Ausgaben schlagen vor allem die beiden Fahrzeuge und Anhänger am stärksten zu Buche, gefolgt von Werbe- und Verpflegungskosten bei Veranstaltungen, Ausrüstung und Ausstattung sowie Versicherungen und Fahrtkosten.

Aschauer lobte die beiden Gemeinden und den Deutschen Alpenverein (DAV) für die hervorragende Unterstützung der Bergwacht, die weitgehend kostenfrei im Angerer Feuerwehrhaus und im ehemaligen Umkleidegebäude des Teisendorfer Sportplatzes untergebracht ist, das DAV-Heim mit nutzen darf und nur für Nebenkosten aufkommen muss.

Teisendorfs zweiter Bürgermeister Norbert Schader, Angers Bürgermeister Silvester Enzinger, der scheidende DAV-Vorsitzende Franz Waldhutter sowie die Leiter der Nachbar-Bergwachten Siegi Fritsch (Freilassing) und Urs Strozynski (Bad Reichenhall) lobten die ehrenamtlichen Bergretter für ihr großes Engagement. Schader appellierte als ehemaliger Feuerwehrmann, auch nach belastenden Einsätzen für die eigenen Leute psychosoziale Notfallversorgung in Anspruch zu nehmen. ml