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TÜV: «Alarmierende Ergebnisse» bei Urlaubssouvenirs

Köln (dpa) - Urlaubssouvenirs wie Sonnenbrillen oder Spielzeug sind vielfach Schund und manchmal sogar gefährlich. Das hat eine Untersuchung des TÜV Rheinland ergeben.

«Alarmierende Ergebnisse» bei Urlaubssouvenirs
Spielzeug für Kinder auf der Spielwarenmesse Toys and Games Fair in Hongkong: Urlaubssouvenirs sind vielfach Schund und manchmal sogar gefährlich. Foto: Jens Kalaene/ Symbol Foto: dpa

Der Schwerpunkt des jährlichen Souvenir-Tests lag in diesem Sommer auf Spielzeug: Stofftiere, Plastikpistolen, Seifenblasen, Autos, Schaufeln, Gummibälle - auf all dem, was man am Strand so für ein paar Euro kaufen kann, wenn die Kinder quengeln.

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Zuhause würde man diese Sachen meistens nicht anrühren. Aber am Strand ist es eben anders. TÜV-Sprecher Ralf Diekmann kennt die Seelenlage des Touristen genau: «Die Hemmschwelle gerade im Urlaub ist äußerst gering. Da will man kein Spielverderber sein und kauft das, auch wenn man weiß, dass das nicht ewig halten wird», sagte er in Köln. Die schlechte Qualität sei das eine. «Manches ist aber auch noch gefährlich, und da hört's dann auf.»

Der TÜV kaufte in Spanien, Italien und den Niederlanden, aber auch an der deutschen Nordseeküste rund um Wilhelmshaven, Cuxhaven und auf den ostfriesischen Inseln ein. In Laboratorien in Köln und Nürnberg wurden die Mitbringsel getestet. Die Ergebnisse wurden am Donnerstag der Presse präsentiert, darunter Spielzeug-Schweine ohne Augen und Mäuse mit abgebrannten Schwänzen.

Gummibälle enthielten Weichmacher und Stofftiere verloren leicht die Augen, stellten die Prüfer unter anderem fest. Bei batteriebetriebenen Stofftieren waren die Fächer zum Teil nicht gesichert, so dass kleine Kinder die Batterien im schlimmsten Fall verschlucken könnten. Diekmann: «Einige Spielzeuge sind auch durch die Brandprüfung gefallen.» Ihr Fell fing zu schnell Feuer.

Die Bilanz: Von insgesamt 45 gekauften Spielzeugen hielten 28 den mechanischen und chemischen Anforderungen nicht stand. Sie erfüllten nicht die Vorgaben der EU-Spielzeugrichtlinie. «Diese Produkte stellen ein Sicherheitsrisiko für Kinder dar und dürfen so nicht verkauft werden», sagte TÜV-Vorstandsmitglied Ralf Wilde.

Auch bei Sonnenbrillen gab es viel Schatten. Der TÜV findet die Ergebnisse «teilweise erschreckend». Bei 40 Prozent stellten die Tester zum Teil gravierende Mängel fest. Einige waren etwa zu stark getönt. «Wenn man dann mit dem Auto in einen Tunnel fährt, dunkeln die so stark ab, dass man gefährlich wenig sehen kann», erklärte Diekmann. «Es muss dann ausgewiesen sein, dass diese Brille nicht für den Straßenverkehr geeignet ist. Der normale Mensch kann das nicht erkennen.» Einige Brillen hätten die Sicht zudem so stark verzerrt, dass dem Träger nach längerem Tragen richtig schlecht werden könne.

«Viele der gekauften Brillen verschlechtern das Sehvermögen», fasste Patrick Niklaus, TÜV-Experte für Augenschutz, zusammen. «Hier wird am falschen Ende gespart.» Der TÜV testete insgesamt 60 Sonnenbrillen aus Souvenir- und Billigläden oder direkt vom Strand.

Einen Lichtblick gab es nur bei Fußball-Shirts. Hier wurden die Grenzwerte für Schadstoff-Belastungen eingehalten. Die Qualität war allerdings in den meisten Fällen mangelhaft. Wilde vermutete, dass bei solcher Billigware auch die Umwelt- und Sozialstandards bei der Produktion «auf sehr niedrigem Niveau» liegen dürften.

Der TÜV betont: Die Qualitätsmängel bestehen unabhängig vom Einkaufsland - sie finden sich überall. «Die mangelhafte Sicherheit von billigen Freizeitartikeln ist ein europäisches Problem, kein nationales», unterstrich Wilde. Es existierten zwar klare europäische Regelungen, das Problem sei jedoch der Vollzug. «Da gibt es kaum wirksame Kontrollen der Produkte. Hier muss sich etwas ändern.»