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Hans Wallentin (Jürgen Maurer) verschafft sich einen Überblick über die Lage vor dem Lokal. Foto: Petro Domenigg/Allegro Film/BR/ORF/dpa Foto: dpa

Ein Mann, der alles verloren hat. Eine Frau, die gerade erfahren hat, dass sie schwanger ist. Das Schicksal führt sie zusammen - in einer Art Kammerspiel in einer Kneipe. Bis die Lage eskaliert.


Wien (dpa) - Dieser Film startet mit dem Ende: Die Polizei umstellt eine Kneipe auf dem Böhmischen Prater in Wien. Darin: ein Mann mit Pistole und Geisel. Der Freund der Frau fährt vor, erfährt von der Tat. Die Verzweiflung steigt, die Zeit rinnt dahin. Was in dem Lokal geschieht, erfährt man nur vage.

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Erst nach rund 20 Minuten rückt der Mann in den Fokus, um den es in »Südpol« geht - der Kneipe und dem gleichnamigen Film. Das Erste zeigt ihn am Mittwoch um 20.15 Uhr.

Hans (Juergen Maurer) hat seinen Job verloren und damit auch jeden Mut. Er wurde nach fast 20 Jahren gefeuert - gesucht werden Jüngere. Als er die Kündigung nicht mehr länger vor seiner Frau verheimlichen kann, schließt Hans nicht nur mit diesem Kapitel ab, sondern zieht wohl einen beispiellosen Schlussstrich mit seinem Leben: Er packt seine Koffer, will seiner Frau bei der Scheidung alles überlassen. Das Auto lässt er mitten auf der Straße stehen, abgehobenes Geld im Automaten. Das Handy wirft er in einen Fluss.

Nur: Sich umbringen, das schafft Hans nicht. Gleich zweimal versucht er es vergeblich. Eindrücklich spielt Maurer den Kampf, die inneren Hemmungen zu überwinden. Die Waffe von unten gegen das Kinn gepresst.

Nach dem recht langen Intro springt der Film in die Vergangenheit. Zeigt Hans' Schicksal und den Verlauf der Wochen nach der Kündigung. Wie er, statt zur Arbeit zu gehen, verloren und verlassen durch die Straßen zieht. Und dabei immer wieder im »Südpol« landet - auf einem Gelände, an das er sich noch aus Kindheitstagen erinnert.

Meist ist hier nicht viel los - und so kommt er mit der Kellnerin Ella (Lili Epply) ins Gespräch. »Sie schauen so traurig aus«, sagt die. »Ich glaub', das ist, weil Winter ist.« Dass er traurig und verloren wirkt, gefällt ihr. Sie reden über die Angst vor dem Leben und vor dem Sterben. Doch eines Morgens eskaliert das Ganze.

Aus dem Nichts zieht Hans die Waffe, bedroht die junge Frau. Der »Südpol« wird abgeriegelt, die Jalousien sind dicht. Im schummrigen Licht fließen bei ihr Tränen, als er seine Lebensbeichte ablegt. Seine letzten Arbeitstage habe er damit verbracht herauszufinden, was er falsch gemacht habe - ergebnislos: »Der Fehler war wohl ich«.

Er fühlt sich lächerlich, wie ein Verlierer. »Sie sind doch kein Geiselnehmer«, sagt die schwangere Studentin hingegen. »Das ist Ihnen doch alles nur passiert, oder?« Die Kamera verfolgt das immer persönlicher werdende Verhältnis zwischen den beiden, aus dem »Sie« wird irgendwann ein »Du«. Maurer und Epply harmonieren bestens: Er mit harter Miene, sie verwundbar und dennoch stark.

Hauptdarsteller Maurer beschreibt Hans' Schicksal nach ARD-Angaben so: »Bei seinem Versuch, sich zu fangen, hält er sich auch an dieser jungen Frau fest, um wieder einen positiven Klang in seinen tristen, grauen Tagen zu finden. Das kumuliert dann unglücklich in einer eigentlich unbeabsichtigten Geiselnahme.«

Weil Hans jeden Kontakt mit der Außenwelt verweigert, verzweifelt die Polizei. Zu Ellas Freund sagt die Einsatzleiterin: »Wissen Sie, 90 Prozent aller Geiselnahmen werden durch Verhandlungen beendet - indem man redet, indem man den Täter kennenlernt. Begreift, wie er tickt, ihn versteht, auf ihn eingeht und zum Aufgeben überredet.« All das könne sie hier nicht. »All das muss jetzt Ella machen. Das ist unsere einzige Chance. Wie sie das machen soll? Ich hab' keine Ahnung.«

So beginnt der Film von Nikolaus Leytner (»Der Trafikant«) - und lädt das Drama mit Spannung auf. Der Zuschauer kann sich über knapp 90 Minuten nach und nach Hans' Beweggründe herleiten. Kann gewissermaßen mitfiebern. Am Ende der Geiselnahme fallen Schüsse.

Infos über den Film