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Südliches Lebensgefühl auf der Bühne

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Martin Kälberer (von links), Werner Schmidbauer und Pippo Pollina gaben bei den Salzach-Festspielen ein umjubeltes Konzert in der Salzachhalle. (Foto: Heel)

Natürlich war es schade, dass ausgerechnet bei einem Konzert wie diesem das Wetter nicht mitgespielt hat und man wieder einmal in die (restlos ausverkaufte) Salzachhalle ausweichen musste. Der Stimmung tat das aber keinen Abbruch, ganz besonders in der letzten halben Stunde, als nicht endend wollender Applaus und stehende Ovationen die »Seelenbrüder« Werner Schmidbauer, Pippo Pollina und Martin Kälberer immer wieder zurück auf die Bühne lockten.


Ein Erfolg, der auch daher rührte, dass die drei Künstler sechs Jahre nach ihrer triumphalen »Süden«-Tournee längst ein eingeschworenes Team bilden, hinter dessen Musik immer auch eine Haltung und Anteilnahme stehen und die wechselweise auf Italienisch und Bayrisch gesungenen Lieder frisch, ehrlich und authentisch klingen. Und immer auch ein Stück südliches Lebensgefühl beinhalten, die Leichtigkeit des Seins auch in schweren Zeiten mitschwingt.

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Für ihr Projekt »Süden II«, mit dem sie derzeit auf Tour sind, haben der gebürtige Münchner Schmidbauer (Gitarre), der aus Ulm kommende Kälberer (Keyboard, Akkordeon, Hang und Percussion) und der Sizilianer Pollina (Gitarre und Keyboard) die Lieder in nur sechs Wochen geschrieben. Meist gefühlvolle Balladen im Folkrock-Stil, unter die sich auch mal ein Chanson, ein Bossa Nova oder leicht Jazziges mischten. Unbedingt hörenswert waren sie alle, zumal sie viel Raum für individuelle Interpretationen boten. So erinnerte Pollina nach dem herzergreifenden »Sambadio« mit dem ebenso berührenden Lied »Io e te/Ich und du« an seinen 2018 früh verstorbenen Bruder Massimo, und erzählte nebenbei von der Kehrseite des Erfolgs. Man bekomme bei den Auftritten zwar alle fünf Minuten Applaus, sei dabei aber häufig fernab der Heimat und der Familie. Ein Thema, mit dem sich das Trio auch im Lied »Künstlerleben« beschäftigte.

Zum Lied »Stolz drauf« mahnte Schmidbauer an, dass man nur stolz auf die eigene Leistung sein könne, nicht aber auf die Tatsache, in einem bestimmten Land geboren zu sein. Mit eindeutigen Worten kommentierte er auch das Lied »Die ganz große Kunst«: »Wir haben uns geschworen, dieses Lied so lange zu spielen, wie das Flüchtlingsdrama anhält.« Pippo Pollina ergänzte: »Wir stehen ohne Wenn und Aber auf der Seite der Willkommenskultur, gerade in Zeiten, in denen eine Kultur des Vergessens und des Egoismus' herrscht.« Eine Standortbestimmung, die vom Publikum mit viel Beifall quittiert wurde.

Kälberer, der eher im Hintergrund agierte und doch wesentlichen Anteil am Wirken des Trios hatte, steuerte auch ein Stück bei, zu dem »ich Musik und Text geschrieben habe«, wie er erklärte – und schmunzelnd hinzufügte: »Es ist ein Instrumentalstück.« Danach griff er zum Hang, einem Instrument, das wie eine metallene Halbkugel aussieht, und nannte sein Werk »Südhang.« Schmidbauer spielte dazu Gitarre und Pollina schlug ein »original sizilianisches Tamburello, made in China«.

Mit einer Hommage an Nelson Mandela und dem italienischen Partisanenlied »Bella Ciao« neigte sich das umjubelte Konzert, das im Rahmen der Salzach-Festspiele stattfand, schließlich dem Ende zu. Wer an diesem Abend nicht dabei sein konnte, oder, wie Schmidbauer meinte, noch einmal das Vergnügen haben möchte, sollte sich am 29. Juli auf den Weg ins Bad Reichenhaller Kurgastzentrum machen, wo die »Seelenbrüder« um 20 Uhr auftreten. Wolfgang Schweiger