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Stunde Null in US-Kleinstadt Moore

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Verwüstung
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Fast wie aus dem Nichts fegt der Tornado über eine Kleinstadt in Oklahoma hinweg. Zahlreiche Menschen sterben - andere haben sich gerettet, aber alles verloren. Foto: Steve Gooch Foto: dpa

Washington/Moore (dpa) - Den Bewohnern von Moore blieben gerade mal 16 Minuten, um sich in Sicherheit zu bringen. Dann fegte der Tornado mit zerstörerischer Kraft über sie weg. Viele Menschen sterben, andere verlieren all ihr Hab und Gut.


Der Horror dauert 40 Minuten. Mit monströser Wucht bahnt sich der Tornado seinen Weg der Zerstörung durch die dicht besiedelte US-Kleinstadt Moore. Die Windgeschwindigkeit von mehr als 300 Kilometern pro Stunde schleudert Pferde und Lastwagen wie Spielzeug durch die Luft. Scheinbar mühelos werden Häuserblöcke plattgemacht. Laut offiziellen Berichten sterben in den Trümmern mindestens 24 Menschen. In einer schwarzen Wolke wirbeln Schuttmassen weit über dem Erdboden. Trümmerteile fliegen mehr als drei Kilometer. Erinnerungen an 1999 kommen hoch, als derselbe Ort von einem ebenfalls verheerenden Tornado getroffen wurde.

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Als der »Twister« den Vorort der Metropole Oklahoma City kurz vor vier Uhr am Montagnachmittag (Ortszeit) wieder verlässt, ist der schlimmste Alptraum wahr geworden: Zwei Grundschulen wurden getroffen, eine davon ist völlig zerstört, das örtliche Krankenhaus gleicht einer Ruine. »Dafür gibt es keine Worte«, sagte eine Mutter von drei Kindern, die sich mit ihrer Familie in einen Schutzkeller retten konnte, dem Sender Fox News.

Das Chaos machte die genaue Zählung der Opfer zunächst unmöglich und widersprüchliche Angaben machten die Runde. Zwischenzeitlich war sogar von mehr als 90 Toten die Rede. Rettungskräfte suchten die gesamte Nacht mit Taschenlampen nach Überlebenden. »Es gibt Hoffnung. Wir haben immer Hoffnung. Wir werden immer Vertrauen haben«, sagte der Vize-Gouverneur Todd Lamb dem Fernsehsender CNN.

Erste TV-Bilder zeigten eine apokalyptische Szenerie. Einwohner in zerschlissener Kleidung, mit Blut und Schlamm am ganzen Körper, irren orientierungslos über Grundstücke. Wasserfontänen schießen aus zerstörten Leitungen. Hunde suchen ihre Besitzer. Nur die Fundamentreste, zersplitterte Holzlatten und zerknüllte Dachpappen zeigen, dass hier einmal Häuser gestanden haben. Manche haben fast alles verloren. Ihre letzten Habseligkeiten packen die Überlebenden in Rucksäcke und Koffer.

»Die ganze Stadt sieht aus wie ein Trümmerfeld«, sagte Moores Bürgermeister Glenn Lewis. »Man konnte sogar die Vibrationen hören, als der Tornado kam«, berichtete die Sturmjägerin Lauren Hill der TV-Station CNN. Das Ausmaß der Verwüstung ist so verstörend, dass Zeugen sich nur mit Vergleichen zu Kinofilmen behelfen können, um sie zu beschreiben.

Doch ein Happy End, wie in vielen Hollywood-Streifen, war vielen Einwohnern nicht vergönnt. Eine Tragödie spielte sich vor allem in der Grundschule »Plaza Towers« ab, wo sich laut Medien die 75 Schüler und Lehrer verschanzten. Das Gebäude lag mitten im Zentrum des Sturms, es brach über den Kindern zusammen. Lehrer warfen sich über ihre Schützlinge. Später sah man blutüberströmte Erwachsene mit weinenden Kindern auf dem Arm davonrennen. Rucksäcke von Schülern hingen an einer noch stehenden Wand.

Von der Warnung des Wetterdienstes mit Sirenen bis zu dem Moment, als der Sturmrüssel auf den Boden stieß, vergingen gerade mal 16 Minuten. Allein sieben Kinder ertranken laut dem Sender NBC in einer tiefen Wasserlache. Viele verschüttete Schüler konnten die Helfer aus dem Geröll ziehen, wehklagende Hilferufe boten ihnen Orientierung. Doch die Suche nach Opfern war auch nach Sonnenaufgang am Dienstag nicht beendet, die genaue Zahl der Toten blieb unklar. Insgesamt sollen in der Stadt mindestens 20 Kinder ums Leben gekommen sein.

Aber es gab auch Szenen des Trosts. So hinterließen Angehörigen Botschaften, wohl um ihren Mitmenschen zu versichern, dass sie nicht verschüttet sind. »Wir haben überlebt«, sprühte jemand in großen Buchstaben an eine Hauswand. Zwischen umgeworfenen und zerquetschten Autos suchte auch Larry Whitmoore nach seinem Geländewagen. Seine Verwandten hätten bereits in einem früheren Wirbelsturm ihr Zuhause verloren, erzählte er einem Reporter. Sein Kopf ist in einen Verband gewickelt. »Aber wir kommen zurück. Wir sind 'Oklahomans'. Dafür sind wir bekannt, dass wir zurückkommen.«

Foto von Grundschule bei Twitter

NYTimes-Bericht

OKNews-Bericht

Foxnews