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Streit um Polizei-Einsätze: Rettig für Runden Tisch

Frankfurt/Main (dpa) - In dem seit Wochen offen ausgetragenen Streit um die Kostenbeteiligung an Polizei-Einsätzen hat die Deutsche Fußball Liga erstmals deutlich versöhnlichere Töne angeschlagen.

DFL-Geschäftsführer
Andreas Rettig wirbt bei dem Streit um die Kostenbeteiligung für Polizei-Einsätze für einen runden Tisch. Foto: Matthias Balk Foto: dpa

«Wir würden uns wünschen, dass alle klugen Leute in diesem Bereich an einen Tisch kommen - also DFB, DFL, Bremen und der SV Werder Bremen. Und so wie ich die Signale verstanden habe, ist da auch Gesprächsbereitschaft auf allen Seiten vorhanden», sagte DFL-Geschäftsführer Andreas Rettig im ZDF-«Sportstudio».

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Der Spitzenfunktionär ließ sogar Zweifel an der Entscheidung von DFB und DFL durchschimmern, Bremen das EM-Qualifikationsspiel zwischen Deutschland und Gibraltar wieder weggenommen zu haben. «Über die Tatsache, ob man das Länderspiel von A nach B verlegt, darüber kann man sicherlich diskutieren. Ich habe Verständnis dafür, wenn man die Entscheidung kritisiert», sagte Rettig.

Hintergrund der Auseinandersetzung ist, dass der Bremer Senat im Juli beschlossen hatte, die DFL künftig an den Kosten für Polizeieinsätze bei Hochsicherheitsspielen in der Fußball-Bundesliga beteiligen zu wollen. Das muss nach der Sommerpause erst noch vom Parlament des kleinsten deutschen Bundeslandes bestätigt werden, aber DFB und DFL reagierten umgehend mit heftigem Widerstand und verlegten unter anderem das Länderspiel am 14. November von Bremen nach Nürnberg.

Rettig hält den Bremer Vorstoß immer noch für falsch. «Zu glauben, die DFL gibt einen Scheck und dann ist alles wunderbar, das ist aus unserer Sicht zu kurz gedacht», meinte er. Der frühere Manager des FC Augsburg betonte jedoch auch die gemeinsame Verantwortung von Fußball, Politik und Polizei: «Es geht nicht um die Frage, ob wir 600 000 oder 700 000 Euro nach Bremen überweisen. Die Frage ist: Was können wir gemeinsam tun, um die Gewalt einzudämmen? Denn wenn wir das in den Griff bekommen, werden auch die Polizeikosten reduziert.»

Als positives Beispiel in einer rechtlich komplizierten und gesellschaftlich sehr kontrovers geführten Debatte wertete Rettig das Pilotprojekt Nordrhein-Westfalens, die Polizeipräsenz bei weniger gefährdeten Spielen zu reduzieren und dadurch Geld zu sparen. «Das Konzept NRW findet unsere Zustimmung», sagte er. «Das Konzept schließt an das an, was wir gemeinsam mit allen Netzwerkpartnern besprochen und erarbeitet haben. Da sitzen Fanvertreter, Verbandsvertreter, Landespolizei und Bundespolizei zusammen und erarbeiten Konzepte. Das hätten wir uns auch von Bremen gewünscht.»

Der nordrhein-westfälische Innenminister Ralf Jäger warb in einem Interview der «Bild am Sonntag» ebenfalls für «einen Schulterschluss mit Vereinen und den Fans» und hält das Vorgehen Bremens in dieser Hinsicht für nicht hilfreich. «Wir haben das gemeinsame Interesse, Chaoten und Gewalttäter aus den Stadien herauszuhalten. Das erreichen wir nicht durch das Ausstellen von Rechnungen», meinte er.

Der SPD-Politiker geht davon aus, dass «am Ende ein deutsches Gericht darüber entscheiden wird, ob dieser Weg rechtlich überhaupt möglich ist. Wir werden also einige Jahre warten müssen, bis wir Rechtssicherheit haben. So lange will ich allerdings nicht warten, um die Probleme rund um die Fußballstadien in den Griff zu bekommen.»

Weiterhin unversöhnlich zeigte sich die Clubführung von Werder Bremen. In einem «Weser Kurier»-Interview warfen Präsident Klaus- Dieter Fischer und Geschäftsführer Klaus Filbry dem eigenen Senat mangelhafte Kommunikation vor. «Es ist ungeheuerlich, dass niemand vorher mit uns geredet hat», erklärte Fischer. «Werder ist ein Leuchtturm, einer der wenigen in der Stadt. Traurig, dass man dann noch nicht einmal das Gespräch vor einer solchen Entscheidung sucht.»

Rettig-Interview