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»Stillstand bedeutet Rückschritt«

Schönau am Königssee – Zwei Vertreter des Hotel- und Gaststättenverbandes trafen sich gestern mit Bürgermeister Stefan Kurz an der Seelände. Aufgrund der Kontroversen um das geplante Hotelprojekt fand eine Ortsbesichtigung statt. So wollten Bürgermeister Stefan Kurz, der Bezirksvorsitzende des Verbandes, Franz Bergmüller, und Kreisvorsitzender Johannes Hofmann auf die Vorteile und die Notwendigkeit des geplanten 400-Betten-Baus hinweisen.

Umstrittenes Hotelprojekt: Der Bezirksvorsitzende des Hotel- und Gaststättenverbands, Franz Bergmüller, Kreisvorsitzender Johannes Hofmann und Bürgermeister Stefan Kurz bei der Ortsbesichtigung am Königssee (v.l.). Foto: Anzeiger/Voss

Seitdem bekannt geworden war, dass am Königssee ein großes Hotel mit Appartements und zwei Läden gebaut werden sollen – dorthin, wo das ehemalige Asylbewerberheim steht – herrscht in der Schönauer Bevölkerung eine missmutige Stimmung. Die Anlieger haben nun sogar eine Bürgerinitiative gegen das Vier-Sterne-Projekt ins Leben gerufen. Viele befürchten, dass die heimischen Pensionen Einbußen erleiden werden oder dass das Bild der Seelände durch das große Gebäude verschandelt wird.

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»Wir haben in den letzten 20 Jahren 5 000 Betten verloren. Und jetzt kommen 400 neue Betten dazu. Auf dem Gelände sind in den besten Zeiten schon 500 Personen untergebracht worden«, sagt Kurz. Und überhaupt: »Die 400 Betten sind nur fünf Prozent der Betten in Schönau am Königssee. Also müssen die Pensionen auch nicht um ihre Gäste fürchten. Außerdem ist das ja ein ganz anderes Kundensegment, das durch so ein Vier- oder Fünf-Sterne-Haus angesprochen wird«, betont der Bürgermeister.

Auch bekräftigt er, dass die Initiatoren der Bürgerinitiative mit Sicherheit ihre 450 benötigten Stimmen bekommen würden: »Die gehen von Haus zu Haus und behaupten teilweise Dinge, die sind unglaublich. Auch, dass die Grünflächen verschwinden werden, trifft einfach nicht zu«. Die Leute, die unterschreiben würden, hätten nicht einmal die Möglichkeit genutzt, die Pläne in der Gemeinde anzuschauen. »Es ist einfach schlimm, dass hier Falschbehauptungen aufgestellt werden, nur, dass die Unterschriften zusammengebracht werden«, ärgert sich Stefan Kurz.

Der Hotel- und Gaststättenverband ist deshalb enttäuscht von der Haltung der Bürger, da so ein neues Hotel Vorteile für die ganze Region hätte. Zum einen sind die alten Gebäude auf dem Grundstück des geplanten Mammutprojekts ein »Schandfleck«, wie es neben Kurz noch andere bezeichnen, zum anderen verweist Johannes Hofmann, auf dieselbe Situation, die vor Jahren wegen des Baus des Hotel Edelweiß in Berchtesgaden herrschte: »Zu einem Hotelgegner würde ich jetzt sagen: Schauen sie nach Berchtesgaden. Niemand würde sich dort den alten Zustand mit dem Hotel Post zurückwünschen. Denn dass das Hotel im Ort ein Glücksgriff war, das wissen alle.«

Bergmüller ist es besonders wichtig, auf die positiven Auswirkungen einer solchen Investition auf die ganze Region hinzuweisen: »Tourismus bedeutet für die Einheimischen Arbeits- und Ausbildungsplätze. Ganz zu schweigen von den Investitionen in die Infrastruktur der Region. Das Hotel als Verbesserung ist für uns auch wegweisend in die Zukunft. Denn Stillstand bedeutet Rückschritt.«

Letzten Endes bleibt abzuwarten, wer sich durchsetzen wird. Johannes Hofmann möchte aber betonen, welche Arbeit jetzt schon in dem Vier-Sterne-Projekt steckt: »Allein die Planung hat schon zehn Jahre Arbeit und eine halbe Million Euro der Investoren verschlungen. Es wäre schade, wenn das alles umsonst gewesen wäre.« Einen letzten, wichtigen Aspekt erwähnte Bezirksleiter Bergmüller noch. Das Hotel wäre äußerst wichtig für eine erneute Olympiabewerbung. Annabelle Voss