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Steht das Gastgewerbe unter Generalverdacht?

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Der Wirt des »Alpenglück« berichtet von unangenehmen Erfahrungen mit Kontrolleuren. (Fotos: Bauregger)

Schneizlreuth – Mit einem Brandbrief an die Bundesregierung, die Landesregierungen, die Minister und Abgeordneten macht der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband (DEHOGA) auf unterschiedliche Problemfelder aufmerksam. Darunter flexible Arbeitszeiten, eine überbordende Bürokratie und ein Steuernachteil gegenüber der Fast-Food-Konkurrenz. Darüber hinaus sieht sich die Branche durch überzogene Kontrollen unter Generalverdacht gestellt. Der Wirt des »Hotel & Restaurant Alpenglück« in Weißbach an der Alpenstraße, Gemeinde Schneizlreuth, ging mit diesen Forderungen des DEHOGA an die Presse und schilderte seine Situation.


Wie es in dem Rundschreiben heißt, zeige der 9. Übernachtungsrekord in Folge, dass der Tourismus mit der ihn mitprägenden Gastronomie und Hotellerie, mit Milliardenumsätzen und der Schaffung von Hunderttausenden von Arbeitsplätzen zu einem Hauptakteur des Wirtschaftsstandortes Deutschland geworden ist. Und dies »trotz aller staatlichen Gängelung und Bevormundung«, wie es weiter heißt. Besonders die Kriminalisierung einer ganzen Branche belaste, insbesondere weil es sich zum größten Teil »noch« um mittelständische, inhabergeführte Betriebe handle.

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»Schwerbewaffnete Überfallkommandos«

Natürlich dürfe und müsse der Staat die Bücher prüfen, illegaler Beschäftigung nachgehen, prüfen, ob die Hygienevorschriften eingehalten werden und auch alle Mitarbeiter den Mindestlohn erhalten. Aber dazu sei es nicht nötig, »schwerbewaffnete Überfallkommandos des Zolls« oder »arrogante Finanzprüfer« einzusetzen, die die kleinen Wirte unter Druck setzen. »Denn, die große Mehrheit der gastgewerblichen Betriebe, die nach bestem Wissen und Gewissen arbeiten und Leistungsträger dieses Staates sind, haben einen Anspruch auf eine angemessene und faire Behandlung.«

Als Handlungsfelder sieht der DEHOGA verschiedene Beschränkungen und Wettbewerbsnachteile. In einem Gespräch berichtet auch Peter Lohmann, der Wirt des »Hotel & Restaurant Alpenglück«, über unangenehme Erfahrungen mit Kontrolleuren. So seien vor etwa drei Jahren bewaffnete Zollbeamte, teils mit bis zu zehn Mann, angerückt, hätten alle Ausgänge versperrt und die Mitarbeiter kontrolliert.

»Resoluter, despektierlicher Finanzprüfer«

Aufgrund von Anzeigen sei dies in den eineinhalb Jahren danach noch fünf Mal so geschehen. Erfahrungen mit einem resoluten, despektierlichen Finanzprüfer haben Lohmann und seine Frau vor etwa acht Jahren machen müssen. Außer Frage stehe auch, dass Hygienekontrollen wichtig seien. Ob es allerdings zielführend sei, wenn nichts anderes gefunden werde, das Fehlen eines kleinen Stücks Furnier an einem Schrank zu thematisieren, sei dahingestellt, so der Wirt.

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Das »Hotel & Restaurant Alpenglück« in Schneizlreuth.

Forderungen des DEHOGA nach flexiblen Arbeitszeiten, einer Eindämmung der überbordenden Bürokratie oder einer Senkung des Steuersatzes aus Gastronomieprodukten seien auch für die Wirtefamilie in Weißbach a.d. Alpenstraße mittel- und langfristig existenzentscheidend. Als zusätzliche Belastung müssten derzeit im Gebäude Brandschutzmaßnahmen mit einem Investitionsvolumen in Höhe von etwa 200.000 Euro finanziert werden. Erleichterungen durch Senkung der Steuersätze zum Beispiel auf Essen, Getränke und Ähnliches würden gerade solche Investitionen in die Sicherheit der Gäste oder zur Steigerung des Komforts wesentlich erleichtern.

Sollte die Familie aus wirtschaftlichen Gesichtspunkten doch irgendwann zur Aufgabe gezwungen sein, wäre es aus Sicht von Peter Lohmann sicher auch ein enormer Schaden für die Ortsgemeinschaft, zumal die meisten Veranstaltungen im »Weikertstoasaal« im »Alpenglück« stattfinden und der Schützenverein sowie die Weißbacher Bauernbühne, ihre Heimat hier haben. Welche Folgen dies haben könnte, sehe man auch in den Orten rundherum deutlich. Werner Bauregger