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Stefan Leonhardsberger mit Band bezaubert mit »AustroFolk« über Liebe und Tod im Magazin 4

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In rotes oder blau-violettes Licht getaucht – passend zu den Themen »Liebe und Tod« – stimmte Stefan Leonhardsberger im Bad Reichenhaller Magazin 4 seine Lieder an und genoss den Auftritt mit seiner Band sichtlich. »Stefan Leonhardsberger & Die Pompfüneberer« boten dem Publikum ein inspirierendes, poetisches, morbides, verrücktes Programm.


Der vielseitige Oberösterreicher Stefan Leonhardsberger hat das »Wiener Lied« in seinem neuen Projekt zu einem persönlich gefärbten »AustroFolk« weiter entwickelt. Als hervorragende Begleiter assistieren ihm Martin Schmid an der Akustik-Gitarre, mit dem er vor gut einem Jahr sein gefeiertes Debüt in der Alten Saline hatte, Uli Fiedler am Bass, Mick Lopac an der E-Gitarre und Stefan Gollmitzer am Schlagzeug.

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Die Lieder stammten alle aus der Feder des Frontmanns. Die fünf Musiker ergänzten sich wunderbar. Stefan Leonhardsberger ist aber nicht nur Sänger und Gitarrist, sondern auch Schauspieler – das zeigte sich in einer enormen Bühnenpräsenz und in der Fähigkeit, ganz in die Haut seiner »Anti-Helden« zu schlüpfen und im jeweiligen Musikstil aufzugehen wie im Wiener Lied »Wann da Hergott net wü«.

Mit ebenso eindrucksvoller Performance, Leichtigkeit, Charme und Wärme in der Stimme sowie unaufdringlichem Schmäh erzählte Leonhardsberger von einem einsamen älteren Herrn hinter einer imperialen Wiener Fassade, der seine junge Besucherin gar nicht mehr gehen lassen möchte und beim altmodischen Kaffeekochen in Zeiten der Vollautomaten dahin philosophiert. Beim Kehrvers »I hob bei mir z'Haus a ganz normale Kaffeemaschin', seit ewigen Zeiten bin ich mit ihr vollkommen z'friedn« sangen viele bereitwillig mit. Höhepunkte waren das Lied »Schweinegericht«, in dem die Band mit martialischen Klängen alle Männer als Schweine anklagte und der Sänger kleinlaut die sensiblen, schwachen, liebenswerten Seiten des starken Geschlechts verteidigte, sowie der Titelsong »Die Pompfüneberer«.

Auch andere ernste Themen wie Suizid oder das posttraumatische Belastungssyndrom eines Soldaten (als Drei-Minuten-Variation zu Georg Büchners »Woyzeck« inszeniert) fanden Raum, hervorragend musikalisch illustriert. Und doch endete alles gut, wie die Zugabe, ein »Mini-Musical« über ein Polizeipferd, das am Meer die Traumata seines letzten Einsatzes vergessen will, bewies. Das Publikum war begeistert und verzaubert. Veronika Mergenthal