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»Standort Staudach«: Faszinierender Bilderzyklus

Eine außergewöhnliche Vernissage hat im neu eingerichteten Kulturraum des Staatlichen Landschulheims im Neuen Schloss in Marquartstein stattgefunden. Der große Raum mit seiner schönen, nach barockem Vorbild entstandenen Stuckdecke und der schlossähnlichen Eingangstür war bis zum Ende des vergangenen Schuljahrs noch als Kollegstufenraum benutzt worden. Nachdem die Schüler einen anderen Raum bekamen, soll das Zimmer jetzt als Kulturraum dienen. Ausstellungen, Lesungen, Musik und andere kleine Vorführungen soll es dort geben.

Karl-Heinz Hauser vor seiner Präsentation »Standort Staudach« im neuen Kulturraum des Staatlichen Landschulheims Marquartstein. (Foto: Giesen)

Eingeweiht wird der neue Kulturraum nun mit einer ersten Ausstellung des Künstlers und Kunstpädagogen der Schule, Karl-Heinz Hauser. Seit vielen Jahren widmet er sich in seiner Freizeit dem Projekt »Standort Staudach«, nämlich dem Hochgern. Am Kiesstrand der Tiroler Ache stehend – immer morgens um die gleiche Zeit – schuf der Künstler eine Serie von fast unzähligen Ansichten des Hochgerns in den verschiedensten Techniken. Bisher malte er rund 50 realistische Bilder des Berges auf Leinwand, die den Jahreszyklus im Gebirge zu den verschiedensten Zeiten darstellen.

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Von den Gemälden ausgehend, fertigte Hauser 24 Holzschnitte an, dazu Ansichten des Hochgerns, jeweils sowohl positiv als auch negativ. Daraus entstanden im Mehrfarbdruck in Gelb, Blau und Rot nach dem Zufallsprinzip und damit in unrealistischer Farbgebung 48 druckgrafische Blätter. Tetraprintserien erweitern das Projekt in Zyklen aus weiteren Grafiken, wobei Hauser oft die besonders widerstandsfähigen Plastiktüten als Material für den Druck verwendet. Auch aus anderen »Restdrucken«, vielschichtigen Unikaten, lässt der Künstler eine eigene Serie aus 24 Bildern entstehen.

Der Betrachter erfährt dabei eine Entwicklung innerhalb der Bildzyklen von realistischer Malerei über Holzschnitt bis hin zum Tetraprint. Am Schluss sieht der Betrachter nur noch gegenstandslos strukturierte Flächendarstellungen. Die Besucher des Kulturraums finden sich inmitten eines erstaunlichen Kaleidoskops immer desselben Motivs, das sich doch immer wieder ganz unterschiedlich darstellt.

Die Spiegelbildlichkeit, die durch die »positive« und »negative« Gestaltung im Holzschnitt entsteht, wiederholt sich auch durch die Anordnung der Bilder im Ausstellungsraum. Wöchentlich tauscht Karl-Heinz Hauser die Bilder aus, um wenigstens einen Teil aller, im Laufe der Jahre entstandenen Bilder zeigen zu können und um die visuelle Dominanz der einzelnen Serien zu erreichen.

Karl-Heinz Hauser studierte von 1986 bis 1993 an der Akademie der Bildenden Künste in München. Nach Arbeitsaufenthalten in Regensburg, Paris, München und Cincinnati unterrichtet er seit 1997 das Fach Kunst am Staatlichen Landschulheim in Marquartstein. Seine Arbeiten waren bereits in zahlreichen, auch internationalen Ausstellungen zu sehen.

Während der Ausstellung sind auch in den Gängen des Hauptgebäudes der Schule weitere Arbeiten zu anderen Themenbereichen von Karl-Heinz Hauser zu sehen, zum Beispiel Silberstiftzeichnungen, Siebdrucke und Holzschnitte aus der Zeit, als Hauser unter anderem in München, Stuttgart, Cincinnati und Berlin ausstellte. Auch sie werden während der Dauer der Ausstellung von Zeit zu Zeit ausgetauscht.

Bei der Vernissage mit Musiklehrerin Astrid Cieslik und Schülern der Oberstufe wurde passend zum Thema »Hochgern zu allen Jahreszeiten« musikalisch das Thema der vier Jahreszeiten von Antonio Vivaldi aufgegriffen. Außerdem trugen Schülerinnen literarische Texte vor, die mit dem Thema zu tun haben.

Die Präsentation im Kulturraum des Landschulheims können Interessierte bis 17. Januar 2014 werktags von 8 bis 17 Uhr besuchen. Christiane Giesen