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Staatsanwaltschaft ermittelt zu Tierquälerei im Allgäu

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Ortsschild von Bad Grönenbach
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Das Ortsschild von Bad Grönenbach. Foto: Karl-Josef Hildenbrand Foto: dpa

Einer der größten Milchbauern in Bayern soll seine Kühe schwer misshandeln. Das Fleisch der kranken Tiere soll zudem in die Lebensmittelkette gelangt sein. Nun ermittelt die Staatsanwaltschaft.


Bad Grönenbach/Memmingen (dpa/lby) - Wegen des Verdachts auf Tierquälerei auf einem der größten Milchviehbetriebe in Bayern hat die Staatsanwaltschaft Ermittlungen aufgenommen. Es werde geprüft, ob die Videoaufnahmen eines Tierrechtsvereins authentisch seien, bestätigte die Staatsanwaltschaft Memmingen am Dienstag. Zuvor hatten die »Süddeutsche Zeitung« (SZ) und die ARD-Politikmagazine »Report Mainz« und »Fakt« berichtet. Das Material wurde dem Bericht zufolge vom Tierrechtsverein »Soko Tierschutz« zugespielt.

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Video soll Tierquälerei auf dem Hof zeigen

Die Videoaufnahmen aus den Ställen des Milchviehbetriebs im schwäbischen Bad Grönenbach (Landkreis Unterallgäu) sollen zeigen, wie Kühe getreten und geschlagen oder mit einem Traktor durch einen Stall geschleift werden. Zudem würden Kühe stundenlang an Kopfverletzungen von Bolzenschüssen verenden, anstatt durch Ausbluten nach Betäubung. Der Familienbetrieb mit rund 1800 Milchkühen soll dem Tierrechtsverein zufolge bereits seit Jahren gegen Tierschutzvorschriften verstoßen. Eine Stellungnahme zu den Vorwürfen lehnte der Betrieb zunächst ab.

Namhafte Kunden behalten sich Aufkündigung der Zusammenarbeit vor

Die Milch des Hofes wird von einer Käserei in Lauben (Landkreis Oberallgäu) verarbeitet, die ihre Produkte weltweit verkauft. Der Camembert-Spezialist Champignon produziert unter anderem den Weichkäse »Cambozola« und den Ofenkäse »Rougette« sowie Produkte für die Molkerei »Weihenstephan«. Das Unternehmen gab am Dienstag bekannt, die Zusammenarbeit mit dem Milchbetrieb aus »ethischen und moralischen Gründen« einzustellen.

Fleisch kranker Tiere wohl in Handel gelangt

Kranke Kühe des Familienbetriebs seien beim Großschlachthof »Vion« in Buchloe (Landkreis Ostallgäu) abgeliefert worden, hieß es in dem »SZ«-Bericht. Teile mindestens eines kranken Tieres seien zum menschlichen Verzehr freigegeben worden. Das Schlachtunternehmen teilte auf Anfrage mit, es prüfe die Vorwürfe. »Bis zur vollständigen Klärung der vorliegenden Verstöße gegen das Tierschutzgesetz werden wir ab sofort von diesem Betrieb keine Tiere mehr annehmen«, sagte Standortleiter Jürgen Lieb.

Vergangene Woche hatte die Tierrechtsorganisation »Soko Tierschutz« Anzeige gegen den Betriebsleiter und zahlreiche Mitarbeiter wegen besonders schweren Fällen von Tierquälerei gestellt. Auch gegen den Schlachtbetrieb »Vion« laufe eine Anzeige wegen des Verdachts auf illegale Krankschlachtungen. Zudem wurde der Betreuungstierarzt angezeigt, da er unter Verdacht steht, die Taten gedeckt und durch Unterlassen ermöglicht zu haben.

Das bayerische Verbraucherschutzministerium schaltete die Staatsanwaltschaft ein und forderte bei der Regierung von Schwaben einen Sonderbericht über den Betrieb an. »Hier steht kriminelles Verhalten im Raum. Tierquälerei ist nicht hinnehmbar«, teilte Umweltminister Thorsten Glauber (Freie Wähler) mit.

Grüne und SPD im Landtag forderten eine Sondersitzung des bayerischen Umweltausschusses. »Die ganzen Vorgänge sind nicht nur erschreckend, sondern lassen auch das Vorgehen der Behörden mehr als zweifelhaft erscheinen«, sagte SPD-Landwirtschaftsexpertin Ruth Müller am Dienstag. In der Sondersitzung soll ein funktionierendes Kontrollsystem zur Überwachung von Großbetrieben und die personelle Überlastung von Amtsveterinären diskutiert werden.

»Ich fordere jetzt endlich Klarheit, wie und wie oft solche Betriebe untersucht werden«, sagte der Grünen-Landtagsabgeordnete Paul Knoblach. Die Entscheidung über eine Sondersitzung wird den Angaben nach voraussichtlich bei der nächsten Sitzung des Umweltausschusses am Donnerstag getroffen.

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