weather-image
29°

Sportfunktionär von der Pike auf

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Der Berchtesgadener Stefan Krauß arbeitet für eine österreichische Vermarktungsfirma und wird für fünf Tage nach Sotschi reisen. Foto: Anzeiger/Wechslinger

Berchtesgaden – Auch der ehemalige Abfahrer und langjährige Sportfunktionär Stefan Krauß aus Berchtesgaden wird demnächst zu den Olympischen Winterspielen nach Sotschi reisen. Dort wird er als Geschäftsführer der Salzburger Sportvermarktungsfirma »Infront« internationale Kontakte pflegen. Der »Berchtesgadener Anzeiger« unterhielt sich mit Krauß am Rande der Weltcup-Rennen am Königssee über seine derzeitige Arbeit und die anstehenden Tage in Russland.


Herr Krauß, Sie waren neun Jahre sehr erfolgreicher Generalsekretär und Sportdirektor des Bob-und Schlittenverbandes für Deutschland, längere Zeit Vizepräsident des internationalen Bob- und Skeletonverbandes und danach Geschäftsführer der DSV-Marketing GmbH im Deutschen Skiverband. Gibt es noch Berührung zu diesen Verbänden?

Anzeige

Stefan Krauß: Als Berchtesgadener verbindet mich zum BSD die persönliche Freundschaft zu vielen Ex-Kollegen und das generelle Interesse an den Sportarten. Darüber hinaus ist mein neuer Arbeitgeber sowohl Partner des Internationalen Bob- und Skeletonverbandes FIBT als auch des Internationalen Rennrodelverbandes FIL. Diese Engagements werden derzeit allerdings von unserer Zentrale in Zug aus der Schweiz bearbeitet. Den DSV betreuen wir direkt aus Salzburg. Infront besitzt die internationalen TV Rechte, die Vermarktungsrechte der deutschen Biathlonweltcups und die der Vierschanzentournee und ist damit der mit Abstand größte Geldgeber und wichtigste Partner des DSV. Das ist eine riesige Verantwortung, es macht mich aber auch sehr stolz.

Sie sind seit 2012 Geschäftsführer. . Mit wie vielen Mitarbeitern wirken Sie in Salzburg und ist der Standort zentral genug?

Krauß: Infront Austria ist als 100-prozentige Tochtergesellschaft der Infront Sports & Media AG für die weltweite Vermarktung aller Biathlon-Weltcups und Weltmeisterschaften, der Vierschanzentournee und zahlreicher Skisprungweltcups zuständig. Zudem vermarkten wir etwa 75 Prozent aller alpinen Weltcups weltweit sowie alle Heimspiele der österreichischen Fußball-Nationalmannschaft. Dafür arbeiten 20 Festangestellte, temporär Freelancer sowie Kollegen aus anderen Tochtergesellschaften oder von uns beauftragten Firmen. Insgesamt koordiniere ich mehr als 100 Personen.

Salzburg ist eine tolle Stadt und für uns mit Schwerpunktausrichtung Wintersport durch die Nähe zu vielen Events und zu wichtigen Sponsoren bestens geeignet. Ein Vorteil ist auch, dass man durch die Attraktivität des Standorts und eine hohe Lebensqualität in der Freizeitgestaltung sehr gut ausgebildetes Personal bekommt.

Sie sind ein ehemaliger erfolgreicher alpiner Rennläufer. Welche Verbindungen und Vermarktungsmöglichkeiten gibt es dadurch?

Krauß: Ich nenne als Musterbeispiele die Automobilmarken Audi und BMW. Audi hat sein Engagement im Wintersport vor 30 Jahren mit dem Deutschen Skiverband begonnen und ist mittlerweile Partner von zehn nationalen Verbänden sowie Titelsponsor des alpinen Weltcups. Im nächsten Jahr wird Audi auch Partner des nordischen Weltcups und erhöht seine Präsenz dadurch noch einmal. Bei BMW ist es neben dem Hauptengagement im Biathlon und Sponsor für die Weltcupserien bei Rennrodel und Bob ähnlich. Schade ist nur, dass ich Viessmann noch nicht überreden konnte, sich auch im alpinen Skisport zu engagieren.

Lassen Sie uns einen Sprung nach Sotschi zu den Olympischen Spielen machen, die nächste Woche beginnen. Was erwarten Sie in Sotschi im Hinblick auf Sportstätten, Wettbewerbe, Logistik, Beherbergungsbetriebe und Sicherheit?

Krauß: Meine Erwartungshaltung zu Sotschi ist durchaus differenziert. Ich bin mir sicher, dass die Sportstätten ein sehr hohes Qualitätsniveau aufweisen. Auch die Unterkünfte, die Olympischen Dörfer und die Hotels werden sehr gut sein. Alles, was mit Transport und Logistik zu tun hat, ist bei Olympischen Spielen jedoch immer kompliziert und wird in Sotschi durch die extrem hohen Sicherheitsmaßnahmen noch komplizierter. Deshalb sind auch die Zuschauerkapazitäten sehr niedrig, weshalb die Stimmung bei den Wettbewerben im Vergleich zu den Weltcupklassikern in Kitzbühel, Schladming, Wengen, Ruhpolding, Oberhof, Antholz, der Vierschanzentournee, Zakopane oder Königssee nicht vergleichbar ist.

Gibt es in Sotschi Arbeit für Sie ?

Krauß: Grundsätzlich sind Olympische Spiele werbefrei, weswegen wir rein arbeitsmäßig nicht involviert sind. Aber alle unsere Partnerverbände, von denen wir die TV- und Vermarktungsrechte zum Weiterverkauf und zur Umsetzung erwarben, sind da. So treffe ich in Sotschi unter anderen den koreanischen Sportminister, um bezüglich der Olympischen Testevents in der Saison 2016/17 Details zu verhandeln.

Welche Wettbewerbe werden Sie besuchen?

Krauß: Ich bin nur am Anfang für fünf Tage in Sotschi und möchte mir Biathlon, Ski alpin und Skispringen ansehen.

Welche Rolle spielt Deutschland bei der Vergabe der Medaillen und in welchen Sportarten wird das Edelmetall geholt?

Krauß: Das vom Deutschen Olympischen Sportbund ausgegebene Ziel sind 30 Medaillen für Deutschland. Das ist sehr ambitioniert, aber erreichbar. Eine Nation wie Deutschland muss sich hohe Ziele setzen. Im Bereich Ski erwarte ich vier Medaillen. Christian Wechslinger