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Spekulationen über Al-Kaida-Angriff auf US-Botschafter

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Obama und Clinton
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Präsident Barack Obama und Außenministerin Hillary Clinton wollen die «Mörder» zur Verantwortung ziehen. Foto: Michael Reynolds Foto: dpa

Washington (dpa) - Nach dem tödlichen Angriff auf Amerikas Botschafter in Libyen sind in den USA Spekulationen über eine Verwicklung des Terrornetzwerkes Al-Kaida laut geworden.


Es könne sich um einen gezielten Anschlag der Gruppe am 11. September gehandelt haben - dem elften Jahrestag ihrer Terrorangriffe auf die USA, sagte der Vorsitzende des Geheimdienstausschusses im Abgeordnetenhaus, Mike Rogers, am Mittwoch in einem Fernsehinterview. Bei der Attacke auf das Konsulat in Bengasi waren in der Nacht zuvor der Botschafter Chris Stevens und drei weitere Amerikaner ums Leben gekommen.

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»Dies war ein sehr gut durchdachtes, koordiniertes Ereignis. Ich glaube, es war geplant, dass es an diesem Datum passiert«, meinte der Republikaner. Ähnlich äußerte sich der Islam-Experte Fouad Ajami von der Stanford University im Sender CNN: Es gebe immer noch viele aktive Al-Kaida-Kämpfer in Libyen. Die Angreifer setzten Brandbomben und Panzerfäuste ein. Sie hätten das Hauptgebäude und später auch die Nebengebäude mehr als vier Stunden lang beschossen, sagte eine Beamtin des US-Außenamtes in Washington. Das Konsulat habe nach großer Gegenwehr amerikanischer und libyscher Sicherheitskräfte evakuiert werden können.

Botschaftsmitarbeiter und auch die Leichname seien auf die US-Militärbasis im pfälzischen Ramstein gebracht worden. Die Vertretung in Tripolis arbeite nur noch im Notbetrieb. Der genaue Ablauf des Angriffs sei noch nicht klar, sagte die Beamtin des State Departments weiter. Nicht sicher sei etwa, wer den Botschafter Chris Stevens aus dem brennenden Konsulat in Bengasi holte - und ob er bei der Ankunft in der Klinik bereits tot war oder dort starb. Erst Stunden nach der Attacke sei den Amerikanern die Leiche des Diplomaten am Flughafen von Bengasi übergeben worden. Der Überfall habe am Dienstag um 22.00 Uhr europäischer Zeit begonnen.

Ein hoher Mitarbeiter des Pentagons wollte in US-Medien geäußerte Spekulationen nicht bestätigen, dass es sich um einen Al-Kaida-Angriff gehandelt haben könnte. Er meinte aber, dass es eine »komplexe Attacke« gewesen sei. Der TV-Sender CNN berichtete, dass rund 50 US-Marines in Libyen eingetroffen seien, um Amerikaner zu beschützen. Zudem wolle Präsident Barack Obama Drohnen schicken, um mögliche Islamisten-Camps aufzuspüren. Auch seien zwei Kriegsschiffe an die libysche Küste verlegt worden. Die US-Bundespolizei FBI habe Ermittlungen gestartet. Obama hatte am Mittwoch angekündigt, die »Mörder« zur Verantwortung zu ziehen.

Der Vorfall löste mitten im US-Wahlkampf auch eine innenpolitische Debatte aus. Obama kritisierte seinen republikanischen Herausforderer Mitt Romney dafür, dem Weißen Haus vorschnell Vorwürfe gemacht zu haben. Romney hatte seinem Kontrahenten zuvor mangelnde Führungskraft in der Außenpolitik vorgeworfen. »Romney scheint die Tendenz zu haben, erst zu schießen und später zu zielen«, sagte Obama in einem Interview mit dem TV-Sender CBS, wie in Vorabauszügen zu sehen war.

Erklärung Obamas