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»Mozart Kinder Orchester« und »Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor« begeisterten in der Kollegienkirche

Spatzenmesse mit erfrischender Leichtigkeit

So muss Mozart klingen, mit so viel Leichtigkeit, Zug und Präsenz, dachte man sich bei dieser außergewöhnlichen Aufführung der »Spatzenmesse« des berühmten Salzburgers in der Kollegienkirche im Rahmen der »Salzburger Festspiele«.

An dem Konzert wirkten auch 17 Kinder aus dem Chiemgau und Rupertiwinkel mit. (Foto: Salzburger Festspiele/Silvia Lelli)

Zum Staunen brachten 100 junge Sängerinnen, Sänger, Musikerinnen und Musiker ihre Zuhörer: Bis auf die vier Solisten, Teilnehmer des »Young Singers Projekt« der Festspiele, waren alle Kinder. Nach der öffentlichen Probe des erst 2013 gegründeten »Mozart Kinder Orchesters« der Stiftung Mozarteum zusammen mit einem Kinderorchester aus Venezuela während der Sommerfestspiele 2013 war dieses Konzert der erste »richtige« Auftritt des Kinderorchesters bei den Salzburger Festspielen. Eine geglückte Symbiose ergab sich mit dem »Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor«.

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In ihrem ersten gemeinsamen Auftritt präsentierten sich die beiden Klangkörper zunächst separat, um sich für die krönende »Spatzenmesse« zu vereinen. Unter Leitung von Christoph Koncz eröffneten die 46 jungen Orchestermusiker im Alter zwischen sieben und zwölf Jahren, darunter auch 17 Kinder aus den Landkreisen Berchtesgadener Land und Traunstein, den Abend schwungvoll mit der Symphonie G-Dur KV 45a. Wolfgang Amadeus Mozart schrieb sie 1766 mit erst zehn Jahren in Den Haag.

Im ersten Satz »Allegro maestoso« schienen sich die Nachwuchs-Streicher noch nicht ganz an den langen Nachhall in der Kirche gewöhnt zu haben, doch eine leichte Ungenauigkeit in den Violinen bügelte das Orchester unter der einfühlsamen Regie von Koncz sofort wieder aus. Mit zartem, feinem Strich erklang das »Andante«, untermalt von einem weichen Pizzikato der Celli, die später mit einer wunderbar sanglich gestrichenen Melodie in Bann zogen. Mit Verve fetze das Orchester das »Presto« hin.

Die 54 Sängerinnen und Sänger des 2010 gebildeten Chors, die aus Deutschland und Österreich kommen und zwischen 6 und 16 Jahre jung sind, setzten unter Leitung von Wolfgang Götz stimmig mit drei A-Cappella-Werken fort. Hell leuchtete das »Jubilate Deo« eines anonymen Komponisten auf, das früher Wolfgang Amadeus Mozart zugeschrieben wurde. Mozarts vierstimmiger Kanon »Ave Maria« KV 554, den der Chor mit begeisterter Singfreude, absolut souveränen Stimmgruppen und ausgewogenem Klang darbot, ist ein Beispiel für eine Kompositionsform, die ihn sein Leben lang beschäftigte.

Immer wieder bediente er sich des Kanon, um sich mit teils obszönen Texten auf Kosten anderer zu amüsieren. Weniger bekannt ist seine geistliche Kunstfertigkeit in diesem Genre. Eine erst neunjährige Sängerin kündigte daraufhin als drittes Lied »God is our refuge« an, einen Chorsatz, den Mozart als neunjähriger Bub in London schrieb. Er wirkt inspiriert von der damaligen englischen Sakralmusik und trägt noch nicht so sehr die typische Mozart-Handschrift.

Die »Spatzenmesse« schrieb Mozart vermutlich mit 19 Jahren. Sie zeigt, dass sich Genies nicht in Schubladen stecken lassen: Zwar ist sie kürzer als Mozarts übliche »Missae breves«, aber dafür durch zwei Trompeten und Pauke besonders festlich gestaltet, fast wie eine »Missa solemnis«. Ihr Beiname geht auf die Vogelgezwitscher ähnlichen Vorschläge im Sanctus zurück.

Die Sänger und Musiker hingen Koncz quasi an den Lippen, nahmen sofort sein zackiges Tempo auf. Ihre Auffassungsgabe, ihr frischer, lebendiger Vortrag, die pointierten Einwürfe des Chors im Kyrie und die klangliche Einheit beider Ensembles beeindruckten. Ebenso herzerfrischend waren das Gloria – zum Beispiel im »Cum sancto spiritu« und mit der perfekt abgestimmten Tempoverzögerung zum Schluss hin – und das Credo gesungen. Chor und Orchester rissen einander mit, besonders in den furiosen »Amen«-Passagen, und betteten das Solistenquartett, das mit den kindlichen Naturstimmen mit etwas weniger Vibrato noch besser harmoniert hätte, duftig ein.

Die kasachisch-italienische Sopranistin Maria Mudryak, die Deutsche Henriette Gödde, eine Altistin mit Farbe und Format, der aus Samoa in Ozeanien stammende Tenor Amitai Pati und der italienische Bass Giovanni Romeo glänzten besonders im ausdrucksstarken Quartett »Et incarnatus est« im Credo, dem ein unerbittliches »Crucifixus« des Chors folgte, und im sehr schön von den Streichern ausgespielten Benediktus. Einen drängenden, flehenden, mystischen Charakter hatte das hochdramatisch und fein dynamisch abgestuft gestaltete Agnus Dei. Für den minutenlangen Applaus bedankten sich Chor und Orchester mit Mozarts »Ave verum«. Veronika Mergenthal