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Umjubelte Aufführung des Musicals »A Tribute to the Blues Brothers« im Traunreuter k1

Soul-Klassiker am laufenden Band

Schwarze Anzüge, Hüte und Sonnenbrillen: Das sind die Markenzeichen der Gebrüder Jake (John Belushi) und Elwood (Dan Aykroyd) Blues in dem Kultfilm »Blues Brothers« (1980; Regie: John Landis).

Jörg Bruckschen als Elwood (links) und Ronald Tettinek als Jake wirkten bei der Aufführung im k1 so überzeugend, als wären sie gerade dem Film entsprungen. (Foto: Heel)

Zwei unvergleichlich coole Typen, die ihre alte Band zusammentrommeln, nachdem sie erfahren haben, dass das Waisenhaus, in dem sie beide aufgewachsen sind, wegen Steuerschulden geschlossen werden soll. Nur dumm, dass sie sich dabei jede Menge Feinde schaffen, sodass beim Benefizkonzert alles drunter und drüber geht. Also schnappen sie sich nach zwei Songs die Gage und machen sich auf den Weg nach Chicago, dem Sitz der Steuerverwaltung. Verfolgt von der Polizei und verwickelt in unzählige Autokarambolagen, hinterlassen sie dabei eine Spur der Verwüstung.

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Aber kann ein Roadmovie mit spektakulären Auto-Verfolgungsjagden auf der Bühne überhaupt funktionieren? Es kann, und zwar verdammt gut. Denn schließlich machten Gastauftritte diverser Soul-Größen wie Aretha Franklin, Ray Charles oder James Brown aus der anarchistischen Komödie zusätzlich noch einen grandiosen Musikfilm, dessen Soundtrack sich millionenfach verkaufte. Dementsprechend standen auch die vielen Hits aus dem Film wie »Stand By Your Man«, »Gimme Some Lovin’« oder »Sweet Home Chicago« im Mittelpunkt des Musicals »A Tribute to the Blues Brothers«, das nun im leider nur mäßig besetzten Saal des Traunreuter k1 aufgeführt wurde.

Dass die vielen Soul-Klassiker dabei auch angemessen rüberkamen, dafür sorgte zum einen die siebenköpfige, fabelhaft aufspielende Rhythm & Blues-Band, zum anderen das achtköpfige Ensemble, darunter vier Tänzerinnen, das neben Gesang auch mit Slapstick-Einlagen und Wortwitz zu begeistern wusste. Allen voran Ronald Tettinek (Jake) und Jörg Bruckschen (Elwood), die so überzeugend wirkten, als wären sie gerade dem Film entsprungen.

Was dabei an Handlung übrigblieb, hatte allerdings wenig mit dem Film gemeinsam. Stattdessen setzte die Bühnenfassung von Ingmar Otto darauf, die Entstehung des Films sowie die Drogenprobleme von John Belushi zu zeigen, der zwei Jahre nach der Veröffentlichung des Films an einem Drogencocktail starb. Dabei vermengte er in den Videoprojektionen Ausschnitte aus dem Film mit dem Geschehen auf der Bühne, rasten auf der Leinwand Polizeiautos durch ein Einkaufszentrum, während Ronald Tettinek und Jörg Bruckschen im Verein mit der Band den passenden Sound dazu lieferten.

Ein besonders schöner Einfall des Autors war dabei, John Belushi nach seinem Drogentod im weißen Anzug wiederauferstehen und als Engel über die Leinwand schweben zu lassen. Nicht verwunderlich also, dass es beim großen Finale mit »Soul Man« und »Everybody Needs Somebody To Love« stehende Ovationen gab, während die Blues Brothers und die Tänzerinnen eine Blitzrunde um den Besucherblock drehten. Wolfgang Schweiger