»So ein Unwetter gab es hier noch nie« – Söder und Scholz zu Besuch in Schönau

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Autos wurden in der Schlamm- und Gerölllawine, die über Schönau vom Hohen Grünstein hereinbrach, wie Spielzeugautos mitgerissen.

Die Frau weint bitterlich als Ministerpräsident Markus Söder, in Gummistiefeln durch den Matsch watend, am Sonntagnachmittag an ihrem Grundstück in Schönau am Königssee erscheint. Er legt die Hand auf ihre Schulter und verspricht: »Wir lassen Sie nicht allein.« Die Frau hat am Samstagabend ihr Haus verloren, Schlamm und Geröll haben das Grundstück unter sich begraben. Finanzminister Scholz verspricht Soforthilfen. 


Hunderte Kubikmeter Geröll hatten sich tags zuvor in rasender Geschwindigkeit den Weg vom 1300 Meter Hohen Grünstein ins Tal gebahnt. Bis zum Haus der Familie und noch weiter. Überall fahren Bagger, schippen Schlamm, in den Gärten schaufeln Familien Geröll auf Haufen. Keller sind vollgelaufen, viele hier mussten evakuiert werden. Die Familie, der das zerstörte Haus gehört, ist fassungslos. Die Frau, die soeben ihr Dach über dem Kopf verloren hat, ringt nach Atem, muss von einer Verwandten gestützt werden. Das traute Heim ist im Schlamm versunken. Von der Garage ragt nur noch das Dach aus den Schuttbergen, schlammig-steiniger Berghang hat sich über das Areal ergossen. »Mir tut das alles im Herzen weh«, sagt Michaela Kaniber, die bayerische Landwirtschaftsministerin, die den Ministerpräsidenten bei seiner Stippvisite begleitet hat. Auch Bundesfinanzminister Olaf Scholz ist gekommen. Bereits in Nordrhein-Westfalen, wo das Unwetter unermessliche Schäden anrichtete, sicherte er Soforthilfen zu. Das tut er nun auch in Schönau am Königssee – gemeinsam mit Ministerpräsident Markus Söder: »Lebenswerke sind hier in wenigen Stunden zerstört worden«, sagte Söder. Er spüre bei den Betroffenen »tiefe Sorge, dass alles über Nacht weggespült wurde und nun weg ist«.

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Die Tränen kann diese Schönauerin (links) beim Besuch von Ministerpräsident Markus Söder (von rechts) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz in Schönau nicht mehr zurückhalten. Sie hat alles verloren – binnen Minuten. (Foto: Pfeiffer)

Tatsächlich wurden nicht nur Häuser überflutet, auch wichtige Infrastruktur ist weggespült worden. Finanzmittel in großer Höhe sind also notwendig. »Jeder kann sich darauf verlassen, dass wir unterstützen werden«, verspricht Olaf Scholz.

Schönau am Königssees Bürgermeister Hannes Rasp sagt, er habe in Jahrzehnte langer Gemeindearbeit schon vieles gesehen: »Aber so ein Unwetter, bei dem es in kürzester Zeit so massive Schäden gibt, gab es hier noch nie.« Die Bevölkerung werde nun zusammenhelfen, das habe sie schon immer getan. Aber Rasp weiß, dass es mit Nachbarschaftshilfe allein nicht getan ist. Gelder müssen fließen, nicht irgendwann, sondern besser jetzt als gleich – und die Hilfe muss unbürokratisch sein. Die große Politik, die den Weg für den bilderstarken Ortstermin nach Schönau am Königssee gefunden hat, gibt ihr Wort. »Jetzt müssen sie sich beweisen und liefern«, sagt ein ebenfalls anwesender Gemeinderat.

Für Finanzminister Scholz bilden die von den Regenfällen verursachten »immensen« Zerstörungen – im Zusammenspiel mit der Katastrophe in Nordrhein-Westfalen – ein Ereignis »nationaler Dimension«. Bei der letzten Unwetterkatastrophe gab es 400 Millionen Euro Soforthilfe. Die Summe könnte ähnlich hoch ausfallen, sagt Scholz. Klar ist: Es dürfte deutlich teurer werden.

Unwetter und Klimawandel? »Natürlich hat das was miteinander zu tun«, sagt Olaf Scholz. Um Geld darf es dabei nicht gehen. Generell: Ein Umdenken müsse stattfinden – damit solche Ereignisse nicht noch gehäufter auftreten. »Nichtstun wäre deutlich teurer«, ergänzt Söder und fordert in Wahlkampfmanier mehr Klimaschutz und Anpassungskonzepte.

So schnell wie die Politiker gekommen waren, so schnell waren sie auch wieder verschwunden. Nächster Ortstermin: die zum Teil komplett zerstörte Kunsteisbahn am Königssee. Mindestens 20 Millionen Euro Schaden. Am Fuße des Grünsteins schaufelten sie indes weiter. kp