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So bleibt Musikgeschichte lebendig

Erinnern Sie sich noch an Benjamin Braddock? Nein? Doch! Er wurde schüchtern und eindrucksvoll gespielt von Dustin Hofmann im damals schon fast revolutionären Film »Reifeprüfung«. Der Soundtrack zu jenem Film stammte von »Simon & Garfunkel«, einem Duo, das zwischen 1957 und 1970 fantastischen Folk-Rock auf die Bühnen brachte. Spätestens Ende der sechziger Jahre schafften es die beiden Amerikaner in die Ohren aller Jugendlichen und das Album »The Graduate« sowie »Bridge over troubled Water« klingt noch heute nach.

Vielseitig an den Instrumenten zeigten sich die Musiker der Revival-Band beim Konzert auf Schloss Pertenstein. (Foto: Kewitsch)

Michael Frank und Guido Reuter sind die sympathischen Köpfe der »Simon & Garfunkel-Revival-Band«, die den Sound von Art Garfunkel und Paul Simon stilecht und authentisch am Leben erhalten. Der Saal im Schloss Pertenstein ist ein wunderbarer Ort für stimmige Konzerte und ideale Kulisse für »ruhige Töne«. Launig eröffnete Michael Frank den ersten Set und schon die ersten vier Songs klangen wie ein »Best-Of-Medley« aus vergangenen Zeiten. »Scarborough Fair«, »America«, »The Boxer« oder auch das rührselige »El Condor Pasa (if I could)« weckten sofort und unmittelbar Gänsehautgefühle.

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Das Publikum war dankbar, der Sound perfekt, Licht und Nebel sehr dezent und auch der Rest der Band verstand es sehr gekonnt, »leise« zu spielen – es ist ja schließlich auch der »Sound of Silence«. Die Hits gaben sich die Noten in die Hand, ein Highlight folgte aufs Nächste, es schien, als ob die damaligen Hitparaden von Simon & Garfunkel beherrscht wurden, so präsent waren die Songs im Kopf, die Melodien kamen wie von selbst über die Lippen.

Das romantische »Bright Eyes« sorgte für die eine oder andere Handbewegung zum Sitznachbarn (sofern dieser zum engeren Freundeskreis zählt) und als »Cecilia« erklang, kam spürbar Dynamik in den Saal.

Vielseitig an den Instrumenten zeigt Guido Reuter seine Talente, während der Rest der Band (Mirko Sturm, Sebastian Fritzlar, Sven Lieser) ebenso perfekt wie stimmig jede Nummer perfekt ausbalancierte. Unaufdringlich und doch gegenwärtig präsentierten sich die Musiker – der Bass brillierte mit einem Solo zum Paul-Simon-Hit, das Schlagzeug brachte Bewegung in den Saal, die Gitarre rockte Pertenstein. Wunderbar.

Es war wohl die gemeinsame Reise in die Vergangenheit, die den Auftritt so stimmig werden ließ. Die Melodien sind zu berühmt, zu populär, als dass man nicht zwangsläufig ihrer augenzwinkernden Verführung widerstehen könnte. So wie damals Mrs. Robinson den unschuldigen Benjamin Braddock nachhaltig »beeindruckte«, so beeindruckte die »Simon & Garfunkel-Revival-Band im Schloss Pertenstein das Publikum und die »standing Ovations« forderten zu Recht zwei weitere Zugaben. So bleibt Musikgeschichte lebendig. Udo Kewitsch