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Shakespeare für Anfänger und Fortgeschrittene

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Zwei Schauspielerinnen, Johanna Steinhauser und Marsha Zimmermann, übernahmen die Rollen im Shakespeare-Stück »Richard III.« in der Traunsteiner Klosterkirche. (Foto: Heigl)

Man musste nicht unbedingt die Ahnentafel der englischen Monarchie im Zentrum des Gehirns für Geschichtsbewusstsein abgespeichert haben, um das Stück »Richard III.« von William Shakespeare in der Traunsteiner Klosterkirche zu genießen.


Denn auch wenn sich die verwandtschaftlichen Verhältnisse und die Verwicklungen innerhalb des Königreiches für den durchschnittlichen Theaterbesucher sehr verwirrend darstellten, entwickelte Johannes Lang – den Traunsteinern inzwischen bestens bekannt, unter anderem durch dass Einmann-Stück »Der Kontrabass« von Patrick Süßkind – das Thema für die Zuhörer so, dass diese trotzdem einen Gewinn für sich davontragen konnten. Dieses Mal war Johannes Lang aber nicht als Schauspieler auf der Bühne zu sehen, sondern er zog als Regisseur die Fäden.

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Lang, gebürtiger Traunsteiner, der mit seinem intensiven und facettenreichen Schauspiel schon so oft mit manch klassischem Stoff zu begeistern wusste, erzählte in einem kleinen Interview, dass er sich nun aktuell und in Zukunft mehr der Regie zuwenden wird. Bereits vor fünf Jahren hat er den »Richard« erstmals inszeniert, und nun mit neuen Schauspielerinnen für Traunstein und andere Spielstätten erneut aufgenommen. Ja, Schauspielerinnen! Den machthungrigen und mordlüsternen Richard III. spielte Marsha Zimmermann mit scharfer Eloquenz, und Johanna Steinhauser versuchte in verschiedenen Rollen, mit einer turboartigen Wandlungsfähigkeit diesem grausamen Richard III. die Stirn zu bieten. Mit wenigen, aber oft skurrilen Requisiten, darunter eine Grapefruit mit aufgemaltem Gesicht, einem Schild mit dem Konterfei von Markus Söder und einer Ketchupflasche, die auf dem Schlachtfeld, in dem Richard III. sein Leben ließ, von ihm selbst ausgedrückt wurde, sorgte die einfallsreiche Regie Langs bei all dem Drama immer wieder auch einmal für einige Lacher.

Von manchem Zuschauer unbemerkt schleuste der Regisseur den Text des Liedes »Atemlos durch die Nacht« von Helene Fischer in den Shakespeare-Text ein, den Marsha Zimmermann deklamierte, als gehörte er dazu. Das machte sie so überzeugend, dass es kaum auffiel. Wunderbar! Ein Shakespeare für Anfänger und Fortgeschrittene. Man darf gespannt sein, womit Johannes Lang bei seinem nächsten Gastspiel das Traunsteiner Publikum im nächsten Jahr überraschen will. Barbara Heigl