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Selbst unterschrieben: Paketfahrer täuscht ordentliche Zustellung vor

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Bad Reichenhall/Laufen – Das Fahrzeug voller Pakete, der Stress groß. So entschloss sich der 45-jährige Paketzusteller aus dem Landkreis Rosenheim kurzerhand, selbst »den Servus« des Empfängers auf den elektronischen Handscanner zu schreiben, um so die ordnungsgemäße Zustellung vorzutäuschen.


Sein Pech: Das Paket im Wert von 143 Euro verschwand aus dem Reichenhaller Hausflur. »Fälschung beweiserheblicher Daten« nennt die Staatsanwaltschaft ein solches Vergehen. Am Laufener Amtsgericht kam der vielfach vorbestrafte Mann mit einer Bewährungsstrafe davon.

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Ein Nachbar im selben Haus habe dieses zweite Paket nicht annehmen wollen, berichtete der Angeklagte. »Ich hatte mein Auto voller Pakete«, schilderte er den Druck, »ich bin froh, wenn ich wieder eins los bin.« Das Verschwinden des Paketes wundere ihn, »denn es stand im verschlossenen Hausflur vor der richtigen Wohnungstüre.«

Im Bundeszentralregister ist der 45-Jährige bereits 16 Mal vertreten. Dort finden sich vielfach Betrug und Urkundenfälschung; Bewährungsstrafen waren widerrufen worden. Zuletzt war der Mann im Februar 2017 am Amtsgericht Rosenheim verurteilt worden, nachdem er einen Arbeitsantritt nicht rechtzeitig bei der Agentur für Arbeit gemeldet hatte und so 875 Euro zu Unrecht kassierte. Damit stand er bei der nun angeklagten Tat unter offener Bewährung. Auf die verwies Karin Hahn ebenso wie auf die lange Vorstrafenliste. Die beantragten sechs Monate mochte die Staatsanwältin daher nicht mehr zur Bewährung aussetzen. Anders der Verteidiger. Rechtsanwalt Jürgen Tegt-meyer betonte, dass zwischen der vorletzten und der Rosenheimer Tat bereits neun Jahre vergangen waren. »Jetzt soll ihm dieser Fehltritt mit der Unterschrift die Existenz zerstören?«, fragte der Anwalt, sein Mandant habe eine feste Arbeit, lebe mit einer Partnerin und deren Kind zusammen. »Eine Freiheitsstrafe, aber mit Bewährung«, beendete Tegtmeyer sein Plädoyer.

Christopher Lang räumte »Bedenken« ein in Anbetracht der Vorstrafenliste, der Hafterfahrung und des Bewährungsversagens. Aber auch der Strafrichter gewichtete die lange Phase »in geordneten Bahnen«, die »festen Hände« und die »Aufgabe mit einem Kind« des 45-Jährigen. Lang entschied auf eine Freiheitsstrafe von fünf Monaten und eine dreijährige Bewährungszeit für den Angeklagten.

Als »kleinen Denkzettel« muss der Verurteilte 500 Euro an die Staatskasse zahlen. »Es ist die letzte Warnung«, erklärte Lang, bei einem Bewährungswiderruf komme das alte hinzu und die neue Strafe ebenso.

Der Verteidiger zum Abschied: »Wir nehmen das Urteil mit großem Dank an.«

Hannes Höfer