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Doris und Albert Steinbacher feiern heute Goldene Hochzeit – Messe in Unterstein

Seit 50 Jahren eine Seilschaft in den Bergen und im Leben

Schönau am Königssee – Blindes Vertrauen ist unabdingbar für eine erfolgreiche Kletterseilschaft. Doris und Albert Steinbacher haben dieses gegenseitige Vertrauen nicht nur, wenn sie in den Bergen unterwegs sind. Schließlich sind die beiden seit genau 50 Jahren auch im täglichen Leben eine Seilschaft. Im kleinen Rahmen, aber immerhin mit Kutschfahrt und feierlicher Messe in Unterstein, feiern die beiden heute Freitag ihre Goldene Hochzeit.

Wenige Tage vor ihrer Goldenen Hochzeit bestiegen Doris und Albert Steinbacher diese Woche noch den Litzlkogel oberhalb des Hirschbichls. (Fotos: privat)

»Der Alpenverein ist schuld«, sagt Albert Steinbacher schmunzelnd auf die Frage, wie sich der gebürtige Freilassinger und die junge Frau aus Königssee kennengelernt haben. Man schrieb das Jahr 1961, als die Berchtesgadener Jungmannschaftsleiter Hansl Richter und Hermann Ponn zu einem Faschingsball an die Schießstätte eingeladen hatten. Albert Steinbacher erinnert sich nicht nur an die erste Begegnung mit seiner Doris, die damals noch Stocker hieß, sondern auch an die folgende ungemütliche Nacht. Die verbrachte er nämlich – weil er nicht mehr nach Freilassing kam – zum Großteil in einer Telefonzelle.

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Wenig später, am 12. März 1961, stand man dann erstmals gemeinsam auf einem Gipfel, nämlich dem Kahlersberg. Weil Absprachen zu damaliger Zeit zumeist noch umständlich über Postkarten liefen, traf man sich aber erst auf dem Gipfel. »Ich musste schon genau schauen, wer da kommt. Immerhin hatte ich Doris davor ja nur einmal gesehen«, erinnert sich der gelernte Signalwerksmeister, der hauptberuflich bei der Bahn in Freilassing arbeitete.

Nächtliche Begehung der Ostwand mit Hindernissen

Schnell hatten die beiden dann eine Seilschaft fürs Bergsteigen und fürs Leben gegründet. Ziele waren die Große Reibe, das Breithorn, die Signalkopf-Nordwand, der Blaueis-Nordgrat, die Direkte Westwand am Kleinen Watzmann, der Piz Palü, die Schleierkante in der Pala, der Ortler, Mont Blanc und und und. Klettereien bis zum 5. Schwierigkeitsgrat meisterten die beiden gemeinsam. Freilich waren auch die verschiedenen Routen durch die Watzmann-Ostand dabei: Salzburger Weg, Berchtesgadener Weg und Kederbacher Weg. Besonders im Gedächtnis geblieben ist den beiden eine Nachtbegehung der Ostwand mit mehreren Freunden. Eigentlich war in dieser Nacht Vollmond. Doch alle hatten übersehen, dass ausgerechnet für diese Nacht eine totale Mondfinsternis angesagt war. »So mussten wir im Schuttkar warten, bis es hell wurde«, sagt Doris Steinbacher und muss heute noch lachen.

Gut in Erinnerung haben die beiden auch ihre Hochzeitsreise in die Dauphiné. Nachdem sie am 25. September 1965 vom damaligen Kaplan Karl Schwarz in Unterstein getraut worden waren, machten sie sich mit Alberts 19 PS »starkem« Lloyd-Pkw auf den Weg in die französischen Westalpen. Auf die Begehung des anspruchsvollen Promentiore-Grats (Schwierigkeitsgrad IV) an der Meije sind beide heute noch stolz.

Seit der Hochzeit ist auch Albert Steinbacher ein Königsseer, er zog zu Doris ins Haus »Fichtenwald« am Rehwinkl, wo sie ihre eigene Familie mit drei Kindern gründeten. Viel später kamen auch noch drei Enkelkinder (das vierte ist unterwegs) – und alle sind sportlich. Enkelin Katharina Baumgartner aus Anger brachte es als Ringerin zum Europameister-Titel

Seit 1970 Bergführer

Neben der Familie bestimmten freilich Berge in den vergangenen Jahrzehnten das Leben von Doris und Albert Steinbacher, Albert machte sogar einen Beruf aus seinem Hobby. Er legte 1970 die Prüfung zum staatlichen Bergführer ab. Von Anfang an leitete er für den DAV Summit Club Reisen zu den Bergen der Welt. 17-mal war Albert im Himalaya, 15-mal in Südamerika, er bestieg jeweils mit einer Gruppe zwei Dutzend Sechstausender und drei Siebentausender.

Ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten vor allem für den Alpenverein haben die beiden inzwischen abgebaut. Albert war lange Tourenleiter bei der Sektion Berchtesgaden, später Ausbildungsreferent. Seine Frau Doris war Tourenreferentin und hat die Genusstourengruppe mit ins Leben gerufen. Das jahrzehntelange Bergsteigen hat das Ehepaar Steinbacher bis heute fit gehalten. So sind Doris und Albert auch heute noch regelmäßig gemeinsam unterwegs: mit Vorliebe auf Klettersteigen im gesamten Alpenraum, aber auch auf Skitour, mit dem Rennrad oder mit dem Mountainbike. Und Albert zieht wie vor 50 Jahren nie ohne seine Kamera los. Von seinen Touren rund um den Globus brachte er die schönsten Bilder mit und zeigt sie auf Wunsch in Vorträgen auch der Öffentlichkeit. Auf der BERGinale gehört er zu den Stamm-Referenten.

Morgen in den Hohen Atlas

Am heutigen Freitag geht es ausnahmsweise mal nicht auf den Berg, sondern in die Kirche und ins Wirtshaus. Mit der Kutsche werden die Gold-Hochzeiter zur Pfarrkirche Unterstein gefahren. Für einen kleinen Kreis aus Verwandten und Freunden wird dort Pater Kajetan eine Messe feiern. Anschließend begibt man sich zum Feiern ins Gasthaus »Vorderbrand«. Da werden sicher die Berge schon wieder Gesprächsstoff bieten. Denn bereits morgen Samstag wird sich Albert wieder auf den Weg machen. Für den DAV Summit Club führte er eine Gruppe ins marokkanische Atlasgebirge. Geplant ist die Besteigung des Viertausenders Toubkal. Ulli Kastner