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Spannendes Motto prägt die Spielzeit 2018/19 des Salzburger Landestheaters

»Sehnsucht nach dem Amoralischen«

Intendant Carl Philip von Maldeghem (von links), Chefdramaturgin Friederike Bernau, Operndirektorin Katrin König, Junges-Land-Leiterin Angela Beyerlein und Bernhard Utz, der neue kaufmännische Direktor, präsentierten das Programm für die kommende Spielzeit des Landestheaters Salzburg. (Foto: Aumiller)

»Angriffe auf einen gemeinsamen Wertekonsens und bewusste Grenzüberschreitungen sind im Umlauf, der Verzicht auf das Gemeinsame und Verbindende erzeugt die Faszination des Amoralischen«, erklärt Landestheater-Intendant Carl Philip von Maldeghem. Deshalb hat sich das Salzburger Landestheater für die Spielzeit 2018/19 ein passendes Motto gegeben: die »Sehnsucht nach dem Amoralischen«.


Im Spannungsfeld von Macht und Ohnmacht des Amoralischen wolle man dem altmodischen Begriff Moral eine neue Bedeutung geben, ergänzt Carl Philip von Maldeghem. Für ihn ist es die zehnte Saison seiner Intendanz. Als Spielzeitmotto habe man sich vom Begriff der Faszination auf Sehnsucht umentschieden, weil es einen aktiveren Vorgang darstelle – etwas, »das auch in mir schlummert«.

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Eröffnet wird die Spielzeit mit dem Protagonisten des Amoralischen, einer Person der Maßlosigkeit: »Caligula« von Albert Camus mit Ben Becker als Titelheld. Shakespeares Hamlet bezeichnete der Intendant als den großen Zögerer und Zauderer, der dem Amoralischen nichts entgegensetzen kann. Alexandra Liedke wurde für die Regie gewonnen.

Weitere themenbezogene Schauspielstücke sind Ödön von Horváths »Geschichten aus dem Wiener Wald«, mit denen sich von Maldeghem auseinandersetzt, sowie die »Brüder Karamasov« von Fjodor Dostojewskij, die Amelie Niermeyer betreut. Menschliche Licht- und Schattenthemen finden sich auch in Hermann Hesses »Der Steppenwolf« und Elfriede Jelineks »Das Licht im Kasten«, beide von Johannes Ender inszeniert.

Uraufführungen sind »Die schönsten Neurosen unserer Haustiere« von John von Düffel, Ronny Brodetzkys »Aquarium« und beim Autorenfestival »Amoralische Kleinakter« in Kooperation mit dem Thomas-Bernhard-Institut der Universität Mozarteum. Unter den Wiederaufnahmen befinden sich Goethes »Faust I« und »Die Leiden des jungen Werther« sowie Max Frischs »Homo Faber«.

Operndirektorin Katrin König sieht Jules Massenets »Manon« als den Inbegriff des Spielzeitmottos. Für die Realisierung wurde mit Regisseurin Christiane Lutz sowie Julia Müer und Dorothee Joisten für Bühne und Kostüme ein junges Frauenteam gefunden, das sich dem Thema mit Feingefühl nähern kann. Marco Dott inszeniert die Johann-Strauß-Operette »Wiener Blut«, eine perfekt in den Spielplan passende Moral-Geschichte.

In der österreichischen Erstaufführung von »La Gazetta« erfährt Moral und Amoral auf dem Heiratsmarkt in Gioachino Rossinis Vertonung musikalischen Witz in der szenischen Umsetzung von Alexandra Liedke und unter der musikalischen Leitung von Riccardo Minasi. Als Uraufführung bringt Andreas Gergen John Debneys »Meine Stille Nacht« auf die Bühne der Felsenreitschule. Intendant von Maldeghem nimmt sich der österreichischen Erstaufführung von Philip Glass’ »Der Prozess« an. Die zweimalige Aufführung des gesamten Mozart-Da-Ponte-Zyklus mit »Cosi fan tutte, »Le nozze di Figaro« und »Don Giovanni« an drei aufeinanderfolgenden Tagen an zwei Wochenenden dürfte den Höhepunkten der Spielzeit zuzurechnen sein.

Beim Ballett gibt es die Uraufführung von »Othello« in Konzeption und Choreografie von Reginaldo Oliveira, der damit seine Liebe zu Handlungsballetten dokumentiert. In Zusammenarbeit mit dem Mozarteum und Ronaldo Villazón kreiert Oliveira mit »Mozart Moves« eigens Stücke für die Mozartwoche unter der musikalischen Leitung von Riccardo Minasi, die ebenso wie die Internationale Ballettgala im Landestheater stattfinden.

Peter Breuer zeichnet mit der Uraufführung von »Moonwalk« im Probenzentrum Aigen ein getanztes Porträt von Michael Jackson. Das »Junge Land« sammelt Punkte mit Ellis Kauts »Meister Eder und sein Pumuckl« sowie mit drei Uraufführungen und der österreichischen Erstaufführung »Paulas Reisen« von Paul Maar. Weitere Informationen und Karten gibt es im Internet unter www.salzburger-landestheater.at. Elisabeth Aumiller