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Seeon-Seebruck steigt aus Stechmückenbekämpfung aus

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Seeon-Seebruck steigt aus Stechmückenbekämpfung aus
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Künftig will die Gemeinde Seeon-Seebruck am Chiemsee kein BTI mehr ausbringen. Touristiker fürchten eine Beeinträchtigung des Tourismus.

Seeon-Seebruck – Die Gemeinde Seeon-Seebruck steigt aus der Kooperation zur Stechmückenbekämpfung aus. Die Entscheidung ist in einer Gemeinderatssitzung am Montag gefallen. Neun Räte sprachen sich nach einer kontroversen Diskussion dafür aus, dass im Gemeindegebiet künftig kein Bakterium mehr gespritzt werden soll, das die Larven der Mücken abtötet. Sechs Gemeinderäte stimmten dafür, sich weiter an den Maßnahmen des Abwasser- und Umweltverbandes (AUV) zur Mückenbekämpfung zu beteiligen.


Die Entscheidung fußt auf einen Antrag der Gemeinderäte Rudolf Mayer und Josef Freiwang. Die beiden FW-Gemeinderäte hatten beantragt, aus der Kooperation auszusteigen. Als Begründung führten sie an, dass auch Steckmücken zur Tierwelt gehören und Nahrungsgrundlage für Vögel, Fische oder Fledermäuse seien. »Die Steckmücke gehört trotz weniger positiver Begleiterscheinungen zur Natur und zum Chiemgau«, sagte Mayer. Josef Freiwang erinnerte daran, dass mittlerweile in der Bevölkerung ein Umdenken in der Insektenbekämpfung stattgefunden habe und appellierte daran, den Antrag zu unterstützen.

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Christine Eglseer (CSU) erklärte dazu, dass ein Ausstieg aus der Kooperation für die Gemeinde ein erster Schritt wäre, dem Insektensterben entgegenzutreten. Außerdem, so Eglseer, sei es nicht erwiesen, ob es nur diese eine Larve betreffe. Sepp Daxenberger (CSU) erinnerte an die strengen Auflagen, die eine Ausbringung des sogenannten BIT erst möglich machen. Man müsse aber auch bedenken, dass die Mückenstiche auch für Kinder und Kleinkinder nicht ungefährlich seien. »Wir sollten die Kooperation nicht aufgeben und uns weiterhin mit den anderen Gemeinden rund um den Chiemsee solidarisch erklären«, sagte Daxenberger. Sein Fraktionskollege Michael Regnauer sowie Andreas Dorn und Hans Huber (FW) waren auch dafür, an einer Bekämpfung festzuhalten. In der Diskussion wurde auch deutlich, dass sich ein Ausstieg aus der Kooperation auch nachteilig auf den Tourismus auswirken könnte. »Die Stechmücken sind für den Tourismus schon elementar«, räumte Bürgermeister Bernd Ruth ein. Auf Nachfrage der 2. Bürgermeisterin Martha Gruber (FW) teilte er mit, dass in den vergangenen drei Jahren wegen einer nicht übermäßigen Population, nicht gespritzt worden sei. Für einen BTI-Einsatz müsse der Pegel der Alzmündung auf etwa 1,20 Meter ansteigen und in Schöpfungsproben eine bestimmte Anzahl von Larven gezählt werden.

Als Gast in der Sitzung durfte sich Carolin Betz vom Lambachhof zu Wort melden. Die Gastronomin befürchtet, sollte das Bakterium, das in Eisgranulat verpackt und mit einem Spezialhubschrauber rund um den Chiemsee verteilt wird, nicht mehr zum Einsatz kommen, das enorme Auswirkungen auf den Tourismus und auf die Gäste haben könnte. »Ich weiß nicht, ob wir uns das leisten können?«, sagte sie. Die Situation durch die Mückenplage sei sehr unangenehm und die Gäste seien persönlich sauer.

Der Gemeinderat hat sich zuletzt im März 2013 bis auf Weiteres für eine Beteiligung an der Stechmückenbekämpfung durch den AUV ausgesprochen. Aufgrund des Antrags der Gemeinderäte Mayer und Freiwang hatte sich die Gemeinde beim AUV sowie bei den anderen neun Mitgliedsgemeinden über deren Erfahrungen und Vorgehensweisen erkundigt. Nach Angaben des AUV sei in Breitbrunn das Thema Stechmückenbekämpfung zwar diskutiert worden, ein Ergebnis liege dem Verband bislang aber nicht vor. In der Gemeinde Bernau sei vom Gemeinderat ein Antrag der »Grünen«-Fraktion abgelehnt worden, im Sinne des Artenschutzes aus der Kooperation auszutreten.

Für den Einsatz des Mittels, das die beteiligten Gemeinden am Chiemsee rund 160 000 Euro kostet, gibt es ein genaues Zeitfenster. Nur zweimal im Jahr darf das gemacht werden. erboten ist die Ausbringung von BTI übrigens im Bereich des Naturschutzgebietes, in dem die Tiroler Ache in den Chiemsee fließt.

Der geforderte Austritt der Gemeinde Seeon-Seebruck aus der Kooperation des AUV hat auch den Bayerischen Rundfunk auf den Plan gerufen. In der Sitzung war ein Fernsehteam anwesend, dem aber Aufnahmen im Sitzungssaal verboten wurden. Freiwang und Mayer stellten sich aber für ein Interviewe außerhalb des Sitzungssaales zur Verfügung. Gesendet wird der Beitrag am Donnerstag, 11. April, um 20.15 Uhr in der Sendung Quer. ga