Second-Hand-Markt im Pfarrheim: Sozial, günstig, nachhaltig

Bildtext einblenden
Im Keller des Pfarrheims Strub: Unterhalb der Kirche wird gebrauchte Kleidung angeboten. Martin Kienast, zweiter Vorsitzender der Kolpingsfamilie Berchtesgaden, leitet unter anderem die Geschicke für den Second-Hand-Markt. (Foto: Patrick Vietze)

Bischofswiesen – Die Kolpingsfamilie Berchtesgaden bietet im Keller des Pfarrheims Strub einen Second-Hand-Markt an. Martin Kienast, zweiter Vorsitzender des Vereins, organisiert das Geschäft mit einem 20-köpfigen Team. Mit dem Erlös soll Bedürftigen geholfen werden. Zudem steht laut Kienast der Nachhaltigkeitsgedanke im Vordergrund.


Der Second-Hand-Markt fasst rund 160 Quadratmeter. Mehrere Kleiderständer stehen im Raum. Daran hängen Hosen, T-Shirts und Trachten – alle gebraucht. Die Waren werden in verschiedenen Größen angeboten. Es gibt Abteilungen für Damen, Herren und Kinder. Des Weiteren liegen sämtliche Schuhe in den Regalen.

Alle Kleidungsstücke wurden der Kolpingsfamilie Berchtesgaden gespendet. Martin Kienast hatte im Herbst vergangenen Jahres einen Spendenaufruf gestartet. »Ich war überrascht, dass wir so viele Kleider erhalten haben«, sagt er. Bereits im Herbst 2020 wollte Kienast mit dem Pilotprojekt beginnen. »Leider folgte der Lockdown.« Die verlorene Zeit habe er dennoch sinnvoll nutzen können. Gemeinsam mit freiwilligen Helfern hat er die zusätzlich gelieferten Waren sortiert und Preise ausgezeichnet.

Dafür haben sie extra eine Sortierstation im Pfarrheim aufgebaut, »weil diese Arbeit sehr aufwendig und zeitintensiv ist und uns vor logistische Herausforderungen stellt«. Wenig Zeit habe es dagegen gekostet, den richtigen Verkaufsstandort zu finden. Kienast weiß, dass der Keller im Pfarrheim Strub wenig genutzt wird. Gestellt wurde der Raum vom Pfarrgemeinderat und der Kirchenstiftung. Im Keller könne man sich ideal ausbreiten und gebrauchte Waren verkaufen, »und das auch für einen guten Zweck«.

Kienast verfolgt drei Ziele mit dem Second-Hand-Markt. Erstens soll das Umweltbewusstsein gefördert werden. Der zweite Vorsitzende recherchierte, wohin die Altkleider nach einer Sammlung gebracht werden. Manche Waren würden nach Südosteuropa, andere wiederum nach Afrika verfrachtet. »Das ist alles andere als klimafreundlich«, stellt er fest. Deshalb sei es wichtig, die gebrauchten Kleidungen noch vor Ort zu verkaufen. Kienast fand in einer Studie heraus, dass man das bis zu 14-Fache an CO2-Ausstoß sparen kann, wenn man die Kleidungen vor Ort bewahrt.

Zweitens will Kienast Bedürftigen helfen. So sollten auch ärmere Menschen günstig Klamotten erwerben können. Besucher der Berchtesgadener Tafel bekämen Vergünstigungen in Form von Gutscheinen, die die Berchtesgadener Tafel selbst ausstellt. Drittens will die Kolpingsfamilie mit den Einnahmen aus dem Second-Hand-Markt regionale und internationale Projekte fördern. Finanziert werden soll unter anderem die Sommerfreizeit der Bischofswieser Ministranten.

Kienast hat bereits viele positive Rückmeldungen erhalten: »Schnitzschüler und Flohmarktbesucher sind von unserem Angebot begeistert. Auch die Kinder kaufen dort gerne ein.« Nach derzeitigem Stand dürfen 16 Personen gleichzeitig in den Second-Hand-Markt. Zuvor waren nur vier Besucher erlaubt. Aktuell muss man für den Besuch keinen negativen Test auf das Coronavirus nachweisen. Die Regeln könnten sich aber schlagartig wieder ändern. »Deshalb ist es auch schwer zu sagen, wie oft wir den Second-Hand-Markt anbieten werden. Wir probieren noch vieles aus.« Kienast versicherte aber, dass man die aktuellen Öffnungszeiten jederzeit auf der Internetseite der Kolpingsfamilie verfolgen kann. Wer gebrauchte Kleider spenden will, kann sie am Verkaufstag abgeben. Anmeldungen sind unter 0151/56832574, unter www.kolpingsfamilie-berchtesgaden.de oder vor Ort möglich.

Patrick Vietze