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Sechsstimmiger Gesang aus vier Kehlen

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Ein Genuss für alle Freunde der A-cappella-Musik: WIR4 in Traunwalchen. (Foto: Gabi Rasch)

Zu viert sechsstimmig singen – wie soll das funktionieren? Dass es funktioniert, bewies das Vokal-Quartett WIR4 bei einem hochkarätigen Konzert in der Aula der Carl-Orff-Schule Traunwalchen. Die Sopranistin Cora Krötz und Matthias Privler (Bass) beherrschen die faszinierende Obertongesangstechnik, mit der ein Sänger zweistimmig singen kann.


Der ahnungslose Hörer, der zum ersten Mal den Obertongesang hört, vermag nicht zu glauben, dass diese magische Stimmkunst ohne versteckte Hilfsmittel aus einer Kehle kommt. Obertongesang ist eine Gesangstechnik, die aus dem Klangspektrum der Stimme einzelne Obertöne so herausfiltert, dass sie als getrennte Töne wahrgenommen werden und der Höreindruck einer Mehrstimmigkeit entsteht. Es hört sich an, als würden die Sänger von Flötenstimmen begleitet.

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Die Zuhörer waren nicht nur von dieser besonderen Fähigkeit fasziniert und begeistert. Das Quartett WIR4, das für Stimme pur, direkt und unverstärkt steht, überraschte allgemein mit einem nicht alltäglichen vorweihnachtlichen Hörgenuss. In der Aula war es mucksmäuschenstill, als sich die vier Sänger, die nicht nur stimmlich hervorragend harmonierten, zum ersten Stück auf der Empore postierten und für gut eine Stunde dann auf der Bühne eindrucksvoll in die »staade Zeit« eintauchten.

Das A-cappella-Quartett genoss es sichtlich, seine zum Teil selbst geschriebenen und arrangierten Stücke in einer unverwechselbaren Klangfarbe zum Besten zu geben. Als Klanggrundlage diente zuweilen das Hang, ein sehr rares Instrument mit Gong-ähnlichen Eigenschaften. Das außergewöhnliche Programm erstreckte sich zwischen europäischer Volksmusik und Weltmusik, afrikanischen Motiven und mongolischen Obertonklängen bis hin zu gregorianischen, lyrischen und meditativen Stücken.

In einem Liederzyklus steiften die Sänger die Jahreszeiten, betrachteten dabei die »Bäume am Weg« oder wanderten »Der Sonne zu«. Beeindruckt haben auch Arrangements mit bekannten Liedern aus den Charts der Pop- und Rock-Ikonen Robbie Williams und Rammstein. Mit vier Liedern, darunter das bekannteste Weihnachtslied der Welt, »Stille Nacht« mit Obertongesang, ließ das Ensemble die Weihnachtsgeschichte Revue passieren. Das Hören und Lauschen der Lieder sollte den Besuchern gut tun und schweigend genossen werden. Deshalb wurde der Zwischenapplaus mit einem summenden Mmm… gespendet. Und weil am Ende alle Zuhörer nun endlich klatschen durften, fiel der Applaus zu recht besonders lang und intensiv aus. Das vor rund einem Jahr gegründete Ensemble kann auf erfahrene Musiker zurückgreifen, die alle aus Bayern stammen und vieles verbindet. Alle vier haben Musik studiert, sind Musiker und Musikpädagogen, leiten Chöre und singen seit vielen Jahren in A-cappella-Formationen. Cora Krötz (Sopran) kommt aus Schrobenhausen, Regina Fibich-Wiesneth (Alt) aus Freudenberg bei Amberg, Matthias Privler (Bass) aus München und Reinhold Wirsching (Tenor) aus Hart bei Chieming.

Der Musikprofessor, der auch an der Carl-Orff-Schule unterrichtet und dort »Supervisor, Ideengeber und Motor zugleich ist«, wie er von der Schulleiterin Christiane Makulik einst zitiert wurde, gilt auch als Orff-Pädagoge von Weltruf. Dass der Gesang seine große Leidenschaft ist und die Fusion aus A-cappella-Gesang und Obertongesang gelungen ist, konnte er jetzt mit seinem Ensemble, das zum ersten Mal in der Region zu hören war, eindrucksvoll unter Beweis stellen. ga