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Sechs Tore: Der Wahnsinn auf dem Betzenberg

Kaiserslautern (dpa) - Was für ein Wechselbad der Gefühle! «Ich bin hin- und hergerissen», sagte Union-Trainer Uwe Neuhaus nach dem spektakulären 3:3 (0:0) zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und seinen Berlinern.

Prächtige Stimmung
Nach dem 3:3 zwischen dem 1. FC Kaiserslautern und Union Berlin kochte der Betzenberg. Foto: Uwe Anspach Foto: dpa

Beide Trainer, alle Spieler und 31 680 Zuschauer erlebten gleich am ersten Spieltag einen Fußball-Krimi, der im weiteren Verlauf der Zweitliga-Saison nur noch schwer zu überbieten sein wird. Union führte auf dem Betzenberg zunächst mit 2:0, kassierte dann vier Minuten vor Schluss das 2:3 und schoss in der Nachspielzeit noch den Ausgleich. «Wir können mit dem Punkt sicher eher leben als der 1. FC Kaiserslautern», meinte Neuhaus.

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Denn beim großen Favoriten FCK hatte man sich diesen Saisonauftakt trotz des leidenschaftlichen Aufbäumens der Mannschaft und trotz des furiosen Verlaufs dieser Partie eigentlich anders vorgestellt. «In der zweiten Halbzeit haben wir Fußball gespielt, wie ich ihn mir vorstelle», sagte der neue Trainer Franco Foda. «Aber wenn man nach einem 0:2-Rückstand so zurückkommt und dann auch noch 3:2 in Führung geht, ist man nach einem 3:3-Unentschieden etwas enttäuscht.»

Immerhin wissen die Lauterer spätestens seit diesem turbulenten Abend im Fritz-Walter-Stadion, dass die angestrebte Rückkehr in die erste Liga kein Selbstläufer wird. Hertha BSC patzte gegen Paderborn (2:2), der 1. FC Köln verlor in Braunschweig (0:1) und nun gab auch noch der FCK den Sieg gegen Union aus der Hand: Keiner der drei Bundesliga-Absteiger hat sein erstes Spiel in der neuen Zweitliga- Saison gewinnen können. «Statt nur in einer Halbzeit müssen wir künftig 90 Minuten lang so spielen», forderte Foda. Der nächste Gegner ist am Freitag Aufsteiger VfR Aalen, der im Moment anstelle der drei großen Aufstiegsfavoriten an der Tabellenspitze steht.

Trotzdem versuchten die Lauterer, auch das Positive an diesem Abend zu sehen. Doppeltorschütze «Mo» Idrissou (58./72.), der nach den ersten beiden Berliner Treffern durch Michael Parensen (47.) und Patrick Zoundi (54.) zunächst für den Ausgleich des FCK gesorgt hatte, wurde von den Fans begeistert gefeiert.

Das gleiche galt für den 22-jährigen Wirbelwind Hendrick Zuck, der in seinem ersten Profispiel in der 86. Minute das 3:2 erzielte. «So ein Tor vor solch einer Kulisse und vor der berühmten Westtribüne - das ist ein tolles Gefühl», meinte der Mittelfeldspieler. «Der Trainer hat mir das Vertrauen geschenkt und ich wollte das zurückgeben.» Zuck war vor zwei Jahren von Borussia Neunkirchen in die Pfalz gewechselt. Anschließend absolvierte er zwei Lehrjahre in der Regionalliga. «Er war ein positiver Lichtblick und hat bestätigt, was er mir schon in der Vorbereitung gezeigt hat», meinte Foda.

Auch die Berliner hatten ihre Helden: Marc Pfertzel, der kurz vor Schluss das 3:3 erzielte (90.+1). Und Tijani Belaid, der völlig überraschend den Vorzug vor Dauerbrenner Torsten Mattuschka erhielt und dann auch noch zwei Treffer vorbereitete. «Es zählt nur die Leistung - mit Belaid war ich heute zufrieden», sagte Neuhaus. Das galt allerdings nicht nur für den Tunesier. «Ich bin begeistert von der Tabelle - so kann's bleiben», meinte der Berliner Coach.