weather-image
22°

Schrumpfende Bettenzahl bereitet Touristikern Sorgen

Ruhpolding. Keine befriedigenden Übernachtungszahlen hat der Verkehrs- und Kulturverein Ruhpolding bei seiner gut besuchten Jahreshauptversammlung im Hotel zur Post vorlegen können. In einem 14-seitigen Tourismusbericht für das Jahr 2012/2013 ist die statistische Entwicklung im Fremdenverkehr genau aufgezeigt.

Tourismusdirektor Markus Stuckmann ehrte den Leiter des Ruhpoldinger Heimatmuseums, Christoph Wörnle. (Foto: Giesen)

Zusammengefasst erlitt der Aufwärtstrend der vergangenen drei Jahre im abgelaufenen Tourismusjahr einen Dämpfer, was vor allem am starken Rückgang der Übernachtungszahlen in der Wintersaison lag. Mit knapp über 625 000 Übernachtungen und über 105 800 Gästen gingen die Übernachtungen im Vergleich zum Vorjahr um 7,4 Prozent zurück, die Gästezahl aber blieb annähernd auf Vorjahresniveau (minus 1,7 Prozent). Die durchschnittliche Aufenthaltsdauer sank von 6,2 Tagen 2012 auf 5,9 Tage 2013.

Anzeige

Übernachtungsrückgang im März von 55 Prozent

Im März musste Ruhpolding einen Übernachtungsrückgang von 55 Prozent gegenüber dem Jahr der Weltmeisterschaft verkraften, und obwohl die Zahlen im Januar stark gestiegen waren, ließ sich der Rückgang während der gesamten Wintersaison nicht mehr ausgleichen. Die Sommersaison war gegenüber dem Vorjahr relativ stabil, lediglich der Juni brachte wegen der Hochwasserkatastrophe ein Minus von 15 Prozent bei den Übernachtungen und trübte dadurch die Sommerbilanz etwas.

Das vergangene Jahr stand generell im Zeichen von Veränderungen, da Markus Stuckmann das Amt des Tourismusdirektors von Martin Haßlberger übernahm und als vordringlichste Aufgabe eine Strategie zu entwickeln versuchte, wie sich Ruhpolding künftig touristisch positionieren und vermarkten soll, um den größtmöglichen Erfolg zu erreichen.

In seinem Bericht ging der langjährige Vorsitzende des Vereins, Helmut Müller, auf den besorgniserregenden Schwund der Privatvermieter, aber auch der gewerblichen Betriebe ein. Die abnehmende Zahl der traditionellen Gasthöfe und -häuser nehme »einen erschreckenden Verlauf«, sagte Müller. Gegenüber 5300 Gästebetten im Vorjahr gebe es aktuell nur noch 4905.

Grund sei nicht nur der Generationenwechsel, sondern es gebe auch ein Einkommens- und Existenzproblem, bedauerte der Vorsitzende. Wenn man von Reit im Winkl kommend nach Ruhpolding fahre, sei man betroffen vom Gasthöfe-Sterben. Auch mitten im Dorf könne man einen Leerstand beobachten, mehrere größere Objekte stünden zum Verkauf.

Aber auch auf viele positive Entwicklungen im Ort wies Helmut Müller hin, so den Skibetrieb auf dem Unternberg, der dank des Engagements von ehrenamtlichen »Antreibern und Verwirklichern« aufrechterhalten werden kann, das zunehmend gut angenommene Fest der Berge, das Nachtspektakel, den Biathlon-Weltcup, die Chiemgau-Arena, das Jubiläumsfest der Rauschberger oder das alljährliche Fest der Rettungsorganisationen, das Dorffest der Miesenbacher oder die Feste der Wetzstoana. Das Holzknechtmuseum sei ein Ort der besonderen Art und Qualität. Lobend erwähnte er auch die Aufführungen der Heimatbühne und der Nachwuchsdarsteller, denen das »RUKI« eine hervorragende Plattform biete.

Tourismusdirektor Markus Stuckmann stellte nochmal kurz den Leitfaden vor, durch den der Tourismus in Ruhpolding zum Positiven verändert werden soll – Veränderung des Marketings, Marktbearbeitung und Qualität. Das Ziel mit einem Zeitfenster von zehn Jahren sei es, Ruhpolding zum beliebtesten Urlaubsziel im oberbayrischen Raum werden zu lassen, so Stuckmann. Neue erfolgreiche Märkte seien Großbritannien und die Niederlande, außerdem Tschechien.

Auch ihm bereitete die größte Sorge die schrumpfende Zahl der Betten. Mehrere große Reiseveranstalter würden Ruhpolding gerne in ihr Programm aufnehmen, sagte der Tourismusdirektor, aber der Ort könne sie mangels Bettenangebot nicht bedienen. Hier sei es seine »Herkulesaufgabe«, Partner zu finden. Heute seien die Gäste durch das Internet weit besser informiert als in den fünfziger und sechziger Jahren. »Deswegen muss die Qualität einfach stimmen«, so Stuckmann.

Enttäuscht zeigte er sich von der gegen ein geringes Entgelt angebotenen Betriebsberatung für Vermieter im vergangenen Jahr, bei der nur vier von 300 das Angebot angenommen hätten. »Die Gastgeber sind die Basis, sie sind die Leistungsträger«, betonte er. Mut, Unternehmertum und Risikobereitschaft seien notwendig – »Herzblut«. Ruhpolding stehe an einer Weggabelung: »Entweder wir legen die Lethargie ab oder wir geben Gas«, so der Tourismuschef. Kein anderer Wirtschaftszweig gehe so fahrlässig mit seinem Potenzial um, »wie wir es manchmal machen«.

Über 80 langjährige Mitglieder geehrt

Stellvertretend für viele andere im Tourismus engagierte Bürger ehrte Stuckmann den Leiter des Heimatmuseums, Christoph Wörnle. Der Tourismusdirektor erhielt viel Applaus für seinen »mit Herzblut« gehaltenen Vortrag, wie Helmut Müller feststellte.

Der Verkehrs- und Kulturverein Ruhpolding ist 1873 als »Verschönerungsverein« gegründet worden, wurde also im vergangenen Jahr 140 Jahre alt. Zum Anlass dieses Jubiläums ehrte der derzeit 289 Mitglieder zählende Verein über 80 langjährige Mitglieder, darunter auch Heinrich Gastager, der 38 Jahre lang Gäste mit seiner Pferdekutsche transportiert hatte (wir berichteten).

Über weitere Punkte aus der Versammlung wie das Josefshaus, das der Verkehrs- und Kulturverein im vergangenen Jahr übernahm, sowie die Diskussion berichten wir noch. gi