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Schreiben ohne jede Blockade

Im Rahmen des Münchner Krimi-Festivals las der amerikanische Schriftsteller Don Winslow im Amerikahaus aus seinem neuesten Bestseller »Kings of Cool« und beantwortete die pfiffigen, charmanten und intelligenten Interview-Fragen von Anette Lippert. Der in kürzester Zeit zum Kult-Autor avancierte, sympathische Schriftsteller gab sich unverkrampft und authentisch, sehr zur Freude seiner zahlreich erschienenen Fans.

Don Winslow (M.) mit Moderatorin Anette Lippert und Dietmar Wunder. (Foto: Barbara Heigl)

Neben ihm auf der Bühne seine deutsche »Stimme«, der Schauspieler Dietmar Wunder, der Don Winslows Hörbücher eingelesen hat und der sich, welch nette Überraschung für das Publikum, als die deutsche Synchron-Stimme von Daniel Craig, dem aktuellen James Bond, outete. Nicht nur das Auditorium lauschte hingerissen seinem lebhaften Vortragsstil, auch Winslow selbst war begeistert. »Er liest, als hätte er es selbst geschrieben«, lobte er. Davor hatte der Autor in geschliffenem Englisch selbst ein Kapitel vorgelesen, auch das ein Ohrenschmaus, denn der Sprachwitz, das Tempo und der Rhythmus seiner Texte sind geradezu Musik in den Ohren – rocken Don Winslows Bücher die Leser doch schon bei der stillen Lektüre!

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Der Autor, der für seine Bücher sehr akribisch und zeitaufwendig recherchiert, ist in Amerika nicht ganz so beliebt wie in Deutschland, zeigt er den Amerikanern doch ein ungeschöntes Bild ihres Landes. Denn wenn die drei hippen, sexy Drogendealer, die »Kings of Cool«, vom richtig großen mexikanischen Drogenkartell in einer Art feindlicher Übernahme gekapert werden, unter anderem weil ihr Marihuana den größten THC-Anteil aller Zeiten hat, spielen, wie in vielen seiner Geschichten, auch wichtige Staatsorgane eine nicht unwesentliche kriminelle Rolle. Eine Extraportion Spannung kommt dadurch hinzu, dass der Autor das Bedürfnis hat, seine Figuren nicht nur eindimensional durch den Plot laufen zu lassen, sondern ihnen, wenn es sein muss, auch noch nachträglich eine spannende Vergangenheit anzudichten. Denn sein jüngstes Werk ist praktisch die Vorgeschichte zu »Tage des Zorns«, von Oliver Stone unter dem Titel »Savages« gerade äußerst sehenswert verfilmt. Die Filmmusik dazu wird jetzt schon als womöglich beste des Jahres gehandelt.

Auch die Fans von Winslows »Daniel Boone«-Surferkrimis dürfen übrigens auf eine Fortsetzung hoffen, denn so etwas wie Schreibblockaden, so der Autor, kenne er nicht. »Meistens habe ich vier bis fünf Bücher im Kopf«, schmunzelt er. Sein Tagesablauf sieht denn auch danach aus. Bereits um fünf Uhr morgens beginnt er mit dem Schreiben, das der in Kalifornien lebende sportlich wirkende 60-Jährige nur für ein wenig Bodysurfen und Joggen unterbricht. Barbara Heigl