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Gemälde sollen den frisch renovierten Kirchenraum schmücken – Waginger Mittelschüler machen den Anfang

Schlosskapelle Gessenberg als Kunstkirche

Waging am See – Eine Kunstkirche soll die neu renovierte Schlosskapelle in Gessenberg werden, wenn es nach Pfarrer Andreas Ager geht. Er hat für die Einweihung und auch gleich für die Zeit danach dazu aufgerufen, künstlerische Gestaltungen zu kreieren, die die weiß getünchten Wände im Inneren der altehrwürdigen Kapelle schmücken sollen. Den Auftakt machen Schüler der Waginger Mittelschule.

Schüler der 9 M an der Mittelschule Waging präsentieren hier zusammen mit ihrem Lehrer Elmar Schwarz die sechs großformatigen Gemälde, die zur Eröffnung in der Schlosskapelle Gessenberg aufgehängt werden. (Foto: H. Eder)

Die Klasse 9 M von Lehrer Elmar Schwarz hat sich von Pfarrer Ager motivieren lassen und zu dem Themenkreis »Toleranz – Nächstenliebe – Liebe« sechs großformatige Bilder in kräftigen Farben gestaltet. Da findet sich zum Beispiel ein Herz in strahlenden Farben, das aus den Flaggen vieler Länder zusammenkomponiert ist und in dessen Inneren sich eine schwarze und eine weiße Hand umfassen. Viel Mühe gegeben hat sich eine Gruppe, die um die Erdkugel herum die Vielfalt der Menschen zum Ausdruck bringen wollte: verschiedene Rassen und Religionen, auch eine Person im Rollstuhl – das Ganze umrahmt von Sternen und dem Planet Saturn.

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Ein anderes Bild zeigt ein weißes und ein schwarzes Gesicht, die sich aneinander schmiegen. Dieselbe Thematik findet sich auch auf dem Hof eines Flüchtlingslagers, auf dem sich Menschen verschiedener Rassen begegnen und sich friedlich miteinander unterhalten. In einem heruntergekommenen Stadtteil, so das Motiv eines weiteren Gemäldes, parkt der luxuriöse Straßenkreuzer eines reichen Mannes, der einem armen Menschen, der bettelnd am Straßenrand sitzt, Geld übergibt. Andere Schüler haben die Szene gemalt, wie ein junger Mensch einen hilfsbedürftigen Mitmenschen im Rollstuhl schiebt.

Katrin Götzinger und Christine Prechtl, die zusammen mit Pia Leitenbacher eines der Bilder mit Menschen unterschiedlicher Hautfarbe gemalt haben, wollten damit ihre Botschaft ausdrücken, dass die Menschen zusammengehören, dass sie ohne Rücksicht auf die Hautfarbe in Frieden miteinander leben sollten. Jeder solle für jeden da sein. Johanna Huber hat zusammen mit Sabine Appelt und Tim Nagler das Bild komponiert, auf dem ein Reicher den Armen Geld spendet. Die drei haben sich davon inspirieren lassen, dass es gerade in den USA – die Szenerie zeigt ein typisch amerikanisches Stadtbild – viele Obdachlose gibt und dass es schön und wünschenswert wäre, wenn die Reichen etwas von ihrem Reichtum abgeben würden.

Lehrer Schwarz lobt die Begeisterung seiner Schüler. »Ich hab ihnen nicht drein geredet«, sagt er, jede Gruppe habe Super-Ideen entwickelt, wie sie die Themen Flüchtlinge, Hilfsbereitschaft und Toleranz bildnerisch darstellen können. Etliche Schulstunden lang haben die Schüler ihre Ideen dann mit kräftigen Dispersionsfarben in Bilder und Szenen umgesetzt – und die Gemälde werden sich an den schneeweißen Wänden der Gessenberger Kapelle sicherlich sehr dekorativ ausnehmen und den einen oder anderen Besucher wohl auch zum Nachdenken anregen.

In der Pfarrei Waging hat man sich für diese Kunstaktion auch gleich einen wohlklingenden Namen einfallen lassen: »Shrine of the world«. Dieser Ausdruck lehnt sich an die Vereinigung von sechs der bedeutendsten Marienwallfahrsorte Europas an, die sich »Shrines of Europe« nennt und bei der auch Altötting Mitglied ist. Und da die Kapelle in Gessenberg nicht nur eine schwarze Madonna besitzt, sondern auch von der Bauweise her der Gnadenkapelle von Altötting ähnelt, findet man in Waging den Namen »Shrine of the world« für die neue Kunstreihe ganz passend. Die dabei gezeigten Kunstwerke sollen, wie Pfarrer Andreas Ager erklärt, »die Gottessuche aller Religionen symbolhaft darstellen. he