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Aufstellflächen für Radfahrer vorgeschlagen – Schott: Verkehrskonzept im Stadtrat behandeln

Schlechte Fahrrad-Politik in Traunstein? Grüne fordern Verbesserungen

Traunstein – »In Traunstein wird Verkehrspolitik durch die Windschutzscheibe gemacht«, sagte Marcus Rohrmoser bei einer öffentlichen Diskussionsveranstaltung der Traunsteiner Grünen im Gasthaus Sailer-Keller. »Ich wohne an der Wasserburger Straße und sehe jeden Tag, wie Radfahrer und sogar E-Biker auf dem Gehsteig fahren, weil sie sich nicht auf die Straße fahren trauen.«

Radweg
Das runde Verkehrszeichen Nummer 236 markiert einen Radweg, der für Fahrradfahrer verbindlich zu nutzen ist. Foto: Uli Deck/dpa/dpa-tmn

Stadtrat Thomas Stadler fügte ein weiteres Beispiel hinzu: »Auf der Oberen Hammerstraße konnte man früher in Gegenrichtung radeln. Jetzt muss man 460 Meter Umweg machen, weil ein paar Schrägparkplätze eingerichtet wurden.«

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»Früher war ein Radweg da«, sagte Ina Holzner zur Situation am Bahnhof. Die Radler werden heute von Süden über die Crailsheim- und Herzog-Friedrich-Straße geführt mit mindestens einer gefährlichen Straßenüberquerung.

Helga Mandl ärgert sich: »Die Stadtverwaltung und ein Großteil des Stadtrats denken nur vom Auto her, wo doch bei ISEK (Anmerkung der Redaktion: Integriertes Städtisches Entwicklungskonzept) vor zwei Jahren ein Hauptwunsch der Bürger Verbesserungen für Radfahrer waren.« Die Straße sei für alle da, doch wenn etwas gebaut oder saniert werde, dann haben die Radfahrer und Fußgänger oft das Nachsehen, meinte Mandl weiter.

Achim Kraus ist der Ansicht, dass in Traunstein vielerorts noch die Prämissen der »autogerechten Stadt« von 1959 sichtbar sind. Ina Holzner ergänzte, dass es anderswo schon umgekehrt geht: »Ich war im Urlaub an der Ostsee, und da gibt es Fahrradstraßen, mit der Beschilderung 'für Kfz frei'.« Stadtrat Wilfried Schott ist ein Befürworter von Tempo 30 und er ist sich sicher: »Da wird der Verkehr menschenfreundlicher«. Marcus Rohrmoser wusste von einer Untersuchung des Leiters der Rechtsmedizin der Uni München, Wolfram Hell: »Ein Unfall ‚Auto gegen Fußgänger’ mit Tempo 30, das überleben die meisten, bei 50 km/h jedoch kaum einer.« Helga Mandl berichtete von einem Ausflug nach Baden-Württemberg: »In vielen Gemeinden ist sogar auf der Hauptdurchgangsstraße Tempo 30 vorgeschrieben – und die Autofahrer halten sich daran.«

Die vom Ortssprecher Wolfgang Wörner geleitete Diskussion ging dann zurück auf das Thema Radfahren. Achim Kraus schlägt an Verkehrsampeln sogenannte Aufstellflächen vor, das sind farblich markierte Bereiche für Radfahrer direkt an der Ampel. »Der Radler fährt an den stehenden Autos vorbei und kann dann geschützt und gut sichtbar als erster starten – in Rosenheim und in Ulm gibt es das beispielsweise schon.« Dagmar Haid ist froh, dass auf der Bahnhofstraße gegen die Fahrtrichtung geradelt werden darf, » aber es fehlt eine rote Markierung beim Parkhotel, damit die Autofahrer dies auch gleich erkennen«. Helga Mandl schlug eine Stellplatz-Satzung vor, in der bei allen öffentlichen Gebäuden und städtischen Wohnungen Fahrradabstellplätze zwingend einzurichten sind, wie es in anderen Gemeinden schon gemacht wird.

Fazit der Veranstaltung war es, dass es in Traunstein viel zu verbessern gibt. Stadtrat Wilfried Schott forderte erneut, dass das Verkehrskonzept, das die Stadt seit Februar 2017 hat, endlich im Stadtrat behandelt wird. fb