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Schläge und Gehirnwäsche - Sklavinnen von London mussten leiden

London (dpa) - Die aus Sklaverei befreiten Frauen in London haben nach Darstellung der Polizei während ihres jahrzehntelangen Leids unter großem psychischen Druck gestanden.

Scotland Yard
Da die Opfer traumatisiert sind, wird es wohl lange dauern, bis Details bekannt werden. Foto: Facundo Arrizabalaga Foto: dpa

Die drei seien geschlagen worden, vor allem aber einer Art «Gehirnwäsche» ausgesetzt gewesen, hieß es am Freitag von Scotland Yard. Am Donnerstag war ein Ehepaar - beide 67 Jahre alt - unter dem Verdacht festgenommen worden, die Frauen im Alter von 30, 57 und 69 Jahren, etwa drei Jahrzehnte gegen deren Willen im Stadtteil Lambeth in Sklaverei gehalten zu haben.

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Nach Angaben der Hilfsorganisation Freedom Charity sind die Opfer traumatisiert, aber in Sicherheit. Die britische Regierung kündigte am Freitag an, härter gegen Menschenhandel vorgehen zu wollen.

Die Leiden der Opfer passen nach Angaben von Scotland Yard nicht in das Schema bisher bekannter Fälle von Menschenhandel. «Gehirnwäsche» beschreibe das Geschehen nur unzureichend. «Dies ist ein besonderer Fall», sagte Commander Steve Rodhouse am Freitag.

Die wieder freigekommenen ausländischen Eheleute seien nicht in das Haus zurückgekehrt, sagte Rodhouse. Die Vorwürfe blieben aufrecht. Beide seien bereits 1970 einmal festgenommen worden. Man verfolge sie auch wegen Verstößen gegen das Ausländerrecht.

Die drei Opfer aus Großbritannien, Irland und Malaysia wurden während ihrer Gefangenschaft geschlagen. «Wir wissen, dass es physische Gewalt gegeben hat», sagte Detective Inspector Kevin Hyland von der Spezialeinheit gegen Menschenhandel bei Scotland Yard. Sexuelle Ausbeutung habe jedoch keine Rolle gespielt.

Rodhouse sprach von «unsichtbaren Handschellen», die den Frauen angelegt worden seien. «Es ist nicht so offensichtlich brutal wie bei anderen Fällen, in denen Frauen eingesperrt wurden und ihnen nicht erlaubt wurde, das Gebäude zu verlassen», betonte er.

Es handele sich um ein Ausmaß an moderner Sklaverei, wie es der Londoner Polizei nach Angaben von Hyland noch nie untergekommen ist. Die drei Frauen, die laut Hyland wie «Haussklaven oder Zwangsarbeiter» lebten, waren bereits am 25. Oktober befreit worden.

Die Hilfsorganisation Freedom Charity hatte die Aktion in Kooperation mit der Polizei minuziös geplant. Zwei der Frauen - eine 30 Jahre alte Britin und eine 57 Jahre alte Irin - schlichen sich aus dem Haus, ohne dass die Peiniger es mitbekamen. «Sie haben mir die Arme um den Hals geworfen», berichtete Aneeta Prem von Freedom Charity am Freitag im ITV-Fernsehen über die Befreiung. Im Call-Center der Hilfsorganisation habe es Jubelszenen gegeben.

Das dritte Opfer - eine 69-Jährige aus Malaysia - wurde den Angaben zufolge wenig später befreit. Die Irin hatte die Initiative nach einer Fernsehsendung am 18. Oktober ergriffen und die Hotline der Hilfsorganisation angerufen.

Das jüngste Opfer lebte offenbar bis zu diesem Tag nie in Freiheit - wenngleich die Polizei davon ausgeht, dass es in dem Haus «eine Art kontrollierter Freiheit» gegeben habe. So konnten die mutmaßlichen Haussklaven wohl etwa zum Wäscheaufhängen ins Freie gehen. Die Ermittler wollten sich jedoch nicht darauf festlegen, ob die 30-Jährige bereits in ihrem Gefängnis geboren wurde. Auch auf die Frage, ob die Frauen untereinander verwandt sind, gab es zunächst keine klare Antwort. Eine Verwandtschaft zu ihren Peinigern schloss die Polizei wegen unterschiedlicher Nationalitäten nahezu aus.

Am Tag nach Bekanntwerden des Falles kamen mehr und mehr Details ans Licht. Nach Medienberichten sollen die Frauen während ihrer Gefangenschaft weder Schulbildung noch medizinische Versorgung bekommen haben. Eines der drei Opfer soll einen Schlaganfall gehabt, jedoch keine Medikamente erhalten haben.

Die britische Regierung erklärte am Freitag härter gegen Menschenhandel vorgehen zu wollen. Gegenwärtig werde ein Gesetzentwurf im Parlament vorbereitet, der lebenslange Haft als Höchststrafe für Sklavenhaltung vorsieht, sagte Innen-Staatssekretär James Brokenshire im BBC-Radio. «Die Leute glauben, Sklaverei ist eine Sache, die in den Geschichtsbüchern steht. Die traurige Realität ist, dass es sie noch immer gibt», sagte er.

Nach Angaben des Forschungsinstituts Centre for Social Justice wurden im Jahr 2012 die Fälle von mehr als 1000 Menschen bekannt, die als moderne Sklaven in Großbritannien gehalten wurden.

Bericht des CSJ