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Schalke triumphiert erneut im Revierderby

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Die Schalker Spieler feierten ausgelassen den Sieg gegen den Erzrivalen aus Dortmund. Foto: Kevin Kurek Foto: dpa

Gelsenkirchen (dpa) - Nur beim Schlusspfiff ließ Jens Keller seiner Freude freien Lauf, verkniff sich aber wenig später jede Geste des Triumphs. Auch das prestigeträchtige 2:1 (2:0) im hochklassigen 142. Revierderby gegen Borussia Dortmund lockte den Schalker Trainer nicht aus der Reserve.


Auf seine Kritiker, die ihn wochenlang als Fehlbesetzung bezeichnet hatten, ging Keller mit keiner Silbe ein. Stattdessen gewährte Sportvorstand Horst Heldt einen Blick in die königsblaue Gefühlswelt: «Dass wir es geschafft haben, das Derby zweimal zu gewinnen, ist Balsam für die Seele.»

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Rechtzeitig zum Achtelfinal-Rückspiel in der Champions League am Dienstag gegen Galatasaray Istanbul ist der zwischenzeitlich wankende FC Schalke wieder obenauf. Nach drei Siegen in Serie wächst der Glaube an eine Rückkehr in die europäische Königsklasse - und das Vertrauen in die Arbeit des Trainers. Ganz plötzlich ist aus der Interims- eine mögliche Dauerlösung geworden. Auf die Frage, ob er Genugtuung empfinde, antwortete Keller auf seine Art: «So wie ich vorher bei Niederlagen nicht in Depressionen verfallen bin, mache ich jetzt keine Luftsprünge. Aber die Arbeit macht mir großen Spaß.»

Förderer Heldt nutzte die Gunst der Stunde, um die Arbeit des Fußball-Lehrers zu würdigen. «Natürlich hat er zum Aufschwung sehr viel beigetragen. Wir haben gesehen, dass es in den vergangenen Monaten gut harmoniert.» Ungeachtet der vielen in den Medien gehandelten Nachfolgekandidaten wie Frankfurts Trainer Armin Veh schloss der Manager eine Weiterbeschäftigung von Keller als Chefcoach über das Saisonende hinaus nicht kategorisch aus: «In der Tat ist die Entscheidung noch nicht gefallen.» Ähnlich äußerte sich Vereinschef Clemens Tönnies: «Nach der Arbeit der letzten Spiele kann man Jens Keller nicht infrage stellen.»

Es passte ins Bild von einem Schalker Festtag, dass ausgerechnet Jubilar Julian Draxler den Sieg einleitete. In seinem bereits 100. Bundesligaspiel traf der erst 19-Jährige in der 12. Minute zum 1:0 (12.). Der in der zweiten Halbzeit verletzt ausgewechselte Klaas-Jan Huntelaar steuerte das zweite Tor (35.) zum verdienten Erfolg bei. «Ich bin hier groß geworden, da ist etwas besonders für mich gegen Dortmund zu spielen und zu gewinnen», schwärmte Draxler, «das Grinsen wird noch etwas auf den Lippen bleiben.»

Selbst der im Winter zu Tottenham Hotspur gewechselte Lewis Holtby gratulierte via Facebook: «Starker 2:1 Sieg Jungs..:-). Memories vom Hinspiel ... Feiert schön.» Einzig die Verletzung von Torschütze Huntelaar trübte die Freude der Schalker. Der in der 54. Minute ausgewechselte Niederländer zog sich einen Innenbandteilriss im linken Knie zu. Deshalb wird Huntelaar seinem Team voraussichtlich einige Wochen fehlen. «Das ist sehr bedauerlich. Uns gehen langsam die Stürmer aus», klagte Trainer Keller.

Begleitet vom Jubel der Schalker Fans über den zweiten Derbysieg verließen die Dortmunder Profis mit hängenden Köpfen den Rasen. Nur vier Tage nach der umjubelten 3:0-Gala gegen Donezk in der Champions League herrschte Frust. «Die Mannschaft sitzt in der Kabine wie ein Häufchen Elend», bekannte Trainer Jürgen Klopp. Wie schon beim 1:2 in der Hinrunde ging die Borussia ausgerechnet im Duell mit dem Erzrivalen erneut leer aus. «Das tut weh», klagte Mittelfeldspieler Nuri Sahin.

Erst mit der Einwechslung von Marco Reus direkt nach der Pause gewann das Angriffsspiel der Borussia an Fahrt. Das 17. Saisontor von Robert Lewandowski (59.), der in seinem siebten Bundesligaspiel nacheinander traf und damit den Vereinsrekord von Timo Konietzka aus der Saison 1964/65 egalisierte, brachte die bis dahin bärenstarken Schalker ins Wanken. Klopp rechtfertigte die Entscheidung, das Spiel ohne den Nationalspieler zu beginnen. «Wir würden es wieder so machen. Wenn alle fit sind, müssen wir bei unserem Programm solche Momente nutzen, um dem ein oder anderen Spieler eine Pause zu gönnen.»