weather-image

Salzhandel als Beginn der Globalisierung

3.0
3.0
Bildtext einblenden
Für die Installation »The Salt Traders« (Die Salzhändler), in der Anna Boghiguian den globalen Handel von Salz und Sklaverei in der Antike thematisiert, erhielt sie auf der Biennale 2015 den »Goldenen Löwen«. (Foto: Mikosch)

Die vielseitige Werkschau einer außergewöhnlichen Frau, nämlich Anna Boghiguian, ist noch bis 11. November im Rupertinum in Salzburg zu sehen.


Die ägyptisch-kanadische Künstlerin und Tochter eines armenischen Uhrmachers wurde vor 72 Jahren in Kairo geboren, studierte dort Wirtschafts- und Politikwissenschaften und zog in den frühen siebziger Jahren nach Kanada, um dort ein Kunst- und Musikstudium zu absolvieren. Kairo benennt sie zwar als ihren Wohnort, doch ist sie meist auf Reisen gleich einer »Nomadin« auf Spurensuche und geht dabei ihrem starken Interesse an Politik, Philosophie, Literatur und Musik nach.

Anzeige

Eindrücke in Wort und Bild beschrieben

Indien, Europa und andere Orte der Welt inspirierten sie so stark, dass sie auf diesen Reisen begann, ihre Eindrücke in Wort und Bild zu beschreiben. Sie fertigte Collagen an, beschrieb in Gedichten und Texten ihre Gedanken und Gefühle und vertiefte sich in ausgewählte Literatur dieser Länder, die sie wiederum in einige ihrer Kunstwerke und Installationen einfließen ließ.

So findet der Besucher im ersten Raum der Ausstellung eine Zusammenschau ihrer wichtigsten Künstlerbücher, die teilweise aus meterlangem Papier wie eine Ziehharmonika zu einem handlichen, auffaltbaren Ganzen wurden, sogenannte Leporellos. Politisch-soziale Themen sind der kritischen Menschenfreundin ein zentrales Anliegen. In drei jeweils einen Raum füllenden Installationen kann sich der Betrachter mit unterschiedlichsten Themen auseinandersetzen: »Promenade dans l‘ìnconscient« (Spaziergang in das Unbewusste), die Gründung der Stadt Nimes in Frankreich als römische Kolonie beleuchtend, oder bei »A Play to Play« (Ein Spiel spielen) mit Bezug auf die indische Unabhängigkeitsbewegung und den bengalischen Dichter und Nobelpreisträger Rabindranath Tagore.

Höhepunkt der Ausstellung aber ist die Installation »The Salt Traders« (Die Salzhändler), 2015, in der die Künstlerin den globalen Handel von Salz und Sklaverei in der Antike thematisiert. Dafür erhielt sie auf der Biennale Venedig 2015 den »Goldenen Löwen«. In dieser Raum füllenden Installation zeigt sich deutlich, welch große Bedeutung politisch-soziale Themen für sie haben, hier, inmitten einer imaginären Landschaft aus Sand, Salzsteinen, zerborstenen Wrackteilen alter Schiffe und verschiedenen Segeln. Dazwischen stehen große Stellwände mit Anna Boghiguians bebilderten und beschrifteten Aussagen, während gleichmäßig lauter Wellenschlag des Meeres auf die Gefahren dieses Elements hinweist.

Der Beginn einer globalisierten Welt

Mit dem Salzhandel verweist sie auf Parallelen von einst zu heute, zeigt quasi den Beginn einer globalisierten Welt auf, die meist zum Nachteil der Schwachen wurde; man denke an die Gier im Kolonialismus und seine negativen Auswüchse, die Sklaverei. Anna Boghiguian pocht an unser soziales Gewissen, regt an, darüber nachzudenken, wie es damit denn heute aussieht. Kaum ein Krieg im Laufe der Geschichte hatte oder hat bis heute ein anderes Motiv als die Gier.

Gleichzeitig verdeutlichen diese »Salzhändler« auch Boghiguians Lust am Reisen: Schiffe mit Segeln als ursprünglichstes Fortbewegungsmittel der Menschheit. »Ich habe speziell für diese Ausstellung in Salzburg in einem kleinen Ort bei Alexandria ein riesiges Segel gekauft und es von Bootsleuten nähen lassen«, erzählt sie. In der ihr typischen Art hat sie es bemalt und mit kritischen Gedanken zu der alten Zeit beschriftet, die genauso auch ihre Gültigkeit in der Gegenwart besitzen. Man kann diesen meterhohen Blickfang nicht übersehen, gleich wenn man den Arkadeninnenhof des Museums betritt. »Trade and Birds« (Handel und Vögel) nennt sie es und bestätigt: »Ja, das Segel ist für mich ein Symbol. Es steht für die älteste Form des Reisens. So gelangten Menschen von einem zum anderen Ort.«

Und die Vögel, die Krähen, die auch in vielen ihrer Bilder und Installationen immer wieder zu finden sind? – Es ist deren Freiheit, auf die Anna Boghiguian fasziniert verweist. »Sie sind die einzigen Lebewesen, die die Kontrolle über Luft und Boden besitzen. Zudem haben sie ein tiefes kollektives Bewusstsein. Sie bewegen sich frei und leben frei nach ihren eigenen, natürlichen Gesetzen.«

Die Ausstellung ist von Dienstag bis Sonntag jeweils von 10 bis 18 Uhr geöffnet, am Mittwoch bis 20 Uhr. Helga Mikosch