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Rushhour am Nadelöhr

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Gegenverkehr gibt es am Schusterbistlweg im Moment häufig: Einer zieht den Kürzeren und muss rücksetzen. (Fotos: Kilian Pfeiffer)
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Die Nebenstraße ist zum Ausweichen ungeeignet.

Bischofswiesen – Bei Autofahrern sind Abkürzungen beliebt: Weil die Hauptstraße von Bischofswiesen nach Berchtesgaden wegen Kanalbauarbeiten wochenlang komplett gesperrt ist, nutzen hunderte Fahrzeuge pro Tag nicht die offizielle Umleitung, sondern eine schmale Nebenstraße, um schneller ans Ziel zu kommen. Die Anwohner vom Schusterbistl­weg sind deshalb genervt: »Ständig ist die Straße verstopft, das ist kein Zustand«, sagt einer.


Die Umleitung über die Bundesstraße 20 wäre sichtbar ausgeschildert. Doch dies interessiert die Wenigsten, denn die Umleitung erfordert mehr Fahrzeit, ist weiter. Und Ortskundige wissen: Sie kommen auch über die schmalen Nebenstraßen ans Ziel nach Berchtesgaden, zum Leidwesen der Anwohner in der Stanggaß. Gewöhnlich verschont vom lauten Verkehr, rauschen nun frühmorgens und abends die Autos vorbei an den Häusern, über die schmalen Straßen. Schusterbistlweg und Bayerstraße waren lange Zeit Anliegerstraßen. Von den einstigen Schildern ist nichts übrig geblieben. Heutzutage findet man darauf keinen Hinweis mehr, wie ein Vertreter der Polizeiinspektion Berchtesgaden auf Nachfrage des »Berchtesgadener Anzeigers« bestätigt. »Wir sind den Weg eigens abgefahren und haben geschaut«, heißt es aus der Dienststelle, die ebenfalls an der derzeit viel befahrenen Bayerstraße liegt. Den rauschenden Verkehr zu Stoßzeiten bekommen die Polizeibeamten mit. Dagegen tun könne man aber nichts, heißt es. Das nervt die Anwohner. So mancher hat sich schon mit dem Smartphone in Stellung gebracht, Fotos gemacht, wenn es mal wieder heiß her geht. Denn der Schuster­bistlweg ist besonders schmal, eigentlich nur für ein Fahrzeug gedacht – er führt an landwirtschaftlichem Gelände vorbei, an Wohnhäusern, ein paar Villen: eine klassische Anliegerstraße. Zwei Fahrzeuge nebeneinander? Unmöglich.

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26 Einfahrten haben die Anwohner gezählt, aber keine Ausweichen. Genau das sei das Problem, sagt einer der Anlieger. Für die Verkehrsteilnehmer bedeutet dies: Start und Stop, wenn Gegenverkehr kommt, mit dem Rückwärtsgang ein paar Meter zurücksetzen, hinauf in die Einfahrt des Nachbarn, warten, dass der andere passieren kann.

So geht das den ganzen Tag. »Manchmal kommen von beiden Seiten mehrere Fahrzeuge auf einmal. Das ist eine Katastrophe. Alle blockieren sich. Da geht dann gar nichts mehr«, sagt der Bischofswieser Bürger und fasst damit die »wahnsinnige« Verkehrssituation zusammen. Die Baustelle, die das hohe Verkehrsaufkommen auf den Nebenstraßen verursacht, soll noch mindestens zwei Wochen betrieben werden. Das wollen die Anwohner aber so nicht hinnehmen. Denn nicht nur Berchtesgadener hätten die »Abkürzung« für sich entdeckt, sondern auch Münchner, Rosenheimer, Tölzer, Traunsteiner. Man habe bereits Unterschriften gesammelt, heißt es. Die sollen nun in der Gemeinde abgegeben werden. Im Ordnungsamt der Gemeinde in Bischofswiesen ist von chaotischen Verkehrssituation in Stanggaß bislang nichts bekannt. »Bei mir hat sich noch niemand beschwert«, sagt die Mitarbeiterin des Ordnungsamtes. Allerdings: Der Geschäftsleiter ist derzeit nicht im Haus. Nicht jedes Bürgerproblem dringt bis zum Ordnungsamt vor. Und übrigens: »Das Landratsamt ist für die Beschilderung zuständig.«

Wie den Anwohnern geholfen wäre? »Mit einer zusätzlichen Beschilderung«, so lautet der einhellige Wunsch am Schusterbistl­weg. Tatsächlich existiert bislang kein Verkehrshinweis im Ortsteil Stanggaß, der auf die Umleitung hinweisen würde. »Auch Kontrollen wären wünschenswert.« Vonseiten der Polizei kann man aber nicht kontrollieren – denn die Durchfahrt, so chaotisch sie ist, sei »legal«, sagt ein Polizeibeamter. So bleibt also nichts als das Gespräch zu suchen. Denn zwei weitere Wochen Verkehrschaos: Das wollen sich die Stanggaßer Bürger nicht vorstellen. Kilian Pfeiffer


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