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Romney: Obama-Wähler sind Abzocker

Mitt Romney
Nach Ansicht von Mitt Romney sind rund die Hälfte der Obama-Wähler "Abzocker". Foto: Erik S. Lesser Foto: dpa

Washington (dpa) - Der republikanische Präsidentschaftskandidat Mitt Romney hat mit abfälligen Äußerungen über die Anhänger des demokratischen Präsidenten Barack Obama für Wirbel gesorgt. Der Multimillionär charakterisierte 47 Prozent der Wähler und damit praktisch die Hälfte der US-Bevölkerung als Abzocker.


Sie glaubten, sie seien Opfer und die Regierung müsse für sie sorgen. Das seien auch die Leute, «die keine Einkommensteuern zahlten», sagte Romney während eines privaten Empfangs für reiche Wahlspender. Obamas Wahlkampflager warf Romney postwendend vor, er habe die Hälfte der Bevölkerung beleidigt und «abgeschrieben».

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Das im Mai aufgenommene Video war dem linksgerichteten Magazin «Mother Jones» zugespielt worden. Romney selbst räumte nach Veröffentlichung in einer improvisierten Pressekonferenz in Kalifornien ein, er habe sich «nicht elegant ausgedrückt» und habe auf eine Frage hin «ins Blaue gesprochen». In der Sache selbst nahm Romney aber nichts von seinen Äußerungen zurück. Er habe damit die Unterschiede in den Visionen beider Spitzenkandidaten für die Nation deutlich machen wollen, sagte er.

«Dies ist letztendlich eine Frage der Richtungen für unser Land: Glaubst du an eine regierungsorientierte Gesellschaft, in der mehr und mehr Wohltaten verteilt werden, oder glaubst du stattdessen an eine privatwirtschaftliche Gesellschaft, in der die Menschen ihre Träumen nachgehen können?», so der Ex-Gouverneur von Massachusetts.

Obamas Wahlkampfmanager Jim Messina nannte die im Video aufgezeichneten Äußerungen des Multimillionärs «schockierend». Der Ex-Gouverneur von Ohio, Tim Strickland, bezeichnete es als unfassbar, dass Romney praktisch die Hälfte der Bevölkerung herabwürdige. Er spreche von Menschen, die auf Hilfe der Regierung angewiesen seien, weil ihr Einkommen nicht ausreiche, um für sich und ihre Familien zu sorgen. «Dass dies von einem vermögenden Mann kommt, der gerade mal 14 Prozent Steuern zahlt, macht die Äußerungen noch unglaublicher», sagte Strickland in einem Interview des Senders CNN.

In einem Clip des mit einer versteckten Kamera aufgenommenen Videos erklärt Romney, dass sein Wahlkampf nicht darauf ausgerichtet sei, jene «47 Prozent» der Leute anzusprechen, die Obama wählten, «komme, was da wolle».

«Es gibt 47 Prozent, die auf seiner Seite sind, die abhängig von der Regierung sind, die glauben, dass sie Opfer sind, die glauben, dass die Regierung eine Verantwortung hat, für sie zu sorgen, die glauben, dass sie Anspruch auf Gesundheitsfürsorge, auf Essen Unterkunft und was sonst noch alles haben», so Romney. «Dies sind die Leute, die keine Einkommensteuern zahlen.» Der Spitzenkandidat fügt dann hinzu: «Mein Job ist, mir keine Kopfzerbrechen über diese Leute zu machen. Ich werde sie niemals überzeugen, dass sie persönliche Verantwortung übernehmen und für ihr Leben sorgen sollten.»

Weiter scherzt Romney darüber, dass er größere Chancen auf einen Wahlsieg im November hätte, wenn er von Latinos abstammen würde.

In einem weiteren Videoclip äußert sich Romney auch zum Nahost-Konflikt. Auf eine Frage, ob das Problem zu lösen sei, antwortet der Republikaner, die Palästinenser seien nicht an Frieden interessiert. Sie seien «der Zerstörung und Vernichtung Israels verpflichtet». Vor diesem Hintergrund sei er auch nicht dafür, dass Israel sich den Palästinensern beuge. «Die Idee, Israel dazu zu drängen, etwas aufzugeben, um die Palästinenser zum Handeln zu bringen, ist die schlechteste Idee auf der Welt.»

Bericht in Mother Jones

Bericht Washington Post

Washington Post zu Romney-Äußerung