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Bad Reichenhaller Philharmonie startet Konzertreihe mit überzeugender Musik – Valentin Radutiu verzaubert Publikum

Romantische Reise von den Hebriden in die Neue Welt

Mit einer durch und durch romantischen Reise begeisterte der Klangkörper der Bad Reichenhaller Philharmonie unter ihrem Chefdirigenten Professor Christoph Adt gleich beim heurigen Auftaktkonzert im Theater im Kurgastzentrum das Publikum mit feiner, virtuoser, ausdrucksstarker und klanggewaltiger Musik. Den virtuosen Mittelpunkt bildete zweifelsohne das hochromantisches Konzert für Violoncello op. 104 von Antonìn Dvòràk, meisterhaft interpretiert von Valentin Radutiu als Solist.

Valentin Radutiu bescherte den Zuhörern in Bad Reichenhall ein besonderes Klangerlebnis.

Am Beginn des Konzertabends stand jedoch Felix Mendelssohn-Bartholdys beliebte Ouvertüre »Die Hebriden« op. 26. Mendelssohn schrieb dieses Werk im Jahre 1829, angeregt durch den Besuch der Fingalshöhle auf der schottischen Insel Staffa. Die Overtüre ist die bekannteste des Komponisten nach der Sommernachtstraum-Ouvertüre und verleitete sogar Richard Wagner dazu, Mendelssohn als »erstklassigen Landschaftsmaler« zu bezeichnen.

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Mit feinen Klangteppichen der Streicher, lieblichen Sequenzen der Holzbläser oder getragenen Passagen der Blechbläser gelang es dem Orchester vorzüglich, beschauliche Ruhe, zärtliche Verspieltheit, leisen Wellengang und eine leichte Brise Wind klanglich darzustellen. Mit starken dynamischen Steigerungen und wuchtigen, gleichwohl voluminösen Einsätzen der gesamten Instrumentierung fegten Sturmböen über die Dünen, dunkle Wolken über den Himmel oder die aufgepeitschte Meeresbrandung bedrohlich an die Felsen der kleinen Insel. Versöhnlich klingen alle Stimmungen in einem feinen, lieblichen Klarinettenton aus.

Ein außergewöhnliches Klangerlebnis bescherten dem Publikum im Anschluss der Solist Valentin Radutiu zusammen mit der Philharmonie mit einem der Meisterstücke für Violoncello schlechthin, dem Konzert für Violoncello und Orchester, h-Moll op. 104 in den Sätzen Allegro, Adagio man non troppo und Finale-Allegro moderato. Der vielfach ausgezeichnete Solist, 1986 geboren in München, ist gefragter Gast zahlreicher namhafter Orchester auf der ganzen Welt, studierte in Salzburg, Wien und Berlin und gilt als »eine der großen Cello-Begabungen unserer Zeit«.

Es war dann auch ein ganz besonderer Genuss, dem jungen Künstler bei seinem Vortrag zuzuhören. Er spielte auf einem Instrument, das vom Cremonesen Francesco Ruggieri im Jahr 1686 gebaut wurde. Mit seinem individuellen Bogenstrich entlockte Radutiu den Saiten seines Violoncello kräftige, energisch durchdringende, dann wieder feine, filigran liebliche Töne die sowohl in tiefen Lagen, bis hinauf zu fast gläsern klingenden hohen Tönen, klar in ihrer Kontur und rein erklangen und dies in allen klassischen Spieltechniken und Ausdrucksformen wie etwa Doppelgriffe, Vibrato oder Pizzicati. Bemerkenswert war zudem, wie sehr der Cellist auch körperlich mit dem Stück verbunden war, dahin »träumend« in den romantisch oder melancholisch ausgelegten Sequenzen, hörbar mitseufzend in traurigen und klagenden Passagen. Betörend war aber auch das Zusammenspiel mit dem Orchester, welches hellwach und präsent die Gegensoli interpretierte, mit einzelnen, vornehmlich Holzblasinstrumenten oder der Sologeige, immer wieder auch in Duette mit dem Solisten eintrat und insgesamt für dynamisch excellente Spannungsbögen sorgte, gefühlvoll und engagiert geleitet von ihrem Chefdirigenten.

Überschwänglicher Beifall und Bravorufe waren der Dank für eine homogene, grandiose Intonation des Orchesterwerkes. Der Cellist bedankte sich wirkungsvoll mit einen Katalanischen Volkslied »Das Lied der Vögel«. Ebenfalls von einem Auslandsaufenthalt inspiriert, komponierte Antonìn Dvòràk sein populärstes Werk, die Sinfonie Nr. 9 »Aus der neuen Welt« e-Moll op. 95, in der er den Geist amerikanischer und indianischer Volkslieder hineinkomponierte. Auch bei diesem Werk verstand es die Bad Reichenhaller Philharmonie erneut excellent, ihre Zuhörer in feinste Melodieführungen und die prachtvolle orchestrale Wucht der Sinfonie mit hineinzunehmen.

Viele Passagen wurden in der großen Orchesterbesetzung so fein und gefühlvoll gespielt, dass mancher der Zuhörer sich gar nicht zu Atmen traute. Alle Begeisterung über diesen grandiosen und gelungenen Einstieg in die diesjährige Orchestersaison legte das Publikum schließlich in ihren euphorischen, minutenlangen Applaus der gar nicht enden wollte. Werner Bauregger