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Rockmusik in ihrer bairischen Urform

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Beim John in Obing ging’s zur Sache: »Dee Vier«, der Stammtisch aus Niederbayern, zeigten, was sie musikalisch und gesanglich drauf haben. (Foto: Zeilinger)

»Mia macha d’Musi wegam Spaß« – das haben die Männer von »Dee Vier« im Vorfeld ihres Konzerts in Obing betont und dann auch bewiesen. Der Grund ihres Kommens war die Verlegung des geliebten Stammtischs aus Engertsham in Niederbayern (der von Montag bis Sonntag von 7 bis 7 Uhr geöffnet ist) zu John und Rita nach Obing.


Die meisten der präsentierten Lieder stammten aus ihrer eigenen Feder – und nicht von bekannten Weltstars: »De hams uns nämlich olle g’stoin!« Beweise dafür boten die Niederbayern den ganzen Abend über: AC/DC, Deep Purple, Prince oder Led Zeppelin, Tina Turner, Eros Ramazotti, Bob Marley, Elvis Presley oder Paolo Conte – kaum zu glauben, aber alle, wirklich alle, waren sie Diebe.

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»Dee Vier« präsentierten ihre Lieder mit den original bairischen Texten versehen, quasi der Urform, wobei sich der »Jodlbauer« den Abend über nicht richtig entspannen konnte, denn er musste darüber wachen, dass sich seine Kollegen nicht in Walzer- oder Polka-Melodien verloren ... Denn sie sind ja Rockmusiker. Und das Publikum war doch auch nur wegen der Rockmusik gekommen. »Stimmt doch, oder?«, fragte er vorsichtshalber nach. Die Antwort war eindeutig.

»Dee Vier« bestehen aus dem »Jodlbauer Sepp« (Christian Pfefferkorn mit rauher, kehliger Stimme – Hardrock-Schlagzeuger), dem »Christbam Schlexe« (Stefan Kriszt – Gscheidling, gelernter Mänädscher), dem »Haarstamm Wick« (Richard Kopp – Bass, Doadn-grober – »a guada Beruf, da braucht ma si ned unterhoitn« – Stammtisch-Philosoph und Schmatzer) und dem »Steffelbauer Lois« (Max Peter Lehner – Gitarre, Schdammdisch-Vorstand und Rentner).

Typische Stammtisch-Themen gab es genauso wie viele gut gemeinte Ratschläge der Band. »Dee Vier« wirkten offensichtlich trotz Arbeitsmänteln, Lederhosen und eigenwilligen Kopfbedeckungen »unwiderstehlich und sexy«, denn prompt warfen »Groupies« vielfältigste Unterwäsche auf die Bühne. Deshalb sei auch Körperpflege so wichtig – besonders die von innen.

Das demonstrierten sie praktisch den ganzen Abend über mit dem Inhalt ihrer Bierflaschen. Darüber hinaus nahmen natürlich auch Frauen, insbesondere die Mutti (Gattin) von Lois, etwas Politik, die Arbeit (einer hat eine Lackdosen-Intoleranz) und natürlich Autos geraumen Platz beim Philosophieren ein.

Dazu bekam auch ein bekanntes Kinderlied eine neue Aussagekraft: »Aber Heinzi, kumm peitsch mi, bum, bum«. Die Musiker trugen zwischendurch Langhaar-Perücken sowie Sonnenbrillen, passend zu Hard-Rock-Stücken von Led Zeppelin (»Whole Lotta Love«/»I muas aufsteh, i hob Kopfwäh – Au! – bin ned guad drauf ...«) oder AC/DC (»Highway to Hell«/»Heit war i z’schnell« – mit einem Ford Capri beim Wettrennen).

Urbayerische Lieder wie »Riders on the storm« (Doors)/»Heit is oana gstoam«, »Let it be« (Beatles)/»Sauf nur so weida, dann bist boid hi«, »Alice« (Rod Stewart)/»I b’stäi mei Bia imma bei da Alis – und sauf bis hell is« zeugten von spielerischer und gesanglicher Kompetenz. Bei der Melodie von »In the army now« (Status quo) ging’s um das »Ergebnis« eines Italienurlaubs: »Muaß Alimente zoin – oh, oh, oh, muaß Alimente zoin«.

Und weil am Lois sei »Bratl-Wampe« bedenklich zugenommen hat, und er deshalb »von da Mutti« auf Diät gesetzt wird, verkam »So loneley« von Police gänzlich zum Jammerlied: »a Salod is ...« Zum Ende des Abends folgte der Auftritt vom »Schlexe« in DDR-Uniform. Er sang sächsisch nach der Melodie von »Purple Rain« (Prince): »Bärbel rennt ...«

Der Funke brauchte etwas länger, bis er aufs Publikum übersprang. Ein wenig viel Witzeleien anfangs und zu wenig musikalische Einlagen. Aber das gab sich, als »Dee Vier« musikalisch und stimmlich gekonnt loslegten und »da Jodlbauer« ein Schlagzeugsolo »vollführte«, viele Witze und Liedertexte wirklich originell waren und Niveau hatten – da waren die meisten im Saal zufrieden. Herbert Zeilinger