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Ritterburg vor Eindringlingen schützen

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Berchtesgaden: Arzt Dr. Michael Horn will mit Buch über das Impfen aufklären
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Dr. Michael Horn will mit seinem Buch die Leser für das Impfen sensibilisieren. (Foto: Patrick Vietze)

Berchtesgaden – Impfen verunsichert viele Menschen. Oft wissen sie nicht, was bei diesem Vorgang mit dem Körper passiert. Deshalb veröffentlichte Dr. Michael Horn kürzlich das Buch »Kleiner Pieks, große Wirkung?! Alles, was Sie übers Impfen wissen sollten«. Dabei will der Kinderarzt über Chancen und Risiken einer Impfung aufklären.


Dr. Horn listet nicht stur die Impfmittel und deren Wirkungen auf, sondern erklärt die Sachverhalte anhand eigener Erfahrungen aus dem Praxisalltag. Aufmerksam auf dieses Thema wurde er in seiner Zeit als Assistenzarzt. Damals sollte Dr. Horn ein Baby impfen. »Ich hatte Zweifel. Das Kind wirkte auf mich gesund und nun soll ich da zwei Spritzen reinhauen«, erinnert er sich.

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Aus seinen Zweifeln entwickelte sich Interesse: Von 2016 bis 2018 studierte der heute 50-Jährige berufsbegleitend den Master in Klinischer Forschung an der Universität Linz – dabei wollte er sein Wissen zu den medizinischen Themen Forschung, Studien und Impfen erweitern.

In seiner Masterarbeit fand er heraus, wie sich Eltern, die ihr erstes Kind haben, gegenüber dem Impfen verhalten: »Schon die erste Information reicht und sie haben eine klare Stellung zu dem Thema.« Die Quellen sind unterschiedlich, wie er im Buch erwähnt: Mal hätten sie Gutes von den Nachbarn gehört, mal hätten sie dem Kinderarzt vertraut.

Doch Dr. Horn hat auch einige Konflikte erlebt. So hätten sich Eltern beispielsweise über das Internet informiert und seien auf Lügengeschichten zum Impfen gestoßen. Im Buch erwähnt Dr. Horn eine Studie des Arztes Andrew Wakefield. 1998 hat der Brite mit einem Artikel in der medizinischen Zeitschrift »The Lancet« für Unruhe gesorgt: In seiner Studie behauptete er, eine Masern-Mumps-Röteln-Impfung würde Autismus auslösen.

Da diese Behauptung nicht bestätigt werden konnte, durfte Wakefield den Beruf nicht mehr ausüben. »Wakefields Studie ist natürlich Schwachsinn. Doch wenn Eltern so etwas lesen, dann sind sie sofort verunsichert. Sie wollen dann prinzipiell ihr Kind nicht mehr impfen lassen«, erklärt Dr. Horn.

Eine Impfung kann nur tödlich werden, wenn das Kind einen Immun-Defekt oder andere seltene Erkrankungen hat. Dann rät Dr. Horn von einer Impfung ab. In seinem Buch geht der Kinderarzt auf die unterschiedlichen Erreger ein. Er schildert den Krankheitsverlauf, die Geschichte der Krankheit sowie die Herstellungsgeschichte der Impfmittel.

Zu Beginn schafft Dr. Horn das Basiswissen für den Leser. Durch eine bildhafte Sprache will der Kinderarzt das komplexe Thema einfach erklären. So stellt er die Ritterburg als das Immunsystem dar.

Die Wikinger symbolisieren die Krankheitserreger, sie sind die Burgeindringlinge. Die Wikinger haben unterschiedliche Farben. Der Wikinger kann nur eindringen, wenn die Festung ihn noch nicht kennt. Er zündet die Burg an – das Immunsystem wird geschwächt. Musketiere stellen in seinen Erklärungen die Antikörper dar.

Dr. Michael Horn, »Kleiner Pieks, große Wirkung?! Alles, was Sie übers Impfen wissen sollten«, EMF Verlag, 368 Seiten, 17 Euro.

Patrick Vietze