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Alle Schaffensperioden bei Ausstellung in der Galerie im Alten Rathaus in Prien berücksichtigt

Retrospektive Werke von Brynolf Wennerberg

Die Galerie im Alten Rathaus in Prien zeigt derzeit eine umfassende Ausstellung mit insgesamt 120 Werken aus allen Schaffensperioden des schwedischen Malers Brynolf Wennerberg. Wer war dieser Maler, Zeichner und Gebrauchsgrafiker, der die Welt mit seinen berauschenden Farben sah? Brynolf Wennerberg ist ein Künstler, den es im Chiemgau zwar nicht ganz neu, doch immer noch wiederzuentdecken gilt. Sein Werk erfuhr in der Öffentlichkeit in unserer Region nie jene Auseinandersetzung, wie das von anderen Künstlern, die in der Chiemsee-Region und im Umfeld des Chiemsees wirkten.

Brynolf Wennerberg schuf einen frischen Mädchentyp. Der »Wennerberg-Typ« wurde zur Marke des Künstlers.

Obwohl er sehr geachtet und oft ausgestellt wurde, ist er doch nach seinem Tod am 30. März 1950 in Bad Aibling fast in Vergessenheit geraten. Über 60 Jahre mussten vergehen – seine letzte Ausstellung war 1946 in Rosenheim – bis auf Initiative des Kulturfördervereins Prien und der Kunsthistorikerin Dr. Ruth Negendanck eine umfangreiche Retrospektive der Werke gezeigt werden kann. Dabei gehört der Künstler zu den frühesten Plakatmalern in Europa und arbeitete für die bedeutendsten Zeitschriften Deutschlands, den »Simplicissimus« sowie die »Lustigen Blätter«.

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Brynolf Wennerberg wurde am 12. August 1866 in Otterstad am Vänersee in Schweden geboren. Er gehörte einer der bekanntesten Familien Schwedens an mit deutschen Wurzeln. Bereits von Kindheit an wollte Wennerberg malen, er experimentierte mit selbst gemischten Farben und verkaufte bereits als Knabe seine gemalten Karten erfolgreich. Nach seiner Schulzeit im Jahre 1885 begann er sein Studium an der Kunstgewerbeschule in Stockholm, um seinen zeichnerischen und malerischen Neigungen nachzugehen, wechselte er ein Jahr später nach Kopenhagen zum Studium an den Freien Studienschulen der Künste.

1888 verließ Brynolf Wennerberg Skandinavien und meldete sich in Leipzig als Zeichner an. 1909 wurde er Nachfolger von Ferdinand von Reznicek beim »Simplicissimus«. Den Ausbruch des Ersten Weltkrieges erlebte er im Schweizer Sommerquartier Glarisegg. Neben den beliebten Kunstdrucken gab der Albert-Langen-Verlag nun auch Kriegspostkarten von Wennerberg heraus.

1915 erfolgte der Umzug nach Bad Aibling. Im Jahr 1924 beauftragten große Wirtschaftsunternehmen – wie zum Beispiel NSU, Junkers Badeöfen oder 4711 – Brynolf Wennerberg bis in die dreißiger Jahre mit der Werbung. 1930 und 1931 war er Mitglied der Münchener Künstlergenossenschaft und in den Glaspalast-Ausstellungen vertreten, in den Jahren 1942 und 1943 präsentierte er vier Gemälde in der Großen Deutschen Kunstausstellung in München.

Der Chiemsee inspirierte den Künstler zur Darstellung von Landschaft und Mensch. Sein emanzipiertes Frauenbild, dem er in Zeitschriften wie dem »Simplicissimus« und den »Lustigen Blättern« ein unverwechselbares Aussehen gab, machte ihn berühmt. Brynolf Wennerbergs malerische Bandbreite reicht von der Personendarstellung bis zur reinen Landschaftsdarstellung.

Bei der ausgezeichnet konzipierten Ausstellung in Prien wurde besonders darauf geachtet, dass die Exponate in den verschiedenen Galerieräumen in unterschiedliche Lebensabschnitte und Werkgruppen gegliedert sind, die dem Besucher einen übersichtlichen und kontinuierlichen Einblick und Überblick in das Schaffen von Brynolf Wennerberg vermitteln. Elf Themenschwerpunkte wurden hierfür ausgewählt, in denen sich der Betrachter auf Wennerbergs Kunst einlassen kann.

Die zeichnerische Begabung Brynolf Wennerbergs zeigt sich besonders bei der Werbegrafik. Wie der große französische Vorreiter der Plakatmaler, Toulouse-Lautrec, zeigt Wennerberg in seinen frühen Plakaten eine Kolorierung in wenigen kräftigen Farben, die auch aus der Ferne wirken. Nach 1900 wird sein Farbenspektrum wesentlich differenzierter.

Nach seinen großen Erfolgen als Plakatkünstler und Illustrator ging er in der Malerei andere Wege. Sein Malstil ist geprägt vom Eindruck der Natur und seinen Bemühungen, dieses Erlebnis in Farben deutlich zu machen. Ungewöhnliche Kompositionen und Bildformate sowie ein außerordentlicher Farbensinn lassen einfach Sujets zu einem beeindruckenden Seherlebnis werden. Seine Farbpalette reicht von dunklen erdigen Tönen in den frühen Jahren bis zu hellen lichten Farben.

Eindrucksvoll sind seine Gemälde, die durch eine Vielfalt an Weißtönen eine zarte und duftige Stofflichkeit von Figuren und Gewändern betonen. Seine Sujets umfassen aber nicht nur Frauen- und Mädchenporträts, Tänzerinnen und heitere Szenen aus der Welt des Karnevals und des Zirkus, sondern auch Landschaften, die vorwiegend in der Umgebung seines Ateliers, am Chiemsee und an Ferienorten entstehen. Es sind ruhige Landschaftsbilder mit Bäumen, Wasser und gelegentlichen Bauwerken. Es scheint, dass ihn vor allem stets das Licht interessiert. Er wollte die farbigen Flächen zum Leuchten bringen.

Der »Wennerberg-Typ« wurde zur Marke des Künstlers. Charakteristisch in seinen Frauenfiguren und Frauenporträts, das typische »Wennerberg-Lächeln«, das Menschen bezaubert. Dieser frische Mädchentyp entwickelte sich zur emanzipierten Frau der zwanziger Jahre.

Die einmalige und äußerst sehenswerte Ausstellung ist bis 22. Juni zu sehen und Dienstag bis Sonntag von 14 bis 17 Uhr geöffnet. Gabriele Morgenroth