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Report: Schwere Woche für Obama

Washington (dpa) - US-Präsident Barack Obama sieht müde aus, als wäre er um Jahre gealtert. Aber an seinem Kampfgeist ändert das nichts.

Obama in Boston
US-Präsident Barack Obama spricht bei einer Gedenkfeier in der Heilig-Kreuz-Kathedrale in Boston. Foto: CJ Gunther Foto: dpa

«Ihr werdet wieder rennen», verspricht er in der Heiligkreuz-Kathedrale den Opfern des Anschlags beim traditionellen Boston-Marathon - eine Botschaft zugleich an die geschockte Nation. Und kraftvoll wendet er sich auch an die Täter: «Wir werden Euch finden. Wir werden Euch zur Rechenschaft ziehen.» Obama fand damit anscheinend genau den richtigen Ton, die Trauergemeinde jedenfalls bedankte sich mit tosendem Applaus.

Es ist eine schwere Woche für Barack Obama. Terroranschlag in Boston, Gift-Briefe an ihn und einen Senator, eine überaus bittere Niederlage im Kampf um ein schärferes Waffenrecht und dann noch die verheerende Fabrikexplosion in Texas - für den US-Präsidenten kommt derzeit eine Hiobsbotschaft nach der nächsten.

Erst vor vier Monaten erschoss ein Amokläufer in Newtown 20 Schulkinder und 6 Erwachsene. Damals sagte Obama, es sei der bisher schlimmste Tag seiner Amtszeit gewesen. Und nun muss er wieder Trauerreden halten, trösten und zugleich Mut machen - ein Präsident als Krisenmanager gleich an mehreren Fronten.

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Es sei eine große Herausforderung, aber auch mit vielen Chancen, kommentierten am Donnerstag Experten im US-Fernsehen. Sie erinnerten etwa an Bill Clinton, seine beinahe schon legendäre Rede, mit er 1995 nach dem Anschlag von Oklahoma City mit 168 Todesopfern eine fassungslose Nation aufgerichtet hatte.

  Obama vermittelte bei der Gedenkfeier die Botschaft, sich von Rückschlägen und Tragödien nicht unterkriegen zu lassen. «Wir können es nicht zulassen, dass Dunkelheit und das Böse triumphieren», sagte Obama. Wenn die Täter geglaubt hätten, durch Terror einschüchtern zu können, «dann haben sie sich die falsche Stadt ausgesucht.»

Dass er beides kann, Fürsorge und Trauer zeigen, aber zugleich auch Kampfbereitschaft, das hatte Obama schon nach dem Schulmassaker von Newtown bewiesen. Starke Emotionen zeigte er, Tränen sogar, reagierte als Vater, der verstehen kann, wie unsäglich der Verlust eines Kindes schmerzen muss. Zugleich startete er seine Kampagne für Beschränkungen bei Waffenkäufen, zog dabei alle Register, suchte die Hilfe der trauernden Newtown-Familien.

Dass er dennoch jetzt im Senat mit seinem Vorstoß scheiterte, lag also nicht an mangelndem Kampfeswillen. Er habe darauf gebaut, dass das Entsetzen nach Newtown lange genug im Bewusstsein der Kongresspolitiker wach bleibe, kommentierten am Donnerstag Medien. Das sei eine Fehleinschätzung gewesen, so funktioniere Washington einfach nicht.

Und das scheint eine Art Markenzeichen von Obamas Präsidentschaft zu sein, viel guter Wille, und dann kommt die Ernüchterung. So war es etwa bei dem umstrittenen Gefangenenlager Guantánamo, das er nicht schließen konnte, und bei den jüngsten Streitereien mit den Republikanern um Sparprogramme.

Dabei hatte Obama seine zweite Amtszeit mit der festen Absicht angetreten, seine liberale Agenda zu verfolgen, Reformen zu erreichen, die in den ersten vier Jahren auf der Strecke blieben. Es geht um liberale Einwanderungsgesetzen und auch um Maßnahmen gegen den Klimawandel. Jetzt haben sich die Prioritäten erst einmal deutlich verschoben. Eines liegt natürlich auf der Hand: Wie Obama aus der gegenwärtigen Krisenserie herauskommt, wird zum großen Teil davon abhängen, ob nach dem Anschlag von Boston - wie im Fall der Giftbriefe - ein rascher Fahndungserfolg gelingt.